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„Unser Ziel ist die demokratische Lösung, bzw. der Frieden.
*Deswegen ist unsere Strategie: stärker werden“*
Bewertung von Murat Karayilan für das Jahr 2009
GÜLİSTAN TARA-ANF
BEHDİNAN – Der Exekutivratvorsitzende der Gemeinschaften der
Gesellschaften Kurdistans, Murat Karayilan, erklärte, die kurdische
Politik habe im Jahre 2009 einen großen Sprung gemacht. Das türkische
Militär habe in 11 Monaten 216 Operationen und 49 Luftangriffe
durchgeführt. Zu den Beitritten zur Guerilla sagte Karayilan 80% der
Beigetretenen seien junge Frauen. Trotz der einseitigen Waffenruhe, die
die PKK am 13. April verkündet hatte, so Karayilan, verloren 94
Guerillas wegen der Angriffe des türkischen Militärs ihr Leben. Auf der
anderen Seite sollen 128 Soldaten ums Leben gekommen sein.
Der Exekutivsratvorsitzende der KCK bewertete in einem Interview mit der
Firat Nachrichtenagentur (ANF) das Jahr 2009 in Bezug auf die KurdInnen
und die türkische Politik. Karayilan bewertete das DTP-Verbot, den
Rücktritt der DTP, das Dreiergesprann in Bagdad [/USA-Türkei- Irak/] und
sprach über die militärischen Operationen. Weiter berichtete Karayilan
über die Bilanz der Gefallenen, bzw. die Beitritte zur Guerilla. Am Ende
des Interviews machte Karayilan einen Ausblick auf das Jahr 2010 und
erklärte: Das Jahr 2010 wird für unser Volk sehr bedeutsam sein.
ANF: /Das Jahr 2009 war für die Völker aus dem Mittleren Osten und der
Welt ein sehr bedeutsames. Es war ein Jahr des Krieges, der
wirtschaftlichen Krise und gesellschaftlicher Ereignisse. Wie bewerten
Sie das Jahr 2009 als kurdische Freiheitsbewegung in Bezug auf den Kampf
um Freiheit und Demokratie?/
Murat Karayilan: Zunächst hoffe ich, dass das Jahr 2010 ein Jahr der
Freiheit, der Demokratie und des Friedens sein wird. Die Menschheit
stand 2009 vor einigen Problemen. Probleme werden übermächtig, wenn
keine Lösungen gefunden werden.
Daher wünschen wir, dass das Jahr 2010 für die gesamte Menschheit
Wohlstand, Freiheit, Demokratie und Frieden bringen soll.
Es ist eine Tatsache, dass wir in Kurdistan immer noch nach Freiheit,
Demokratie und Frieden suchen. Denn in unserem Land herrscht immer noch
die Unterdrückung und Grausamkeit des letzten Jahrhunderts. Obwohl das
kurdische Volk eines der ältesten im Mittleren Osten ist und eine eigene
Kultur, Sprache und Tradition besitzt, ist es noch immer einer
Verleugnungspolitik ausgesetzt. Diese Verleugnungspolitik dauert bis
heute an. Jedoch setzt sich unser Volk für Freiheit, Demokratie und
Frieden ein. Was diesen Kampf betrifft, war das Jahr 2009 sehr wichtig,
die kurdische Politik hat große Schritte gemacht. Insofern war das Jahr
2009 für unser Volk erfolgreich, denn konkrete Ergebnisse sind erzielt
worden. Natürlich gab es auch Mängel im Jahr 2009, nichts war perfekt.
Doch, wenn man sich das Jahr im Gesamtkontext anschaut, dann war 2009
sehr erfolgreich für unser Volk.
Es ist bekannt, dass am 5. November 2007 ein Treffen in Washington
zwischen ErdoÄŸan und Bush stattfand, mit dem Ziel unsere Bewegung zu
vernichten. Nach diesem Treffen begann eine neue Phase. Luft- und
Bodenangriffe mit höchster Präzision wurden gegen uns durchgeführt. Als
Antwort auf diese Angriffe haben wir die Kampagne „Edî Bes ê“ [/Es
reicht/] ins Leben gerufen. Im militärischen Bereich brachte diese
Widerstandsphase einige Erfolge mit sich, wie in Gabar, Oramar und im
Zapgebiet. In diesen Regionen konnte das türkische Militär zwischen
2007-2008 zurückgedrängt werden. Gleichzeitig hat die Bewegung mit dem
zehnten Kongress der PKK Klarheit und ideologische Stärke bewiesen.
Angriffe auf den verschiedensten Ebenen fanden statt, doch hat unsere
Bewegung auf der Linie des Vorsitzenden Apo und der Basis der Beschlüsse
des zehnten Kongresses der PKK diese Angriffe ins Leere laufen lassen.
Durch den Aufbau des KCK-Systems wurde die Organisierung gestärkt. Wir
haben als Bewegung eine Expansion erlebt. Diese Entwicklung wurde durch
die Volksaufstände, durch die Bevölkerung, unterstützt. Diese Ereignisse
haben in ganz Kurdistan, vor allem aber in Nordkurdistan, vieles bewegt.
In allen Teilen Kurdistans ist der Widerstand des Volkes gewachsen. All
dies führte zu dem Erfolg bei den Kommunalwahlen am 29. März, die als
Referendum verstanden wurden. Denn der Staat hat alles dafür getan,
damit die AKP Erfolg hat. Wir haben uns dagegen gestellt. Daher waren
die Kommunalwahlen sozusagen ein Referendum zwischen dem Staat und uns.
Als Ergebnis hat unser Volk, auf der Basis seines freien Willens seine
Wahl getroffen und die Kommunalwahlen waren aus der politischen
Perspektive ein voller Erfolg. Diese Ereignisse in Nordkurdistan hatten
Auswirkungen auf die anderen Teile Kurdistans.
Nachdem wir am 13. April eine einseitige Waffenruhe ausgerufen hatten,
haben wir einen neuen Prozess gestartet. Die PJAK[1] <#_ftn1> hat in
Ostkurdistan [/Iran/] Aktionen durchgeführt, um die kurdische Frage auf
die Tagesordnung zu bringen. Wir haben die Bewegung dort dazu
aufgerufen, ihre militärischen Aktionen einzustellen, damit sich eine
ähnliche Phase wie in der Türkei, also ein Aufbruch, entwickeln könne.
Die PJAK-Bewegung hat dies akzeptiert, und so wurde auch dort eine
Waffenruhe ausgerufen.
Obwohl wir die politische Lösung in den Vordergrund gerückt haben, hat
der türkische Staat ca. 200 Menschen festgenommen. Am 14. April wurden
zahlreiche Mitglieder der DTP verhaftet. Damit wollte man erreichen,
dass wir uns von den politisch orientierten Aktionsformen abwenden. Denn
nichts fürchtet der türkische Staat so sehr wie den politischen Kampf.
Doch beharrten wir auf diese Mittel.
Der Vorsitzende Apo hat, damit dieser Prozess langfristig zum Frieden
führt, eine Roadmap entwickelt. Die Roadmap hat eine unumkehrbare
politische Lösung zum Ziel. Dagegen stagnierte der türkische Staat.
Durch die AKP hat der türkische Staat eine neue Entwicklung auf die
Tagesordnung gesetzt und so in gewisser Weise eine Antwort gegeben. So
fielen Vokabeln wie „kurdischer Aufbruch“ und später „demokratischer
Aufbruch“ und am Ende hieß es „nationales Einheits- und
Geschwisterlichkeitsprojekt“. Der türkische Staat war nicht vorbereitet,
er war gezwungen dieses Thema auf die Tagesordnung setzen. Er hatte kein
richtiges Projekt für die Lösung der kurdischen Frage. Allein der
politische Druck zwang sie dazu.
Zum ersten Mal wurde auf der internationalen Ebene gesagt, dass die
kurdische Frage nicht mit militärischen Mitteln zu lösen sei, denn man
könne die PKK-Guerilla nicht mit militärischen Mitteln vernichten.
Einige amerikanische Professoren und einige Staatsmänner sprachen davon.
Das bedeutet also, dass die Vernichtungs- und Verleugnungspolitik des
ausbeuterischen türkischen Staats nicht mehr taugt. Das kurdische Volk
ging mit Millionen von Menschen auf die Straße, veranstaltete
Demonstrationen. Zum Beispiel fand das Newroz-Fest mit Millionen von
Menschen statt. Mit militärischen Mitteln haben sie kein Ergebnis
erzielt. Daher hat die AKP geantwortet: „Wir starten den demokratischen
Aufbruch“. Wir haben das im April gesagt, und sie im August. Aber
praktische Schritte haben sie nicht entwickelt.
ANF: /Im Verlauf des Jahres fanden Diskussion über die Lösung der
kurdischen Frage statt. Herr Öcalan hat, eine Roadmap entwickelt. Doch
wurde die Roadmap nicht der Öffentlichkeit bzw. den zuständigen Stellen
übergeben. Die DTP wurde verboten. Wie kann man das Jahr 2009 in
Anbetracht dieser Fakten bewerten?/
Murat Karayilan: Der türkische Staat stagnierte gegenüber unseren
Schritten. Um unsere Schritte ins Leere laufen zu lassen, hat er
Worthülsen von sich gegeben. Diese sind immer noch aktuell.
„Demokratischer Aufbruch“ wird gesagt, doch hat noch keiner diesen
Aufbruch verstanden. Was ist das? Was beinhaltet er? Keiner weiß es. Der
Grund ist ganz einfach: Er beinhaltet gar nichts. Wenn das Gegenteil der
Fall wäre, hätte man den Inhalt schon längst veröffentlicht. Sie haben
zunächst in ihrem eigenen Parlament darüber gesprochen. Die Aspekte, die
der Innenminister, Besir Atalay äußerte, waren lachhaft. Er sagte: „Die
Freizügigkeit in einigen Regionen auf den Bergen wird gegeben, die
Kontrollpunkte auf den Straßen werden verringert und an den
Universitäten wird einiges im Bereich Kurdologie angeboten“. Das soll
dann die Lösung sein. Aber es handelt sich um eine nationale Frage, eine
Nation wird verleugnet und unterdrückt. Wegen dieser falschen Politik
kam es in den letzten 85 Jahren in Kurdistan zu Tragödien und Massakern.
Konkret gesagt, bestehen Probleme, was die Identität, Sprache und Kultur
betrifft. So viele Massaker wurden in Kurdistan durchgeführt, können
diese durch die Aufhebung einiger Verbote gelöst werden?
Bedeutsam waren die Friedensgruppen, die unser Vorsitzender vorschlug,
weil er den Weg der Stagnation öffnen wollte. Wie Sie ja wissen, haben
wir diese Gruppen losgeschickt. Das Volk hat diese Gruppen mit großer
Euphorie empfangen. Den Staat hat diese Euphorie sehr gestört. Die Pläne
des Staates liefen so wieder ins Leere. Schon zuvor, vom Anfang des
Jahres an, fanden ununterbrochene Angriffe auf unsere Guerillaeinheiten
statt. Jeder soll das wissen. Obwohl wir eine Waffenruhe ausgerufen
hatten, haben die Angriffe nicht aufgehört. Vielleicht wurden sie etwas
zurückgenommen, aber nicht gestoppt. Auch hier werde ich eine Bilanz
ziehen. Die Zahlen sind bekannt. Die Festnahmen der kurdischen Politiker
dauerten an. Die Unterdrückung, die Festnahmen und die Ermordung
kurdischer Kinder, die „Morde ohne Täter“, nichts davon wurde beendet.
Zu guter Letzt fand auch noch ein Angriff auf unseren Vorsitzenden
statt. Seinem Schritt der Roadmap folgte der Schritt mit den
Friedensgruppen.
Der türkische Staat reagierte mit einem Schritt zurück. Dann warfen sie
den Vorsitzenden, unter dem Vorwand ihn in eine andere Zelle zu
verlegen, in ein Loch, in dem er nicht einmal atmen kann. Dies war ein
Angriff. Der Vorsitzende selbst benennt ihn als „Schlag des 17.
November“. In der Folge wurde am 11. Dezember die DTP verboten.
Die AKP sagt, dass die Lösung ein Staatsprojekt sei. Wenn dem so ist,
dann möchte ich die AKP fragen, mit wem sie das Problem lösen will? Die
Adresse der Lösung ist im Parlament – also die DTP. Zunächst haben sie
fast alle Mitglieder der DTP festgenommen, dann die Partei verboten.
Obwohl überall über Ahmet Türk gesagt wurde „Er ist der vernünftigste in
der DTP“, haben sie ihm gegenüber ein Politikverbot ausgesprochen.
Ebenso gegenüber Aysel Tuğluk. Ich möchte vor allem Folgendes sagen: In
anderen Teilen Kurdistans kann man dieses Verhalten des türkischen
Staates nicht verstehen, da man dort seine Mentalität nicht kennt. Wenn
der türkische Staat eine Lösung wollte, dann würde er die DTP nicht
verbieten. Es wird von einem Staatsprojekt gesprochen. Ich möchte
fragen: Ist das Verfassungsgericht, das diesen Beschluss gefasst hat,
nicht das Gericht des Staates? Aber wieso wurde dieser Beschluss
gefasst? So wie es aussieht, findet eine neue Angriffswelle gegen das
kurdische Volk statt, ein Vernichtungsplan. Man will das kurdische Volk
willenlos machen, daher wurde die DTP verboten.
In dem man die KurdInnen gegeneinander aufhetzt, will man sie schwächen.
In Nordkurdistan ist das ganze Volk auf den Beinen. Hier gibt es einen
starken Widerstand. Unser Vorsitzender in Imralı und unsere FreundInnen
in den Haftanstalten; alle FreundInnen leisten Widerstand. Obwohl ein
solcher Druck auf sie herrscht, wollen sie keinen Schritt zurück machen.
Die Guerilla auf den Bergen Kurdistans ist in Verteidigungsposition, im
Aufstand.
ANF: /Können Sie eine Bilanz für 2009 ziehen? Auch würden wir gerne
etwas über die Beitritte zur Guerilla wissen./
Murat Karayilan: Die Menschen fragen sich, besonders wenn Soldaten
sterben, wozu? Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, möchte ich
einige Informationen bezüglich der Bilanz veröffentlichen. Vorweg muss
gesagt werden, es ist eine Bilanz von 11 Monaten, für den Monat Dezember
liegen noch keine Zahlen vor. In den vergangenen elf Monaten hat das
türkische Militär 216 Bodenoperationen durchgeführt. Die Anzahl der
Luftangriffe im Norden sowie im Süden beträgt 49. Während dieser
Operationen hat die Guerilla große Sensibilität gezeigt, um möglichst
nicht in Kontakt mit dem Militär zu kommen. Dennoch kam es zu insgesamt
41 Gefechten zwischen der Guerilla und der Armee.
Zu einigen Gefechten kam es auf der Grundlage der Selbstverteidigung.
Kurz gesagt: 41 Gefechte fanden statt und 94 Guerillas verloren dabei
ihr Leben. Nach Informationen der Guerilla, verloren 128 Soldaten ihr
Leben. Der türkische Staat hat keine Zahlen veröffentlicht. Es ist also
offensichtlich, dass die Operationen trotz unserer Waffenruhe angedauert
haben. Einige behaupten, dass die Zahl der Operationen abgenommen habe,
aber die genannte Anzahl ist nicht gering. Ein solcher Zustand muss
Kriegszustand genannt werden.
Sie haben nach den Beitritten gefragt. Dazu möchte ich Folgendes sagen:
Das Jahr 2009 war für uns ein Entwicklungsjahr im
politisch-organisatorischen Sinne. Unsere Organisation verstärkte sich
auf der politischen Ebene. Unser Volk hat den Frieden, die Demokratie
und die Lage diskutiert. Die kurdische Frage kam international auf die
Tagesordnung. Im Besonderen stand der Vorsitzende Apo ständig auf der
Tagesordnung der Türkei. Dem türkischen Staat wurde klar, dass er unsere
Bewegung mit der bisherigen Politik nicht täuschen kann. Wir haben
bewiesen, dass das Volk mit seinem Vorsitzenden verbunden ist. Ferner
wurde deutlich, dass das internationale Komplott nicht erfolgreich war,
diese Organisation stärker wurde und der einzige Ansprechpartner für die
Lösung der Vorsitzende Apo ist. Die DTP wurde verboten, da die DTP dies
thematisierte. Sie sprach davon, dass sie ein Teil der Lösung sein kann,
aber nicht direkter Ansprechpartner ist. Der Staat wollte zwischen uns
und der DTP Widersprüche hervorrufen. Die DTP jedoch hat in dieser Frage
eine würdevolle Haltung eingenommen und betont dass neben ihr eben vor
allem Abdullah Öcalan und die PKK Ansprechpartner sind.
Alle Kreise in der Türkei wollen, dass die kurdischen Abgeordneten ins
Parlament zurückkehren. Ahmet Türk sagt, gestützt auf diese Basis, dass
die Abgeordneten ins Parlament zurückkommen werden. Schon jetzt haben
Sie ein Verfahren gegen ihn eingeleitet, weil er „Herr Öcalan hat das
auch gewollt“ gesagt hat. Das ist eben der türkische Staat; du sollst
die Wahrheit nicht aussprechen und lügen.
Die Denkweise die dahinter steht ist „Wenn du die Wahrheit sagst, dann
gibt es ein Verfahren“. Angstfrei und ganz offen bringt Ahmet Türk zu
Wort, wieso solch ein Beschluss gefasst wurde, aber sie leiten ein
Verfahren ein. Es ist also eine verleugnende,
faschistisch-nationalistische Mentalität vorhanden.
Generell hat unsere Bewegung im Jahre 2009 einen Aufschwung und die
türkische Politik eine Talfahrt erlebt. Eine Stagnation ist da. Sehen
Sie mal genau hin, die Tagesordnung ist nun eine ganz andere. Die
inneren Widersprüche sind jetzt ganz offen sichtbar. Morde und Attentate
werden in der Türkei offen thematisiert, wie der Attentats-Versuch auf
Bülent Arinc bzw. über den Selbstmord des Oberstleutnant Ali Tatat um
von dem „Aufbruch“ abzulenken. Das alles ist ein Produkt der Stagnation.
Das Jahr 2009 ist das Jahr in dem unsere Bewegung und unser Volk neue
Schritte gemacht haben. Vor diesem Hintergrund ist die Anzahl der
Beitritte zur Guerilla– natürlich rede ich immer noch von elf Monaten –
doppelt so hoch wie im Vorjahr.
ANF: /Vom Generalstabschef und Innenminister sind Aussagen wie: „Wir
werden die Beitritte verhindern“ gemacht worden. Wie bewerten Sie diese
Aussagen?/
Murat Karayilan: Die wirkliche Strategie des türkischen Staates ist
die Verhinderung der Beitritte zur Guerilla. Daran arbeiten alle
gemeinsam. Generalstabschef Ilker BaÅŸbug sagt, dass man den Glauben der
kurdischen Jugend zunichtemachen müsse, um die Beitritte zu verhindern.
Doch dies gelingt ihnen nicht, der Glaube ist größer denn je. Vor
einiger Zeit habe ich die kurdische Jugend zum Beitritt aufgerufen.
Einige Kolumnisten entgegneten, dass die Lösung nicht auf den Bergen,
sondern in der Politik liege. Das stimmt, aber um die politische Basis
am Leben zu halten, muss die Guerilla stark sein. Je stärker die
Guerilla ist, desto lebhafter ist die politische Basis. Wir möchten
ihnen eine Antwort geben: Ja, es stimmt. Die Lösung liegt in der
Politik, aber das Verhalten des türkischen Staats schneidet den Weg der
Politik ab. Daher möchte ich es hier noch einmal wiederholen: Die Jugend
hat in dieser Phase eine historische Aufgabe. Sie muss die Vorkämpferin
der Serhildans [/Volksaufstand/], die Vorkämpferin des Volkes sein und
das Feld der Guerilla stärken. In dieser Phase ist das eine bedeutende
Aufgabe. Das muss nicht bedeuten, dass wir die politische Arena ablehnen
oder den Weg der Politik abschneiden. Aber es ist offensichtlich, das
die Gegenseite die politische Arena unter ihre eigene Kontrolle bringen
und uns so vernichten will. Daher müssen wir uns überall stärken.
Zu den Beitritten möchte ich noch einige Fakten nennen. Einige sagen,
dass „arbeitslose und nutzlose“ Menschen sich anschließen. Nach den
Statistiken, die unsere FreundInnen gemacht haben, sind 80% der
Beigetretenen Frauen. Weiter sind 15% StudentInnen, 35% sind
AbiturientInnen und 25% kommen von der Mittelschule. 15% haben die
Grundschule abgeschlossen und 10% waren gar nicht in der Schule. Das
sind also die Fakten über die Beitritte. Das heißt also, dass das Jahr
2009 in jeder Richtung ein voller Erfolg für unsere Bewegung war. Dieses
Jahr haben wir eine starke Basis für das nächste geschaffen. Wie groß
aber der Erfolg dieses Jahr war, er reichte nicht aus für die
demokratische Lösung. Wir müssen uns in jeder Hinsicht stärken, bei den
Volksaufständen, der Guerilla auf den Bergen und in
diplomatisch-organisatorischen Aufgaben. Wir können das nächste Jahr in
das Jahr der Lösung, Freiheit, des Friedens und der Demokratie
umwandeln. Das kurdische Volk sagt jeden Tag „Frieden“. Unser Ziel ist
die demokratische Lösung, bzw. der Frieden. Deswegen ist unsere
Strategie: stärker werden.
ANF: /Nach dem Verbot hat die DTP beschlossen zurückzutreten. Sie[als
Vorsitzender des Exekutivrates der KCK] haben diesen Beschluss
unterstützt. Herrn Öcalan und die Bevölkerung forderten, dass die
Abgeordneten im Parlament bleiben. Wie bewerten Sie diesen letzen
Beschluss?/
Murat Karayilan: Vor allem muss erwähnt werden, dass das Verbot der
DTP darauf hin gerichtet ist, dass das kurdische Volk nicht vertreten
wird, das ist die Staatspolitik.
Nach dem Verbot entschieden die DTPler von ihren Aufgaben im Parlament
zurückzutreten. Im Allgemeinen war es kein falscher Schritt.
Gleichzeitig war es auch von dem Vorsitzendem Apo richtig zu sagen, dass
sie ihren Widerstand weiter unter dem Dach des Parlaments leisten
sollen. Denn wie es ein Fakt ist, dass der Beschluss der Abgeordneten
richtig war, ist es Fakt, dass eine Stagnation in der Politik herrschen
würde, wenn die Abgeordneten zurückgetreten wären, richtig. In dieser
Phase dürfen wir keinen Bereich unbesetzt lassen, also auch nicht den
parlamentarischen. Deswegen sehe ich keinen Widerspruch in beiden
Beschlüssen. Die Meinung des Vorsitzenden, dass sie im Parlament
weiterkämpfen sollen, war angebracht. Für die Rückkehr ins Parlament
haben sich verschiedene Kreise und auch unser Volk ausgesprochen. Wie
immer trifft der Vorsitzende die richtige Entscheidung. Deswegen wird
sein Einfluss stärker. Der türkische Staat hatte große Angst vor dem
Beschluss [/des Rücktrittes/] der Abgeordneten. Sie alle haben zur
Rückkehr ins Parlament aufgerufen. Der Rücktrittsbeschluss war eine
Warnung. Es war kein falscher Beschluss, er war notwendig. Diese Haltung
hatte Einfluss auf die türkische Politik. Nach der Aussage Ahmet Türks,
dass sie ins Parlament zurückkehren werden, entspannten sich alle. Denn,
wegen des Schlages vom 17. Novembers und dem Verbot vom 11. Dezember
fanden ununterbrochen Aufstände in Kurdistan statt, die ebenfalls eine
Warnung waren. Der Staat begann sich zu fürchten. Auf unserer Seite
kamen drei Menschen ums Leben. Diese Gefallenen verloren ihr Leben für
die der Freiheit und Demokratie. Wir haben wertvolle Menschen gegeben,
es gab auch zahlreiche Verletzte. Ca. 400 Menschen wurden verhaftet.
Aber die Haltung des Volkes war von großer Bedeutung. Sie haben der
Weltöffentlichkeit erklärt, dass sie einen starken Willen haben. Seit
dem 20. November ist das Volk im In- und Ausland im ausnahmslosen
Serhildan und hat damit einen neuen Prozess begonnen. Es hat erklärt,
dass es entschlossen ist, die Aufstände fortzuführen und davor fürchtet
sich der türkische Staat. Daher war der Prozess nach dem 20. November
sehr erfolgreich. Das Jahr 2009 war von großer Bedeutung für die
KurdInnen. Der Staat musste seine Haltung nochmals überdenken. Das CPT
[/Antifolterkomitee der EU/] hat beschlossen, nach Imralı zu gehen. Die
Haltung des Volkes und die der Abgeordneten haben sich gegenseitig
bestärkt. Man wollte den kurdischen Willen schwächen und kränken. Jedoch
hat das kurdische Volk einen erfolgreichen Schritt gemacht und seinen
Willen unter Beweis gestellt.
ANF: /Die DTP wurde verboten, ihre Abgeordneten bekamen Politikverbot.
Zuletzt hat der stellvertretende Premierminister beleidigend über Emine
Ayna [Co-Vorsitzende der DTP] gesprochen. Wie muss das kurdische Volk
solche Aussagen verstehen?/
Murat Karayilan: Bülent Arinc ist eine besondere Person innerhalb der
AKP. Er sieht sich als guten Polizisten. Diese Aussagen über Frau Emine
Ayna richten sich an das ganze kurdische Volk. Gegenüber einem
Vorsitzenden der politischen Partei haben sie ein Politikverbot
ausgesprochen, die andere wird jetzt politisch gelyncht. Nicht nur
Bülent Arinc, andere Kolumnisten und Politiker griffen Frau Emine Ayna
ebenso an. So wollen sie das kurdische Volk beleidigen und niedermachen.
Zuletzt hat sich auch noch Bülent Arinc dieser Kampagne angeschlossen.
In der türkischen Presse wird behauptet, dass Attentate auf Bülent Arinc
geplant waren. Wenn Bülent Arinc doch so stark ist, soll der doch die
verfolgen, die Attentate auf ihn planen. Er soll Rechenschaft von ihnen
fordern. Mit welchem Recht trifft er solch beleidigende Aussagen? Diese
Aussagen sind auf die Worte Frau Aynas gerichtet, mit denen sie das
„Ende des Aufbruchs“ aussprach. Eigentlich ist es sogar nicht richtig
vom „Ende“ zu sprechen, denn dieser „Aufbruch“ hatte nie begonnen. Was
ist denn der „demokratische Aufbruch“, von dem sie reden? Haben die
KurdInnen denn irgendetwas davon gehabt? – Das ist alles Lüge!
Das Volk muss das verstehen, das ist die Mentalität des herrschenden
Staates. Das Problem liegt hier. Das ist nicht akzeptabel. Ihr Ziel ist
die KurdInnen zu spalten. Die AKP sieht das als grundlegendste Aufgabe
für sich an. Die KurdInnen sollten ihre Abgeordnete gegen diese Angriffe
nicht alleine lassen und gegen diese Angriffe Widerstand leisten.
ANF: /Dutzende von Versammlungen fanden statt, die die Vernichtung
ihrer Bewegung bezweckten. Zuletzt fand eine Versammlung in Südkurdistan
statt. Was sind die Ergebnisse dieses Dreiergespanns
[Türkei-USA-Südkurdistan/Irak] ihrer Meinung nach?/
Murat Karayilan: Es stimmt schon, dieses Dreiergespann trifft sich
sehr oft. Zuletzt kam der türkische Innenminister nach Bagdad und
Hewler. Während der Heimreise sagte er, dass es diesmal sehr erfolgreich
war und er Hoffnungen auf bedeutende Entwicklungen habe. Natürlich
können wir nicht wissen, was hinter den Kulissen besprochen wurde. Aber
einiges können wir bezüglich dieser Treffen sagen. Die türkischen Medien
und die AKP setzen ganz auf psychologische Kriegsführung. Die Zeitungen
schreiben „Das ist der PKK-Vernichtungsplan, die PKK ist nun am Ende“.
Allem voran möchte ich folgendes sagen: Die Vernichtung der PKK ist
nicht möglich. Das ist eine Kriegserklärung. Die PKK hat eine Kraft, die
vom Schwarzen Meer bis nach Kandil reicht. Also, wenn sie uns vernichten
möchten, dann bedeutet das eher, dass der Krieg andauern wird. […] Sie
sprechen ständig vom demokratischen Aufbruch, aber es passiert nichts.
Sie sind verzweifelt wegen der kurdischen Freiheitsbewegung. Deswegen
wollen sie etwas mit Amerika und dem Irak erreichen. Heute sagen einige
Politiker und Kolumnisten, dass die AKP falsch sei. Die Hoffnungen der
AKP sind folgende: Die USA sollen Druck auf die PKK, den Irak und die
südkurdischen Regierung ausüben und schließlich die PKK vernichten.
Wieso sollten sie die PKK vernichten? Die Türkei sagt „Wir werden
Soldaten nach Afghanistan schicken und den Irak in Schutz nehmen und als
Gegenleistung werden die USA die PKK vernichten“. Solche Erwartungen hat
sie. Die kurdische Frage existiert seit 200 Jahren. Gegen die türkische
Republik leistet das kurdische Volk seit 85 Jahren Widerstand. Wenn du
das Problem nicht lösen kannst, wirst du es mit Gewalt, Angriffen und
mit Hilfe anderer Staaten lösen? Konnten die Komplotte und Operationen
bis heute die PKK vernichten? Nein, das ist alles nur Lüge. Natürlich
wird es Angriffe und Risiken geben, darauf müssen wir uns vorbereiten.
Das Volk muss auch sensibel sein. Aber wenn es so kommen wird, wie der
Staat und die Medien es sagen, dann bedeutet das nichts anderes als
einen großen Krieg. Das muss so verstanden werden. Mit diesem
Dreiergespann und solchen Plänen werden sie zu keinen anderen
Ergebnissen kommen. Wenn die USA aufrichtig sind, dann müssen die in
diesem Gespann erst einmal der Türkei sagen, dass sie einen Schritt
machen muss. Hier existiert eine Nation, erkennt deren Rechte an. Mit
Demagogie und psychologischer Kriegsführung kann diese Nation nicht
vernichtet werden. Wir rufen sie zur Ernsthaftigkeit auf.
ANF: /Wie bewerten Sie das Verhalten der südkurdischen Regierung in
diesem Zusammenhang? Welches Verhalten müssen sie nach Ihrer Meinung an
den Tag legen?/
Murat Karayilan: Man möchte die südkurdische Regierung, also die KDP
und PUK, in diesen Prozess mit einbinden. Denn die wahre Mission, die
sich die AKP vorgenommen hat, ist die Spaltung der KurdInnen. Das
versucht sie auch im Süden zu erreichen. Wenn man genau hinsieht,
erkennt man, dass sie auch die DTP in zwei Lager spalten wollen. Als sie
verstanden haben, dass sie das nicht schaffen, haben sie die DTP
verboten; die AKP hat sie verboten. Warum? Sie wollten, innerhalb der
DTP Leute unterstützen, die den Teil der DTP, der die PKK unterstützt,
vernichten. Aber die DTP hat das nicht akzeptiert. Sie erklärte, dass
sie einen demokratischen Kampf führe, und niemals die Richtung einnehmen
werde, auf die man sie ziehen wollte. Das Gleiche ist nun in
Südkurdistan vorgesehen. Sie wollen also die PUK und KDP überzeugen und
gegen uns einsetzen. Das ist die Basis auf der sie in Hewler arbeiten.
Aber wir glauben, dass die kurdische Politik eine klare Haltung hat. Die
kurdische Politik hat jetzt /eine/ Haltung im Norden, Süden, Osten und
Westen. Wir haben eine gewisse Erfahrung. Das selbe gilt für die die
südkurdische Regierung. Wir glauben daran, dass sie auf der Basis dieser
Erfahrungen keine falschen Schritte unternehmen wird. Die Haltung Mesud
Barzanis ist klar. Wir glauben daran, dass diese Haltung in ganz
Südkurdistan verbreitet ist. Der türkische Staat möchte erst uns außer
Gefecht setzen, und später auf das Pferd der MHP steigen und sich in
Hewler ansiedeln. Wenn sie heute Südkurdistan die Hand schütteln, dann
nur wegen uns. Der Hintergrund ist einfach ihre Mentalität, die
KurdInnen zu unterdrücken und zu verleugnen. Die südkurdischen
Politiker, Medien und Intellektuellen wissen das. So leicht lässt sich
niemand mehr durch den türkischen Staat irreführen.
Die AKP sagt, dass sie ein „nationales Einheits- und
Geschwisterlichkeitsprojekt“ entwickelt und manchmal nennt sie es
„demokratischer Aufbruch“. Erkennt sie jedoch den Willen, die Identität
und die Rechte der KurdInnen an? Nein – gar nichts davon macht sie! Der
Innenminister, der neulich nach Hewler gekommen ist, wurde zum
Koordinator dieses Projekts gemacht aber er legt Wert drauf, das Wort
„Kurde und Kurdin“ nicht zu erwähnen. Was ist denn das für eine Lösung?
Wollen sie uns im 21. Jahrhundert auf diese Weise irreführen? Wollen sie
die südkurdischen Politiker so irreführen? Es ist klar, dass sie das auf
diese Weise nicht machen können.
Wenn sie ihr Projekt ernst nehmen, dann sollen sie es doch bitte der
Öffentlichkeit vorstellen. Aber davon konnte man bisher nichts hören.
Die kurdische Seite hat durch den Vorsitzenden eine Roadmap vorgestellt,
diese wurde jedoch beschlagnahmt. Sie haben sie gelesen und ihre
Maßnahmen getroffen. In der Folge haben sie weder die Roadmap, noch ein
Projekt vorgelegt. Kurz gefasst: Die Politik der AKP ist eine Täuschung.
Alle politischen Institutionen in Kurdistan müssen deshalb sensibel sein.
Manche sagen, dass mit der Waffe in der Hand kein Recht gefordert werden
kann. Das stimmt, wir fordern auch mit der Waffe kein Recht sondern
benutzen sie zum Schutz. Hätten wir diesen bewaffneten Schutz nicht,
dann würde niemand am Leben bleiben. Wir nutzen die Waffe zum Schutz
unserer Errungenschaften. Denn, immer noch herrscht Gefahr für die
freien KurdInnen. Diese Realität sollte gut beobachtet werden.
Hier möchte ich zum Anlass des neuen Jahres einen Aufruf an die
kurdischen Politiker machen: Die Mächte, die über Kurdistan herrschen,
versammeln sich jeden Tag und planen Maßnahmen, wie sie gegen die
kurdische Bewegungen vorgehen können. Wir dagegen haben keine nationale,
demokratische Plattform. Das ist ein ernster Mangel. Wir werden einander
nie wieder bekämpfen, das ist inzwischen Geschichte. Daher ist es
notwendig, dass wir eine kurdische Plattform gründen. Dies ist kein
Vorschlag sondern eine Notwendigkeit. Aus diesem Grund wünsche ich, dass
die nationale kurdische Konferenz sich versammelt und alle kurdischen
Politiker sich dort treffen. In diesem Sinne hoffe ich, dass das Jahr
2010 ein demokratisches Jahr für unsere Nation wird, bzw. dass sich die
Einheit der KurdInnen bildet. Wir glauben dran, dass es ein
erfolgreiches Jahr wird, wenn diese kurdische Einheit geschaffen wird.
ANF: /Sie haben das Jahr 2009 bewertet. Welche Botschaft haben Sie für
2010? /
Murat Karayilan: Die kurdische Freiheitsbewegung hat die Entwicklung
weit vorangetrieben, aber dieser Prozess reicht für die Lösung noch
nicht aus, es gibt immer noch Mängel, wir müssen noch stärker werden.
Die KurdInnen müssen sich, egal wo sie sind, organisieren, eine Einheit
in den Parlamenten bilden und ihre Forderungen zum Ausdruck bringen. Im
In- und Ausland muss der Wille stark sein und sie müssen sich
organisieren. Das Jahr 2010 wird lebenswichtige Bedeutung für das Volk
haben. Denn unsere Bewegung hat im Jahre 2009 wichtige Entwicklungen
eingeleitet. Diese Schritte müssen wir im neuen Jahr zum Erfolg bringen.
Ein wichtiger Schritt in Richtung für die Freiheit des Vorsitzenden und
die Freiheit Kurdistans muss getan werden. Auch die Frauen und
Jugendlichen müssen ihre Führungsrolle noch besser spielen. Wenn das
kurdische Volk das Jahr 2010 zum Erfolgsjahr machen will, dann muss es
noch verantwortungsbewusster auftreten. Vor allem ist die nationale
Einheit sehr wichtig. Wenn das Volk untereinander einig ist und eine
gemeinsame Strategie entwickelt, dann wird es unumstritten erfolgreich
sein. Die regionalen und internationalen Gegebenheiten bieten eine
positive Basis. Aber wenn wir diese Gegebenheiten nicht nutzen, dann
wird der Feind sie gegen uns nutzen. Sie werden dann im internationalen
und regionalen Kontext alle Möglichkeiten nutzen und uns angreifen.
Denn, ihre Strategie ist die Vernichtung Kurdistans. Wenn wir ihnen den
winzigsten Angriffpunkt liefern, werden sie gnadenlos sein und in
Kurdistan werden große Tragödien stattfinden. Diese Gefahr besteht.
Damit das nicht passiert, muss jeder verantwortungsbewusst handeln.
Im neuen Jahr müssen unsere Kader mit den Kritiken des letzten Jahres
noch besser arbeiten. Wenn sie das tun, dann sind wir der Freiheit des
Vorsitzenden und der Freiheit Kurdistans sehr nahe. Wir wollen jetzt
nicht mehr für einen neuen Prozess marschieren, sondern für den Sieg.
Der anstehende Prozess ist der des Sieges und der Freiheit. Dies ist
unser Glaube und unsere Hoffnung. Im Bereich der Verteidigung, Politik,
Ideologie und Organisation muss Stärke gezeigt werden. Mit unserer
jetzigen Kraft kommen wir weit, aber mit noch mehr Kraft werden wir noch
mehr erreichen.
Ich wünsche, dass das Jahr 2010 für das Volk Kurdistans und für die
gesamte Menschheit ein Jahr des Sieges, der Freiheit, der Demokratie,
des Friedens und der Geschwisterlichkeit der Völker sein wird. Ich
wünsche allen ein frohes neues Jahr.
Quelle: ANF, 26.12.2009, ISKU
[1] <#_ftnref1> Partei für ein Freies Leben in Kurdistan (/Partiya
Jiyana Azad a Kurdistanê/, PJAK) in Ostkurdistan (Iran) aktiv
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