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Arabische und palästinensische Vereine in Berlin
2. August 2009
Liebe, verehrte Frau Langer,
wir, Vertreter von arabischen und palästinensischen Vereinen in Berlin,
möchten Ihnen sagen, wie sehr wir uns gefreut haben, als wir erfuhren,
dass Sie für Ihr Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz verliehen bekamen.
Fast kann man am Beispiel Ihrer Ehrungen und der Namensgeber Ihrer
Auszeichnungen einen Geschichtsunterricht über Mut und Widerstand halten.
Als die Vereinigung demokratischer Juristen und Juristinnen in
Deutschland Lea Tsemel und Mohammad NaÆamneh 2005 mit dem Hans-LittenPreis
für ihre Menschenrechtsarbeit in Israel-Palästina ehrte, hielten
Sie die Laudatio als erste Preisträgerin von 1988 und die beiden Geehrten
erinnerten an Ihre Arbeit in Israel, denn Sie waren die erste israelische
Rechtsanwältin, die palästinensische Gefangene vor israelischen
Militärgerichten verteidigte. In Ihrem Buch "Mit eigenen Augen" von 1973
berichteten Sie über schreckliche Verhältnisse in israelischen
Gefängnissen, Folter und Tod von Gefangenen. Auch viele Israelis wussten
bis dahin nichts darüber. Heute sind es viele Rechtsanwälte, damals warst
Du allein, Felicia, daran erinnerte Lea Tsemel.
Seit dieser Zeit haben Sie nicht aufgehört, für die Rechte der unter
Besatzung lebenden palästinensischen Bevölkerung zu kämpfen und über das
Schicksal unserer Gefangenen, zur Zeit sind es über 11.000, darunter
Frauen, Kinder und Jugendliche, zu berichten, ihre Freilassung zu fordern
und für einen gerechten Frieden zu kämpfen.
Wir sind Ihnen zutiefst dankbar für Ihre Arbeit.
Die meisten Auszeichnungen werden nicht von den großen Medien bekannt
gemacht. Zivilcourage, Bürgerengagement und herausragende
Menschenrechtsleistungen bedeutender Menschen und ihre Ehrungen gehen oft
an den Medien vorbei - auch in Deutschland, unserer zweiten Heimat. Aber
sie sind wichtig, sowohl für die Geehrten als auch für die
Öffentlichkeit. Ohne die deut-schen Friedenspreise an bedeutende Israelis
und Palästinenser zum Beispiel wüsste man sehr viel weniger über all die
Friedensstifter in beiden Ländern und die Solidaritätsgruppen hier bei
uns.
Wir glauben, dass auch hier viele Menschen erst vom friedlichen Protest
der Palästinenser gegen die Mauer in ihren Dörfern wie NilÆin undBilÆin
erfahren haben, als die Internationale Liga für Menschenrechte BilÆin und
die israelischen Anarchists against the Wall im Dezember 2008 mit der
Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet hat.
So sind diese Auszeichnungen auch oft eine Aufforderung an die Medien,
die Friedensstifter zur Kenntnis zu nehmen und genauer nach der Wahrheit
zu fragen und sie zu veröffentlichen.
Das große Bundesverdienstkreuz ist nun zum ersten Mal eine staatliche
deutsche Anerkennung Ihrer Lebensleistung, und das hat uns sehr gefreut û
wir, die wir Sie noch von zu Hause kennen als eine besonders mutige Frau,
die immer die Wahrheit gesagt hat.
Wir wissen, dass es in Palästina einige junge Frauen gibt, die nach Ihnen
"Felicia" - die Glückliche - genannt wurden aus Dankbarkeit der Familien,
denen Sie geholfen haben oder deren Mitglieder Sie vor Militärgerichten
verteidigt haben.
Eine "Felicia" trafen Sie auf Ihrer letzten großen Reise nach Israel.
Es war sehr anrührend zu lesen:
"Man stellt mir ein schönes, junges Mädchen vor. Sie heißt Felicia
Barghouti, mir zu Ehren". Sie hatten einen Onkel von ihr vor Gericht
verteidigt. "Ich warte schon seit vielen Jahren auf die Gelegenheit, dich
einmal persönlich zu treffen", sagt die junge Felicia.
Das selbstverständliche "Du" als Nähe, Vertrautheit und Achtung zeigt,
mit welcher Liebe die Menschen Sie begrüßt haben. Auf dieser Reise wurde
unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters von Nazareth ein
äStudientag zur Ehrung des Lebenswerks von Felicia Langerô veranstaltet
und Sie hielten vor jungen israelischen und palästinensischen angehenden
Juristen einen Vortrag über "Menschenrechte der Palästinenser in
Vergangenheit und Gegenwart".
Wir haben Sie bei Veranstaltungen in Berlin erlebt, wenn Sie voller
Mitgefühl und oft voller Verzweiflung über den Unfrieden in IsraelPal
ästina berichteten, über die Besatzung, die Gefangenen, die
Häuserzerstörungen - und über das große Schweigen auch in der deutschen
Öffentlichkeit.
Wir haben lesen müssen, dass neben den Glückwünschen und der Freude, die
Ihnen die Auszeichnung bedeutet, Unwahres und Herzloses über Sie
geschrieben wurde.
Wir können uns das nur so erklären, dass Sie zwar in den Basisgruppen und
durch Ihre Bücher und Reden bekannt sind, jeder könnte wissen, was Sie
den-ken und was Ihre Prinzipien sind, aber manche Journalisten kennen Sie
nicht persönlich. Dazu hätten sie aber immerhin 20 Jahre Zeit gehabt,
denn seitdem Sie in Deutschland wohnen und als siebente Sprache Deutsch
gelernt haben, gab es auch kein sprachliches Hindernis mehr.
Sie haben immer deutlich gemacht, dass man aus der Geschichte lernen
kann, auch heute nicht zu Unrecht zu schweigen, egal, wo auf der Welt es
geschieht.
Sie meinen, dass Deutschland eine besondere Verpflichtung zur
Friedensarbeit hat.
Auch für uns Palästinenser war und ist das Schweigen der Medien und
vieler Menschen in Deutschland zu der Unterdrückung und Entrechtung
unseres Volkes oft bedrückend.
Aber dass Sie nicht mehr allein sind und es viele Menschen in Deutschland
gibt, die sich für einen gerechten Frieden in Israel-Palästina einsetzen,
wissen Sie durch Ihre Veranstaltungen am allerbesten. Sonst hätten Sie
vor einigen Jahren nicht geschrieben: "Mein Mann und ich leben seit 15
Jahren in Deutschland, das unser geliebtes Zuhause geworden ist".
In der Zwischenzeit haben wir auch lesen dürfen, wie viele Menschen Ihnen
Mut zugesprochen haben, vielleicht haben Sie gar nicht gewusst, dass es
so viele Freunde und Gleichgesinnte gibt.
Wir haben Sie oft traurig und auch zornig über das Unrecht sprechen
gehört und gleichzeitig Ihren Mut und Ihre Kraft bewundert. Wir wünschen
uns so sehr, dass wir alle noch die Zeit des Friedens, auf den Sie immer
hingearbeitet haben, erleben werden. Durch Präsident Obama keimt wieder
ein wenig Hoffnung auf nach der friedensfernen Bush-Zeit.
Liebe Frau Langer, Sie sollen wissen, wie dankbar Ihnen viele
Palästinenser für Ihre Arbeit in Israel und hier in Deutschland sind. Wir
brauchen Sie so sehr als Stimme für einen gerechten Frieden, als
Brückenbauerin zwischen Israel, Palästina und Deutschland. Auch Ihre
Stimme zur Politik allgemein gegen Krieg und Unterdrückung brauchen alle
Menschen in Deutschland.
Heute ist es an uns, Ihnen Mut zuzusprechen. Sie wissen, wie viele
Menschen Sie lieben und achten. Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen,
dass kein verleumderisches Wort in Ihr Herz fällt.
Sie wissen doch: "Gesegnet sind die Friedensstifter."
Mit den aufrichtigsten Gedanken und herzlichen Grüßen
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