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Streiks in Diyarbakir, Batman und Urfa
AMED – In Diyarbakir und Batman haben ArbeiterInnen aus Protest gegen
die Repression gegen die BDP (Partei des Friedens und der Demokratie)
die Arbeit niedergelegt.
ArbeiterInnen der Gemeinde Kayapınar haben mit einer vierstündigen
Niederlegung der Arbeit gegen die Verhaftung von 23 Personen, darunter
auch der Bürgermeister von Kayapınar, Zülküf Karatekin, protestiert.
Die in der Gewerkschaft Genel-İş organisierten ArbeiterInnen haben vor
dem Gebäude der Gemeindeverwaltung von Kayapınar eine Kundgebung
abgehalten und Parolen wie „Dem Willen können keine Handschellen
angelegt werden“ oder „Die Repression kriegt uns nicht klein“, gerufen.
Der Vorsitzende der Genel-İş Gewerkschaftsabteilung Diyarbakir, Sadık
Demir, hat eine Rede gehalten, in der er kritisierte, dass die
Staatsanwaltschaft auf Anweisung der AKP arbeiten würde sowie, dass die
Bürgermeister ohne rechtliche Grundlage verhaftet worden wären.
Anschließend hat Gewerkschafter Tahsin Yaraşır eine Erklärung der
Genel-İş Gewerkschaft verlesen, in der er an das Verbot der demokratisch
legitimierten DTP erinnernd auf den Versuch, KurdInnen aus dem
politischen Leben zu drängen aufmerksam machte. Zu den Verhaftungen von
gewählten Bürgermeistern und PolitikerInnen erklärte Yaraşır folgendes:
„Wir fordern die Freilassung der VertreterInnen des kurdischen Volkes,
vor allem der verhafteten Bürgermeister. Wir kritisieren die regierende
AKP, die diese Politik als rechtmäßig unserem Volk gegenüber betrachtet.
Wir haben nicht mehr verbrochen als sie auch.“
Bis die Bürgermeister freigelassen werden, wollen die ArbeiterInnen die
Aktionen fortführen. Morgen soll ebenfalls gestreikt werden und ein
Sitzstreik vor dem Gebäude der Hauptverwaltung von Diyarbakir stattfinden.
Eine Woche Arbeitsniederlegung und Sitzstreik in Batman
BATMAN - In Batman haben ArbeiterInnen der DİSK/Genel İş Gewerkschaft
heute ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Um gegen die Repression gegen
die BDP zu protestieren, wird eine Woche lang jeden Tag eine Stunde
nicht gearbeitet, sondern vor dem Gebäude der Gemeindeverwaltung ein
Sitzstreik durchgeführt.
Halis Yakut, Vorsitzender der Genel İş Gewerkschaft von Batman, hat
während einer Kundgebung eine Rede gehalten. Unter den 23 Verhafteten
BürgermeisterInnen befindet sich auch Nejdet Atalay, gewählter
Bürgermeister von Batman.
Yakut erklärt in seiner Rede: „Hinter dieser Aktion steht die Forderung
‚Wir wollen unseren Willen, wir wollen unseren Vorsitzendenâ€TM. Wir
hoffen, dass das Recht dem Volk von Batman seine Aufmerksamkeit schenkt
und den Bürgermeister und seine FreundInnen freilässt. (…) Wir werden
jeden Tag zwischen 8.00 und 9.00 die Arbeit niederlegen und mit einem
Sitzstreik protestieren. Wir rufen alle Betroffenen, Interessierten,
alle, die gegen dieses Vorgehen sind auf, sich anzuschließen. Als Volk
von Batman werden wir bis zur Freilassung unseres Vorsitzenden Nejdet
Atalay, unsere Läden mit schwarzen Bändern behängen.“
In Viranşehir wird es jeden Freitag eine einstündige
Arbeitsniederlegung geben
URFA – Im Landkreis Viranşehir der Provinz Urfa haben Mitarbeiter der
Stadtverwaltung einen einstündigen Streik durchgeführt, um gegen die
Verhaftungen der BDPlerInnen zu protestieren. Vor dem Gebäude der
Stadtverwaltung haben sich MitarbeiterInnen und Mitglieder des
Stadtparlaments versammelt.
Haci Çetin, Vorsitzender der Tüm-Bel Gewerkschaft von Urfa, hat während
der Kundgebung eine Rede gehalten, in der er betont, dass die Festnahmen
der VertreterInnen des Volkes einer Festnahme des ganzen Volkes
gleichkämen. „Nicht einmal zu Zeiten des Militärputsches vom 12.
September 1980 wurden die VertreterInnen des Willens unseres Volkes so
schlecht behandelt. Ihnen wurden keine Handschellen angelegt. Doch heute
legt die AKP-Regierung dem Willen des Volkes Handschellen an. Doch diese
Repressalien werden uns nicht kleinkriegen. Wir verurteilen die
Situation, in welcher gewählte VertreterInnen Handschellen verpasst
bekommen. Wir sagen der AKP-Regierung, dass sie nicht auf Anweisungen
aus dem Ausland von Fesseln Gebrauch machen soll, sondern fordern sie
auf, mit uns gemeinsam die Probleme zu lösen. Unsere Aktion ist nur eine
Mahnung. Wir werden nun jeden Freitag um 11.00 die Arbeit niederlegen.“
In seiner Rede betonte Yakut, es sei nicht Ziel der Aktion die Dienste
fürs Volk zu lähmen.
Auf der Kundgebung wurden Parolen wie „Wir sind alle Leyla, wir sind
alle verhaftet“ oder „die BDP ist das Volk“ gerufen.
Quelle: ANF, 28.12.2009; ISKU
Zeitung Taraf muss 16.660 Lira Strafe zahlen
İSTANBUL – Die linke Zeitung Taraf wurde, wegen „zur Schau Stellung“ des
Mitglieds Hohen Richter- und Staatsanwälterates (HSYK) Ali Suat Ertosun,
zu 16.660 Lira Strafe verurteilt.
Die Angeklagten BaÅŸar Aslan, Besitzer der Zeitung Taraf und Adnan Demir,
Chefredakteur, hatten an dem Prozess im 11. Strafgericht in Istanbul
nicht teilgenommen. Am 7. Mai 2008 waren in der Zeitung Taraf Artikel
über die Berufung Ertosuns in den hohen Richter- und Staatsanwälterat
erschienen. Ertosun war als Generaldirektor des Strafvollzugs für den
Tod von 108 Gefangenen in den F-Typ Gefängnissen verantwortlich gemacht
worden.
Verteidiger der Angeklagten Ergin Cinmen erklärte, Ali Suat Ertosun sei
in der Gesellschaft kein Unbekannter. Daher erfüllten Artikel über
Ertosun nicht den Straftatbestand.
Nach der Aufnahme der Aussagen hat das Gericht den Freispruch des
Besitzers der Zeitung, BaÅŸar Aslan, entschieden, da ihn keine Schuld
treffe.
Doch habe, laut des Gerichtsurteils, der Artikel die Absicht der
Information für die Gesellschaft überstiegen und Ertosun zum Ziel für
„terroristischen Organisationen“ gemacht. Daher wurde Chefredakteur
Adnan Demir zu 833 Tagessätzen á 20 Lira, also 16 660 Lira verurteilt.
Quelle: ANF, 28.12.2009; ISKU
Kartei protestierender StudentInnen und SchülerInnen
AMED – StudentInnen und SchülerInnen, die sich an den Protestaktionen
gegen die Repression gegenüber KurdInnen beteiligt haben, sollen laut
eines Schreibens, das auf Anweisung des Innenministeriums vom
Bildungsministerium an die Bildungsdirektionen gesandt wurde, denunziert
werden. In dem Schreiben werden die Namen und Adressen der StudentInnen,
die zwischen dem 20. November und 15. Dezember nicht zum Unterricht
erschienen sind, angefordert. In diesem Zeitraum haben Protestaktionen
und Streiks stattgefunden, die sich gegen das Verbot der DTP, die
Ermordung des kurdischen Studenten Aydin Erdem durch Polizeikräfte und
die Haftbedingungen von Abdullah Öcalan richteten.
Das Schreiben wurde an die Bildungsdirektionen von Diyarbakir, Şırnak,
Iğdır, Ağrı, Siirt, Urfa, Mardin, Hakkari, Batman und Van geschickt.
Bei Protesten wurden im November 770 Personen, darunter auch
Minderjährige, in Untersuchungshaft genommen und von ihnen 117 verhaftet.
Quelle: ANF, 28.12.2009; ISKU
ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
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