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Brief der Friedensmütter an das Antifolterkomitee
İZMİR – Die Friedensmütter Initiative in Izmir hat einen Brief mit
Forderungen bezüglich der Haftbedingungen von Abdullah Öcalan an das
Antifolterkomitee geschickt. Der Brief enthielt einen Aufruf an die
Verantwortlichen die Gewalt in der Türkei, besonders gegen KurdInnen zu
stoppen.
Vor der Sümerbank des Bezirks Konak in Izmir versammelten sich
Friedensmütter sowie zahlreiche Mitglieder zivilgesellschaftlicher
Organisationen. Auf Transparenten waren Parolen wie „entweder ein freies
Leben, ehrenvollen Frieden, oder ehrenvollen Widerstand“ zu lesen.
Parolen wie „Wir sind Mütter, wir sind für den Frieden“, „Hoch die
Geschwisterlichkeit der Völker“ wurden gerufen.
Medine Kaymaz sprach im Namen der Mütter auf der Presseerklärung in
kurdischer Sprache. Sie äußerte, dass die gewalttätigen Ausschreitungen
der letzten Tage in der Türkei sich vertiefen werden. „Die gestorbenen
Soldaten sind unsere Söhne, genauso wie die GuerillakämpferInnen. Lasst
ab von den Ausschreitungen, von den Militäroperationen. Alle sollen
ihren Platz einnehmen für einen ehrenvollen Frieden. Es reicht! Die
Mütter wollen nicht mehr weinen, sie wollen Frieden.“
Weiterhin forderte Kaymaz in ihrer Rede die Verbesserung der
Haftbedingungen von Abdullah Öcalan und wies darauf hin, dass dieses
Thema ein sehr sensibles Thema für das kurdische Volk sei.
Trotz Regen formierte sich nach der Erklärung ein Demonstrationszug, der
bis zum Postbüro von Konak lief. Dort gaben die Friedensmütter ihren
Brief an das Antifolterkomitee ab.
Quelle: ANF, 16.12.2009, ISKU
StudentInnen der Universität in Van demonstrieren für den ermordeten
Studenten Erdem
VAN – Der Studierenden Verein der Yüzüncü Yıl Universität in Van (YÖDER)
gab eine öffentliche Erklärung ab, in der gegen die Ermordung des
Studenten Aydın Erdem in Diyarbakir durch die Polizei bei den Aktionen
gegen das DTP-Verbot protestiert wurde. Die StudentInnen riefen Parolen
wie „Die AnhängerInnen Öcalans sind hier, wo sind die NationalistInnen?
Vor der zentralen Cafeteria der Yüzüncü Yıl Universität haben sich etwa
500 Studierende versammelt und Fotografien des in Diyarbakir von der
Polizei ermordeten Studenten Aydın Erdem gezeigt. Eine Demonstration
formierte sich. Auf dem Fronttransparent war die Aufschrift „die
Helligkeit der Intellektuellen wird unseren Weg erleuchten“ zu lesen.
„Hoch lebe Öcalan“, „Kurdistan wird das Grab der Faschisten sein“, „Hoch
lebe die PKK“ waren Parolen, die die StudentInnen während der
Demonstration riefen. Vor der Sozialwissenschaftsfakultät wurde eine
Schweigeminute für die Opfer der Revolution eingelegt. Im Namen der
Studierenden hielt ein Mitglied von YÖDER eine Rede:
„Es hat sich gezeigt, dass die Öffnung nichts anderes ist als
Vernichtung. Während der Ereignisse wurden hunderte von Menschen
verhaftet oder in Gewahrsam genommen. Sie haben auf das Volk geschossen,
wobei zuerst Aydın Erdem sein Leben verlor. Danach haben sie dem
parlamentarisch vertretenen Willen des kurdischen Volkes einen Riegel
vorgeschoben. Zuletzt wurden im Landkreis Bulanık zwei Menschen
ermordet und 8 verletzt. Wir werden zu diesen Repressionen nicht
schweigen.“
Nach dieser Erklärung setzten die StudentInnen die Demonstration fort.
Quelle: ANF, 16.12.2009, ISKU
Tausende auf der Beerdigung des ermordeten Necmi Oral
MUŞ – An der Beerdigung von Necmi Oral, der gestern während der Proteste
gegen das DTP Verbot ermordet wurde, nahmen auch die Abgeordneten der
nun verbotenen DTP teil. Zehntausende fanden sich auf dem Friedhof des
Landkreises Bulanık in der Provinz Muş ein, um Oral, der von einem
Dorfschützer der in die Menge feuerte erschossen wurde, die letzte Ehre
zu erweisen. Nach den Beerdigungsfeierlichkeiten versuchte die Menge zu
dem Haus der Familie des Toten zu gehen um ihr Beileid auszusprechen,
woraufhin die Polizei die DemonstrantInnen erneut mit Tränengasgranaten
und Wasserwerfern angriff.
Im Landkreis Bulanık der Provinz Muş demonstrieren Tausende seit Tagen
gegen die schlechten Haftbedingungen von Abdullah Öcalan und gegen das
Verbot der prokurdischen DTP (Partei für eine demokratische
Gesellschaft). Während einer Auseinandersetzung mit der Polizei wurde
aus einem Laden, der sich nicht an dem Streik der Landbesitzer
beteiligte, mit einer Kalaschnikow in die Menge geschossen. Nachträglich
stellte sich der Schütze Turan Bilen als Mitarbeiter des Geheimdienstes
JITEM heraus, der schon lange als Dorfschützer tätig ist. Dorfschützer
sind paramilitärische Einheiten, die von Staat und Militär gegen den
kurdischen Widerstand eingesetzt werden. Durch die Schüsse von Turan
Bilen starben zwei Menschen, acht wurden verletzt. Necmi Oral wurde für
die Beerdigungsfeierlichkeiten in den Morgenstunden in die zentrale
Moschee gebracht. BesucherInnen der Beerdigung mussten sich einer
Durchsuchung durch die Polizei unterziehen. Später zog der
Beerdigungszug mit dem Sarg Necmi Orals Richtung des Ünini Friedhofs.
Tausende liefen den etwa drei Kilometer langen Weg bis zum Friedhof,
unter ihnen auch die Abgeordnete der nun verbotenen DTP, Sırrı Sakık,
Nuri Yaman, sowie auch die Gemeindevorsteher der Region. Es wurden
Parolen wie „Wir alle sind Necmi“ „Die Gefallenen sind unsterblich“,
„Der Destrikt-Gouverneur soll zurücktreten“, „Tayyip, dafür wirst du
bezahlen“ oder „Kurdistan wird das Grab der Faschisten sein“ gerufen.
Während der Beerdigung haben die Schwestern und die Mutter von Necmi
Oral eine Trauerrede gehalten.
Täter, Unterstützer und Richter
Nach der Beerdigungszeremonie sprach der Abgeordnete der nun verbotenen
DTP aus Muş, Sırrı Sakık. Er verurteilte den Vorfall und verlangte, dass
die Verantwortlichen vor ein Gericht gestellt werden. Sakık kritisiert,
dass der Ministerpräsident und der Gouverneur von Muş den Vorfall als
eine Fehde zwischen zwei Stämmen darstellen und daher zu den Akten legen
wollen. „Hier hat eine offene Exekution stattgefunden. Das ist jedem und
jeder klar. Niemand sollte so etwas einzelnen Individuen oder Stämmen
zuschreiben. Eine Seite dieser traurigen Ironie ist, dass Turan Bilen
seit Jahren hier mit den Sicherheitskräften des Staates zusammenarbeitet
und in seinem Auto und seinen Geschäftsräumen regelmäßig Waffen lagert.
Wenn er nun nicht belangt wird, dann ist das keine Stammesfehde, dann
ist das eine lange vorbereitete Provokation gegen ein Volk, das seinen
demokratischen Willen zum Ausdruck bringt.“
Sakık sagt weiterhin, es sei kein Landfriedensbruch sondern eine
Forderung nach Rechten. „Wenn hier diejenigen, die Massaker begehen,
diejenigen die sie unterstützen und diejenigen, die sie vor ein Gericht
bringen die gleichen sind, wird das Problem niemals gelöst werden. Wir
werden die gesamte Dimension des Vorfalls ans Licht bringen. Daran
sollte niemand zweifeln.
Abgeordneter Nuri Yaman äußerte nach der Rede von Sakık, er werde auch
wenn es im Parlament nicht möglich sei, für das Volk den Kampf immer
weiter führen. Er rief dazu auf, sich im Kampf um die Freiheit des
kurdischen Volkes zu vereinigen. Im vereinten kurdischen Volk dürften
solche „Schweinereien“ keinen Platz haben. Yaman sagte, er werde alles
in seiner Macht stehen tun, um die Verantwortlichen des Vorfalls zu
belangen
Reaktion der großen Schwester des ermordeten Necmi Oral
Hayat Oral, die Schwester des toten Necmi Oral erklärte: „Mein kleiner
Bruder ist Märtyrer für die Sprache, die Kultur und die Freiheit dieses
Volkes geworden. Ich spreche hier zu dem türkischen Ministerpräsident.
Wie wirst du das jemals bezahlen. Mein Bruder ist kein Terrorist, so wie
dein Handlanger. Er war ein junger Mensch, der sein Recht eingefordert
hat. Du hast dieses Volk, einen der größten Elemente dieses Landes, dem
Terror nahegebracht. Daher sagen wir: nicht mein kleiner Bruder ist der
Terrorist. Der eigentliche Terrorist bist du, deine Regierung und dein
faschistischer Staat. Und dafür werden alle bezahlen.“
Im Anschluss an die Beerdigungsfeierlichkeiten nahmen tausende von
Menschen an einem Demonstrationszug zu dem Haus der Familie des
verstorbenen Oral Necmi im Zentrum des Stadtteils teil. Das Haus von
Turan Bilen, der durch Schüsse in die Menge den Tod von Oral und eines
weiteren Menschen verursachte und sich als Mitglied des türkischen
Geheimdienstes JITEM herausstellte, wurde durch die Polizei geschützt.
Turan Bilen und seine Familie wurden gestern schon per Helikopter aus
dem Landkreis an einen unbekannten Ort gebracht.
Die Polizei griff die nicht genehmigte Demonstration mit Wasserwerfern
und Tränengasgranaten an. Die Auseinandersetzungen zwischen
DemonstrantInnen und Polizei dauern zur Stunde noch an.
In Malazgirt haben Geschäfte die Rollläden geschlossen
Um gegen den Vorfall in Bulanık zu protestieren, haben auch im Landkreis
Malazgirt die Geschäfte ihre Rollläden geschlossen. Die meisten der
LadenbesitzerInnen nahmen an der Beerdigung von Oral Necmi teil.
Quelle: ANF, 16.12.2009, ISKU
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