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Neue OZ: Kommentar zu Graffiti
Osnabrück (ots) - Test der Toleranz
Ärgernis oder Kulturereignis? Diese Streitfrage begleitet
Graffiti, seit es sie gibt. Was die einen als erfrischend
ungebremsten Ausdruck schätzen, verurteilen die anderen als lästige
Sachbeschädigung. Allein die Stadt Leipzig gibt Zehntausende Euro
jährlich aus, um die gesprühten Bilder beseitigen zu lassen. Ein
teurer Spaß.
Zur Graffiti-Kultur gehört jedoch der Regelverstoß - vor allem
gegen Normen blitzblanker Aufgeräumtheit. Die Bilder der Sprayer sind
nicht konform und gerade deshalb auch gern gesehen. Die Sprayer-Szene
produziert Metropolenflair. Ihre Unberechenbarkeit wirkt wie ein
permanenter Test der Toleranz. Das allein hält die Kultur einer Stadt
lebendig. Der Preis dafür ist klar. Solange es Graffiti gibt, werden
sich Freunde sauberer Fassaden über sie aufregen. Versöhnliche
Urteile haben Sprayer keinesfalls zu erwarten. Aber damit rechnen sie
im Ernst wohl auch nicht.
Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
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