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Informationen des Bonner Stadtmuseums unten
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http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1246895333877.shtml
Kölnische Rundschau, 6.11.09
Millionen machten sich "Auf zur Demo!"
Von UTA KRISTINA MAUL
Als linke Chaoten, die außerdem viel Schmutz und Lärm machen, wurden sie einst vielfach verteufelt. Jetzt, Jahrzehnte später, erfahren die Gegner von Atomkraft und Aufrüstung späte Genugtuung: Ihre Demonstrationen in der früheren Bundeshauptstadt Bonn sind salonfähig geworden, wie eine Ausstellung im Stadtmuseum bezeugt.
"Auf zur Demo!" ist der Titel dieser Dokumentation des Straßenprotestes vom 7. September 1949 bis zum 1. Juli 1999, den Tagen der ersten und letzten Bundestagssitzung in Bonn. In diesem Zeitraum haben rund 7000 angemeldete Demonstrationen stattgefunden - von der Mahnwache bis zu den großen Friedensdemonstrationen im Hofgarten (bis zu 300 000 Teilnehmer) in den 80er Jahren oder dem größten Protestzug 1996 gegen Sozialabbau (400 000).
Bei Zeitzeugen, Archiven, Polizei und Netzwerk Friedenskooperative Bonn hat Horst-Pierre Bothien, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum, in mühevoller Arbeit Plakate, Fotos und Dokumente gesammelt. Mühevoll, weil Bothien feststellte, dass das Thema Demo, "der legitime Ausdruck lebendiger Demokratie", in der Literatur "äußerst stiefmütterlich" behandelt werde - "obwohl für Millionen von Menschen die Bundeshauptstadt Bonn zum Ort ihres Protestes wurde, obwohl Hunderttausende von Polizisten aus der ganzen Bundesrepublik für die öffentliche Sicherheit sorgten".
In der "Spitzendemozeit" in den 80er Jahren, als Hunderttausende in Bonn für Abrüstung und Entspannung in Europa und gegen den Nato-Doppelbeschluss protestierten, seien es 300 bis 400 Demos pro Jahr gewesen, so Bothien. Demonstriert wurde in Bonn schon in den 60ern: gegen Bildungsnotstand - heute wieder aktuell -, gegen die Notstandsgesetze (Einschränkung der Grundrechte im Verteidigungsfall). Letztere Demo mit gut 50 000 Teilnehmern am 11. Mai 1968 sollte den Beginn einer neuen Marschroute der Polizei, nämlich die Linie der Deeskalation, markieren. Im Vorwort zur Begleitpublikation Bothiens schreibt Ex-Polizeipräsident Michael Kniesel über den damaligen Einsatzleiter Tonis Hunold: "Er tat für damalige Verhältnisse etwas Unerhörtes: Er lud die Führer der Studentenbewegung als Veranstalter des Sternmarsches nach Bonn ins Polizeipräsidium ein, sprach mit diesen über den geplanten Polizeieinsatz und hörte sich deren Vorstellungen über den geplanten Verlauf des Sternmarsches und der Abschlusskundgebung an." Diese Kooperation sei die Basis für den friedlichen Verlauf gewesen.
Wie das laut Bothien bei fast allen Demos war. So manche mussten sich die Demonstranten allerdings erst vor Gericht erstreiten. Umso mehr freut sich Manni Stenner (Friedenskooperative), dass ihr streitbarer Einsatz nun mit der Ausstellung im Nachhinein "eine gewisse Anerkennung findet".
Begleitpublikation "Auf zur Demo!" von Horst-Pierre Bothien, 18 Euro, im Museum oder im Buchhandel.
Stadtmuseum Bonn:
http://www2.bonn.de/stadtmuseum/inhalte/auf%20zur%20demo.htm
6. November 2009 bis 17. Januar 2010
"Auf zur Demo ..."
Straßenprotest in der ehemaligen Bundeshauptstadt
Sonderausstellung im StadtMuseum Bonn, Franziskanerstr. 9
Öffnungszeiten:
Mo 9.30-14 Uhr, Do-Sa 13-18 Uhr, So 11.30-17 Uhr
Eintritt 2,50 Euro / Schüler und Studenten 1,60 Euro
Führungen durch die Ausstellung:
07. November 2009, 12. Dezember 2009 und 16. Januar 2010, jeweils 15 Uhr
Gang durch die Ausstellung und Hintergrundwissen mit Dr. Horst-Pierre Bothien
- Begleitveranstaltungen
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19. November 1009, 19 Uhr
Erfahrung mit Demos
Aus der Arbeit der Polizei und Demonstrationsveranstalter. U.a. mit dem Polizeipräsidenten a.D. Michael Kniesel und dem Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative Bonn, Manni Stenner. Moderation Dr. Horst-Pierre Bothien.
StadtMuseum Bonn, Franziskanerstraße 9
7. Januar 2010, 17 Uhr
Zeitzeugen-Soiree
Erinnerungen an Demonstrationen
Eingeladen sind Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die über interessante Erlebnisse berichten. In entspannter Atmosphäre sind aber auch die Besucher der Veranstaltung herzlich eingeladen, Erinnerungen beizutragen und über Bonner Demonstrationen zu berichten. Moderation Horst-Pierre Bothien. Die Soiree beginnt mit einem kurzen Rundgang durch die Ausstellung
StadtMuseum Bonn, Franziskanerstraße 9
Infos zur Ausstellung:
3. November 1949 - der Deutsche Bundestag beschließt: Bonn bleibt weiterhin die provisorische Bundeshaupstadt der gerade gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Seitdem tagte zigtausendende Male der Deutsche Bundestag in Bonn, eine kaum zu beziffernde Zahl ausländischer Politiker hielt sich hier zu Staats- und Arbeitsbesuchen auf. In Bonn wurde "große Politik" geschrieben.
All dies ist gut dokumentiert und vielfach gewürdigt worden. In der Öffentlichkeit fand die Tatsache weit weniger Aufmerksamkeit, dass Bonn in seiner Zeit als Bundeshauptstadt auch zu einem wichtigen Ort des politischen und sozialen Straßenprotests wurde. Vom 7. September 1949 bis zum 1. Juli 1999 - den Tagen der ersten und der letzten Bonner Bundestagssitzung - fanden hier etwa 7000 angemeldete Demonstrationen statt - Kundgebungen, Sternfahrten und Mahnwachen. Auf dem Markt- und Friedensplatz, vor Ministerien und Botschaften protestierten kleine Gruppen, aber auch Zehntausende - Stahl- wie Bergarbeiter, Kriegsopfer und Vertriebene, Bürgerinitiativen, Rüstungsgegner ... . Der Bonner Hofgarten mit seinen Friedensdemonstrationen Anfang der 1980er Jahre wurde zum Synonym des engagierten und friedlichen Protests Hundertausender. Insgesamt zogen Millionen von Bürgerinnen und Bürger gezielt in diese kleine Stadt, um ihr grundgesetzliches verbrieftes Recht auf Meinungsäußerung auszuüben; Hunderttausende von Polizisten sorgten bei den zumeist friedlichen Demonstrationen für Ordnung und Sicherheit; über so manchen Protest berichtete die überregionale Presse auf ihren Titelseiten. Und die Bonner Bevölkerung: Sie hatte so manche Unannehmlichkeit zu erdulden.
Die Aussstellung "Auf zur Demo!" möchte mit Fotos und Exponaten einen atmosphätischen Einblick in die 50-jährige Bonner Demonstrationslandschaft geben.
- Begleitpublikation
- Auf zur Demo! Horst Pierre Bothien, Harald Ott
Klartext Verlag 2009. 140 Seiten. ISBN 978-3-8375-0202-2. ca. 17 Euro
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