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Lausitzer Rundschau: Zum Wahlsieg des Konservativen Piñera in Chile
Comeback
Cottbus (ots) - Wenn in Chile die Wahlsieger jetzt von Zeitenwende
sprechen, ist dies zutreffender als in anderen Fällen, wo das Wort
den Erfolg überhöht. Immerhin beendete Sebastián Piñera eine lange
Niederlagenserie der Konservativen. Seit 1958 hatte keiner ihrer
Kandidaten in demokratischen Wahlen die Präsidentschaft gewonnen. Mit
Piñeras Sieg, vielmehr mit der Niederlage seines Rivalen Eduardo
Frei, findet in Chile noch eine weitere Serie ihren Abschluss. Seit
dem Ende der Militärdiktatur 1989 kamen alle Präsidenten aus
dem Mitte-Links-Lager der Concertación, einem Bündnis aus
Christdemokraten und Sozialisten. Erst dass diese sich nicht auf
einen frischen Kandidaten einigen konnten, sondern den im Volk eher
unpopulären Ex-Staatschef Frei erneut aufstellten, ebnete den Weg für
Piñera. Mit ihm wird nun ein Mann Präsident, zu dessen Anhängern auch
solche zählen, die selbst nach 20 Jahren der Militärdiktatur
von Augusto Pinochet nachtrauern - ungeachtet der mehr als
3000 Toten. Von den Verbrechen distanziert sich der künftige
Präsident, möchte aber die Aufarbeitung der Diktatur lieber heute als
morgen beenden. Militärs und Polizisten sollen nur in Ausnahmefällen
bestraft werden.
Piñera bezeichnete die Rückkehr der Konservativen an die Macht als
Zeichen für die "Reife der Demokratie". Wie stark und wie belastbar
diese ist, wird sich erst zeigen, wenn Anhänger der Diktatur meinen,
in Teilen die Zeit zurückdrehen zu können. Wie zur Mahnung ragte bei
der Konservativen-Siegesfeier aus der Menge von Zehntausenden eine
Figur von Pinochet.
Originaltext: Lausitzer Rundschau
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