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Ein Jahr nach dem israelischen Massaker in Gaza
Trauer um die Opfer, Solidarität mit den Menschen in Palästina und
Libanon. Wir wollen Kerzen anzünden für alle Opfer der israelischen
Besatzungspolitik.
Wir haben uns heute hier zusammengefunden, um an die Opfer des
dreiwöchigen israelischen Bombardements auf die eingeschlossenen
Palästinenser in Gaza vor einem Jahr zu erinnern: Ganze Familien wurden
ausgelöscht, es gab über 1400 Tote und fast 6000 Verletzte, bis heute
können viele nicht adäquat behandelt werden, dadurch starben bisher 370
Menschen. Es fehlt an Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln wie
Rollstühle. Das israelische Militär zerstörte in einem 22 Tage dauernden
Bombenhagel die gesamte Infrastruktur von Gaza, Wohnhäuser, Fabriken,
Krankenhäuser, Schulen, Moscheen, das einzige Elektrizitätswerk und die
Wasserversorgung.
Viele Augenzeugen berichteten uns über die heutige katastrophale
Situation in Gaza, das weiterhin unter israelischer Belagerung ist, in
das kein Baumaterial gelassen wird für einen Wiederaufbau, so dass viele
Menschen nun einen zweiten Winter in Zelten verbringen müssen. Und
anstatt dass die Grenzen endlich geöffnet werden, plant Ägypten eine
kilometerlange Metallmauer an seiner Grenze zu Gaza, die bis zu 30 Meter
tief in die Erde eingelassen werden soll. Dadurch werdendie Menschen in
Gaza noch hermetischer eingeschlossen sein. Schon heute nennen manche
Gaza das größte Freiluftgefängnis der Welt.
Die Palästinenser haben ein schreckliches Jahr erlebt: Ob in
Palästinaoder im Exil, jeder hat auf seine Weise Leid erfahren wie so oft
schon in unserem Leben: Entweder den Tod in der eigenen Familie oder von
Freunden oder die dauernde Angst um die Lieben, wenn man weit weg in
einem anderen Land lebt und mit dem Herzen "zu Hause" bei den Leidenden
sein will. Auch die Hilflosigkeit des Exils war manchmal fast
unerträglich.
Aber es war auch ein Jahr, in dem wir von Menschen unserer zweiten Heimat
viel Solidarität und Hilfe erhalten haben, nicht nur bei den großen
Demonstrationen in Berlin, auch bei politischen und kulturellen
Veranstaltungen, bei Ehrungen von Friedensstiftern, zum Teil - wenn auch
viel zu selten - von Politikern und Journalisten. Viele Basisgruppen
stehen an unserer Seite.Dafür wollen wir unseren Dank aussprechen.
Besonders dankbar sind wir den internationalen Friedenskräften in
Palästina, die sich an den friedlichen Demonstration en in Dörfern wie
Bil'in und Nil'in beteiligen und von den gewalttätigen Übergriffendes
israelischen Militärs berichten, von Verletzten und verhafteten
Pazifisten, und lautstark ihre Freilassung fordern. Wir danken den
Organisatoren der "free-Gaza-Boote" von Zypern nach Gaza,die von der
israelischen Marine beschossen und vorübergehend inhaftiert wurden. Sie
planen, in diesem Jahr wieder mit Schiffen die Belagerung von Gaza zu
durchbrechen. Wir danken den Teilnehmern des Friedensmarsches in Ägypten
und dem Organisator des dritten Hilfskonvois "Viva Palestina" für Gaza,
George Galloway.
Sie alle waren so mutig und haben erreicht, dass die Weltöffentlichkeit
auf unser Unglück schaute und viele Menschen ein Ende der israelischen
Besatzung forderten. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat den
Juristen Richard Goldstone und sein Team mit der Untersuchung der
Menschenrechtsverletzungen und möglichen Kriegsverbrechen in Gaza
beauftragt. Der 575-Seiten Bericht über das israelische Massaker in Gaza
hat den Grundstein gelegt für eine mögliche Bestrafung der israelischen
Kriegsverbrecher. Richard Goldstone und seinem Team gilt unser tief
empfundener Dank. So wollen wir an diesem Wochenende hier in Berlin wie
es auch an vielen anderen Orten auf der Welt geschieht, ein Ende der
israelischen Besatzungin Palästina fordern,gegen die Mauer in Palästina
und die zusätzliche Mauer an der ägyptischen Grenze nach Gaza
protestieren. Wir protestieren gegen die tägliche Bedrohung durch
israelische Kampfflugzeuge über Palästina und dem Libanon, durch die
besonders die Jüngsten und die Ältesten in dauernde Angst versetzt
werden. Wir fordern die Freilassung unserer fast 11.000 Gefangenen,
darunter Frauen, Kinder und Jugendliche. Niemand wird vergessen, Ihr seid
in unseren Herzen.Trotz allem wollen wir den Menschen in Palästina
zurufen: Verzweifelt nicht, ihr seid nicht allein. Die Weltist voller
Hoffnung, auch für uns in Palästina. Ab diesem Jahr werden die
Palästinenser weltweit immer zwischen dem 13. und dem 19. Januar zum
Gedenken an das Gaza-Massaker eine Palästina-Woche veranstalten.
Wir wollen gleichzeitig an die unglücklichen Menschen in Haiti denken und
mit Kerzen auf diese furchtbare Naturkatastrophe hinweisen, die die
Ärmsten der Armen erlitten haben. Sie wurden schon vorher in ihrer Armut
von den Herrschern der Welt im Stich gelassen. Unser Mitgefühl gilt auch
Ihnen in ihrem Leid.
Palästinensische und Arabische Vereinigungen in Berlin
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