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Neue OZ: Kommentar zu Behinderte / Arbeit
Osnabrück (ots) - Mehr als Worte, bitte
Die UNO-Behindertenrechtskonvention von 2006 versteht Behinderung
als normalen Bestandteil menschlichen Lebens und Quelle kultureller
Bereicherung. Das klingt gut und richtig - und ist doch vom Alltag
weit entfernt.
Dies ist auf grundlegende gesellschaftliche Versäumnisse
zurückzuführen: Nur allzu oft werden Behinderte als Menschen zweiter
Klasse betrachtet - nicht öffentlich, versteht sich, aber
stillschweigend.
Der vermeintliche Makel der Beeinträchtigung spiegelt sich auch
hierzulande vielfach wider: in der vorgeburtlichen Diagnostik, die
Eltern dazu verleitet, ein behindertes Kind abzutreiben. In der
Schule, die lern- und körperbehinderte Kinder kaum in den regulären
Unterricht einbezieht. Im Pflegewesen, wenn Behinderte gegen ihren
Willen in Heimen leben, weil sie für die Pflege zu Hause zu teuer
sind. Da überrascht es nicht, dass Menschen mit Behinderung auch im
Beruf oft zurückstecken müssen.
All dies ist umso peinlicher, als die Behindertenrechtskonvention
der UNO seit März geltendes deutsches Gesetz ist. Gleichberechtigung
ist damit nicht mehr nur eine moralische, sondern auch eine
rechtliche Verpflichtung. Wichtiger als Gleichberechtigung aber ist
Gleichbehandlung, und dafür sind nicht einmal Gesetze nötig. Sie
fängt bei jedem Einzelnen an und kann von jedem gelebt werden. Und
das ist, was Behinderte als erstes brauchen: mehr als Worte.
Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
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