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WAZ: Studienplatzvergabe - Chaos angerichtet - Leitartikel von
Christopher Onkelbach
Essen (ots) - Den Studenten kann man keinen Vorwurf machen. Sie
wären dumm, würden sie sich auf nur eine Bewerbung verlassen. Wenn
die Studienplatzvergabe nicht mehr zentral erfolgt, sondern von jeder
Hochschule selbst vorgenommen wird, muss sich ein Bewerber an
mehreren Orten parallel anmelden, will er im Oktober nicht leer
ausgehen.
Die Rektoren hatten seit Jahren gefordert, sich die Studenten selbst
aussuchen zu können. Die ZVS weise ihnen die Studenten ungefragt zu,
die Arbeit der Behörde wurde von Professoren und Politikern als
"Studentenlandverschickung" gescholten, ihre Abschaffung immer wieder
gefordert. Und so geschah es schließlich. Übersehen wurde dabei, dass
die ungeliebte ZVS die Studienbewerber zuvor recht effizient in die
Numerus-Clausus-Fächer sortierte und den Hochschulen in Deutschland
zuwies.
Seit rund fünf Jahren dürfen die Hochschulen nun, was sie immer
wollten - und die Schwierigkeiten begannen. Das Problem von
Mehrfachbewerbungen tauchte dann irgendwie überraschend auf, und es
dauerte weitere vier Jahre, bis sich Politik und Rektoren auf ein
Internet gestütztes zentrales Vergabesystem einigen konnten - eine
Art digitale ZVS. Dieses Chaos hätte man den Studenten ersparen
können.
Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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