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Rheinische Post: Die Bildungsmisere
Düsseldorf (ots) - Schlachtruf der SPD in Willy Brandts
Kanzlerjahren (1969 bis 1974): Die Schule der Nation ist die Schule
Regierungs-Parole 2010: Wir schaffen die Bildungsrepublik
Deutschland.
Damals wie heute gilt: Das Marketing ist schneller als die großen Taten,
die es verspricht. Handwerksmeister, die erneut über die mangelhafte
Reife ihrer Lehrlinge klagen, können von dem Missverhältnis zwischen Soll
und Ist ein garstiges Lied singen. Manchmal übertreiben sie es allerdings
auch mit ihren Kritiken: Wenn ein Ausbilder etwa ungenügende Kenntnisse
der Schulabgänger in Geschichte und Erdkunde rügt, könnte man ihn fragen,
was er denn im Gegensatz zur angeblich so ungebildeten Jugend über die
Welt der Computer wisse.
Die Klage der Älteren über die Nachwachsenden ist so alt wie die
Menschheit. Man muss so manche Last mit Azubis nicht beschönigen.
Könnte es aber nicht sein, dass erstens die meisten von ihnen fleißig
und lernbegierig sind und nur wenige dumm und faul? Dass zweitens der
Hang zu Zerstreutheit und laxer Disziplin (wo kommt denn das wohl
her, wenn nicht aus der oft wenig vorbildlichen Erwachsenen-Welt?)
das größere Lehrlingsproblem darstellen als grobes Unvermögen beim
Rechnen und Lesen?
Originaltext: Rheinische Post
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