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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Nahost
Ulm (ots) - Es ist ein Zeichen purer Verzweiflung. Dass der
palästinensische Fatah-Politiker Erakat mit der einseitigen Ausrufung
eines palästinensischen Staates droht, hat wenig mit einer
realistischen Option, aber viel mit blanker Hoffnungslosigkeit zu
tun.
Die Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten stehen an der
Wand. Seit 18 Jahren wird in Konferenzen über Frieden gesprochen,
während im Westjordanland und Ostjerusalem Bagger Fakten schaffen.
Immer mehr Land wird Palästinensern für jüdische Siedlungen, Straßen
und so genannte Naturschutzgebiete geraubt. Und die Weltgemeinschaft
schaut zu.
Nicht einmal der neue US-Präsident Barack Obama scheint trotz
eindeutiger Ankündigungen zu einer Kurskorrektur imstande zu sein.
Wer unter den Palästinensern will da noch auf die gemäßigte Fatah
setzen, die nach ihrem Gewaltverzicht nun mit leeren Händen dasteht?
Außer Vertröstungen hat sie nichts vorzuweisen. Zu einem
Entgegenkommen, vor allem zu dem für Palästina existenziell wichtigen
Siedlungsstopp, ist Israel nicht bereit.
Die radikal-islamische Hamas benennt dies zurecht und hämt in einem
erbitterten Bruderkrieg gegen die politische Spitze in Ramallah. Die
Fakten scheinen für die Radikalen zu sprechen, die auf unsinnige
Gewalt setzen. Auch treibt die Gemäßigten noch weiter in die Enge.
Lassen Israel und die Weltgemeinschaft die Dialogbereiten weiter am
ausgestreckten Arm verhungern, werden sie möglicherweise bald schon
ohne Gesprächspartner dastehen. Der Plan der einseitigen Ausrufung
eines Palästinenserstaates ist ein Hilfeschrei. Viel Zeit, darauf
einzugehen, bleibt vermutlich nicht mehr.
Originaltext: Südwest Presse
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