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news: 16.12.2009

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Brief der Friedensmütter an das Antifolterkomitee

İZMİR – Die Friedensmütter Initiative in Izmir hat einen Brief mit Forderungen bezüglich der Haftbedingungen von Abdullah Öcalan an das Antifolterkomitee geschickt. Der Brief enthielt einen Aufruf an die Verantwortlichen die Gewalt in der Türkei, besonders gegen KurdInnen zu stoppen.

Vor der Sümerbank des Bezirks Konak in Izmir versammelten sich Friedensmütter sowie zahlreiche Mitglieder zivilgesellschaftlicher Organisationen. Auf Transparenten waren Parolen wie „entweder ein freies Leben, ehrenvollen Frieden, oder ehrenvollen Widerstand“ zu lesen. Parolen wie „Wir sind Mütter, wir sind für den Frieden“, „Hoch die Geschwisterlichkeit der Völker“ wurden gerufen.

Medine Kaymaz sprach im Namen der Mütter auf der Presseerklärung in kurdischer Sprache. Sie äußerte, dass die gewalttätigen Ausschreitungen der letzten Tage in der Türkei sich vertiefen werden. „Die gestorbenen Soldaten sind unsere Söhne, genauso wie die GuerillakämpferInnen. Lasst ab von den Ausschreitungen, von den Militäroperationen. Alle sollen ihren Platz einnehmen für einen ehrenvollen Frieden. Es reicht! Die Mütter wollen nicht mehr weinen, sie wollen Frieden.“

Weiterhin forderte Kaymaz in ihrer Rede die Verbesserung der Haftbedingungen von Abdullah Öcalan und wies darauf hin, dass dieses Thema ein sehr sensibles Thema für das kurdische Volk sei.

Trotz Regen formierte sich nach der Erklärung ein Demonstrationszug, der bis zum Postbüro von Konak lief. Dort gaben die Friedensmütter ihren Brief an das Antifolterkomitee ab.

Quelle: ANF, 16.12.2009, ISKU

StudentInnen der Universität in Van demonstrieren für den ermordeten Studenten Erdem

VAN – Der Studierenden Verein der Yüzüncü Yıl Universität in Van (YÖDER) gab eine öffentliche Erklärung ab, in der gegen die Ermordung des Studenten Aydın Erdem in Diyarbakir durch die Polizei bei den Aktionen gegen das DTP-Verbot protestiert wurde. Die StudentInnen riefen Parolen wie „Die AnhängerInnen Öcalans sind hier, wo sind die NationalistInnen?

Vor der zentralen Cafeteria der Yüzüncü Yıl Universität haben sich etwa 500 Studierende versammelt und Fotografien des in Diyarbakir von der Polizei ermordeten Studenten Aydın Erdem gezeigt. Eine Demonstration formierte sich. Auf dem Fronttransparent war die Aufschrift „die Helligkeit der Intellektuellen wird unseren Weg erleuchten“ zu lesen.

„Hoch lebe Öcalan“, „Kurdistan wird das Grab der Faschisten sein“, „Hoch lebe die PKK“ waren Parolen, die die StudentInnen während der Demonstration riefen. Vor der Sozialwissenschaftsfakultät wurde eine Schweigeminute für die Opfer der Revolution eingelegt. Im Namen der Studierenden hielt ein Mitglied von YÖDER eine Rede:

„Es hat sich gezeigt, dass die Öffnung nichts anderes ist als Vernichtung. Während der Ereignisse wurden hunderte von Menschen verhaftet oder in Gewahrsam genommen. Sie haben auf das Volk geschossen, wobei zuerst Aydın Erdem sein Leben verlor. Danach haben sie dem parlamentarisch vertretenen Willen des kurdischen Volkes einen Riegel vorgeschoben. Zuletzt wurden im Landkreis Bulanık zwei Menschen ermordet und 8 verletzt. Wir werden zu diesen Repressionen nicht schweigen.“

Nach dieser Erklärung setzten die StudentInnen die Demonstration fort.

Quelle: ANF, 16.12.2009, ISKU

Tausende auf der Beerdigung des ermordeten Necmi Oral

MUŞ – An der Beerdigung von Necmi Oral, der gestern während der Proteste gegen das DTP Verbot ermordet wurde, nahmen auch die Abgeordneten der nun verbotenen DTP teil. Zehntausende fanden sich auf dem Friedhof des Landkreises Bulanık in der Provinz Muş ein, um Oral, der von einem Dorfschützer der in die Menge feuerte erschossen wurde, die letzte Ehre zu erweisen. Nach den Beerdigungsfeierlichkeiten versuchte die Menge zu dem Haus der Familie des Toten zu gehen um ihr Beileid auszusprechen, woraufhin die Polizei die DemonstrantInnen erneut mit Tränengasgranaten und Wasserwerfern angriff.

Im Landkreis Bulanık der Provinz Muş demonstrieren Tausende seit Tagen gegen die schlechten Haftbedingungen von Abdullah Öcalan und gegen das Verbot der prokurdischen DTP (Partei für eine demokratische Gesellschaft). Während einer Auseinandersetzung mit der Polizei wurde aus einem Laden, der sich nicht an dem Streik der Landbesitzer beteiligte, mit einer Kalaschnikow in die Menge geschossen. Nachträglich stellte sich der Schütze Turan Bilen als Mitarbeiter des Geheimdienstes JITEM heraus, der schon lange als Dorfschützer tätig ist. Dorfschützer sind paramilitärische Einheiten, die von Staat und Militär gegen den kurdischen Widerstand eingesetzt werden. Durch die Schüsse von Turan Bilen starben zwei Menschen, acht wurden verletzt. Necmi Oral wurde für die Beerdigungsfeierlichkeiten in den Morgenstunden in die zentrale Moschee gebracht. BesucherInnen der Beerdigung mussten sich einer Durchsuchung durch die Polizei unterziehen. Später zog der Beerdigungszug mit dem Sarg Necmi Orals Richtung des Ünini Friedhofs. Tausende liefen den etwa drei Kilometer langen Weg bis zum Friedhof, unter ihnen auch die Abgeordnete der nun verbotenen DTP, Sırrı Sakık, Nuri Yaman, sowie auch die Gemeindevorsteher der Region. Es wurden Parolen wie „Wir alle sind Necmi“ „Die Gefallenen sind unsterblich“, „Der Destrikt-Gouverneur soll zurücktreten“, „Tayyip, dafür wirst du bezahlen“ oder „Kurdistan wird das Grab der Faschisten sein“ gerufen. Während der Beerdigung haben die Schwestern und die Mutter von Necmi Oral eine Trauerrede gehalten.

Täter, Unterstützer und Richter

Nach der Beerdigungszeremonie sprach der Abgeordnete der nun verbotenen DTP aus Muş, Sırrı Sakık. Er verurteilte den Vorfall und verlangte, dass die Verantwortlichen vor ein Gericht gestellt werden. Sakık kritisiert, dass der Ministerpräsident und der Gouverneur von Muş den Vorfall als eine Fehde zwischen zwei Stämmen darstellen und daher zu den Akten legen wollen. „Hier hat eine offene Exekution stattgefunden. Das ist jedem und jeder klar. Niemand sollte so etwas einzelnen Individuen oder Stämmen zuschreiben. Eine Seite dieser traurigen Ironie ist, dass Turan Bilen seit Jahren hier mit den Sicherheitskräften des Staates zusammenarbeitet und in seinem Auto und seinen Geschäftsräumen regelmäßig Waffen lagert. Wenn er nun nicht belangt wird, dann ist das keine Stammesfehde, dann ist das eine lange vorbereitete Provokation gegen ein Volk, das seinen demokratischen Willen zum Ausdruck bringt.“

Sakık sagt weiterhin, es sei kein Landfriedensbruch sondern eine Forderung nach Rechten. „Wenn hier diejenigen, die Massaker begehen, diejenigen die sie unterstützen und diejenigen, die sie vor ein Gericht bringen die gleichen sind, wird das Problem niemals gelöst werden. Wir werden die gesamte Dimension des Vorfalls ans Licht bringen. Daran sollte niemand zweifeln.

Abgeordneter Nuri Yaman äußerte nach der Rede von Sakık, er werde auch wenn es im Parlament nicht möglich sei, für das Volk den Kampf immer weiter führen. Er rief dazu auf, sich im Kampf um die Freiheit des kurdischen Volkes zu vereinigen. Im vereinten kurdischen Volk dürften solche „Schweinereien“ keinen Platz haben. Yaman sagte, er werde alles in seiner Macht stehen tun, um die Verantwortlichen des Vorfalls zu belangen

Reaktion der großen Schwester des ermordeten Necmi Oral

Hayat Oral, die Schwester des toten Necmi Oral erklärte: „Mein kleiner Bruder ist Märtyrer für die Sprache, die Kultur und die Freiheit dieses Volkes geworden. Ich spreche hier zu dem türkischen Ministerpräsident. Wie wirst du das jemals bezahlen. Mein Bruder ist kein Terrorist, so wie dein Handlanger. Er war ein junger Mensch, der sein Recht eingefordert hat. Du hast dieses Volk, einen der größten Elemente dieses Landes, dem Terror nahegebracht. Daher sagen wir: nicht mein kleiner Bruder ist der Terrorist. Der eigentliche Terrorist bist du, deine Regierung und dein faschistischer Staat. Und dafür werden alle bezahlen.“

Im Anschluss an die Beerdigungsfeierlichkeiten nahmen tausende von Menschen an einem Demonstrationszug zu dem Haus der Familie des verstorbenen Oral Necmi im Zentrum des Stadtteils teil. Das Haus von Turan Bilen, der durch Schüsse in die Menge den Tod von Oral und eines weiteren Menschen verursachte und sich als Mitglied des türkischen Geheimdienstes JITEM herausstellte, wurde durch die Polizei geschützt. Turan Bilen und seine Familie wurden gestern schon per Helikopter aus dem Landkreis an einen unbekannten Ort gebracht.

Die Polizei griff die nicht genehmigte Demonstration mit Wasserwerfern und Tränengasgranaten an. Die Auseinandersetzungen zwischen DemonstrantInnen und Polizei dauern zur Stunde noch an.

In Malazgirt haben Geschäfte die Rollläden geschlossen

Um gegen den Vorfall in Bulanık zu protestieren, haben auch im Landkreis Malazgirt die Geschäfte ihre Rollläden geschlossen. Die meisten der LadenbesitzerInnen nahmen an der Beerdigung von Oral Necmi teil.

Quelle: ANF, 16.12.2009, ISKU


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