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Wahlen in Kurdistan: Stimmen die Stimmen?

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Wahlen in Kurdistan: Stimmen die Stimmen?

Qassim Khidhir Hamad - MESOP

Die Patriotische Union Kurdistan (PUK) und die Kurdische Demokratische Partei (KDP) werden erneut die Regierung stellen. Noch streiten die Kurden aber darüber, ob bei den Wahlen alles mit rechten Dingen zugegangen ist

Laut ersten Schätzungen hat die Kurdistan Liste der PUK und KDP die Wahlen für die 111 Sitze des kurdischen Parlaments sowie für die regionale Präsidentschaft gewonnen. Auch wenn die Auszählung der am vergangenen Wochenende abgegebenen Stimmen noch andauert, scheint schon jetzt klar: der amtierende Präsident und Vorsitzende der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) Massoud Barzani wurde klar in seinem Amt bestätigt. Er gewann die Präsidentschaftswahlen in den Provinzen Duhok und Arbil und kann ist somit insgesamt in seinem Amt bestätigt worden.

Die meisten Stimmen in Sulaimaniyah hingegen errang der parteilose Intellektuelle Dr. Kamal Mirawdeli. Die oppositionelle Change Liste etablierte sich als drittstärkste Kraft in Kurdistan. Auf sie entfielen insgesamt 25 Prozent der Stimmen. In der Provinz Sulaimaniyah, einer ehemaligen Hochburg der PUK und KPD, errang die Change Liste sogar die Mehrheit.

Der Wunsch nach Reformen

Die Beteiligung bei den Wahlen, die am Samstagmorgen begonnen hatten und deren offizielle Ergebnisse am Donnerstag verkündet werden, war hoch. „Ich habe gegen Korruption und für Reformen gestimmt“Der Repräsentant des Wahlkomitees, Hamziya al-Husseini, sprach von einer Wahlbeteiligung von 85,9 Prozent in Duhok, von 79 Prozent in Arbil und von rund 75 Prozent in Sulaimaniyah.

Für viele der 2,5 Millionen stimmberechtigten Kurden war das Bedürfnis nach Wandel und neuen Perspektiven, die stärkste Motivation wählen zu gehen. „Ich habe gegen Korruption und für Reformen gestimmt“, sagt Kamaran Muhammad, der erste Wähler im Wahllokal Piramerd in Sulaimaniyah. Muhammad steht stellvertretend für viele junge kurdische Irakis, die keinen Job finden. „Ich habe mein Studium am Wissenschaftskolleg vor fünf Jahren abgeschlossen aber die Regierung hat mich noch nicht als Lehrer angestellt.“

Wahlbetrug trotz Tausender Beobachter?

Laut al-Husseini, dem Aufseher der Wahlen, verlief der Abstimmungsprozess in der gesamten Region größtenteils gerecht. Allerdings haben die Change Liste sowie die Service and Reform Liste in Arbil und Duhok vereinzelt die Regierungsparteien des Wahlbetrugs bezichtigt. Die Opposition behauptet, dass Mitglieder der KDP-nahen Peshmerga-Sicherheitskräfte mehrmals an verschiedenen Orten gewählt hätten Die Opposition behauptet, dass Mitglieder der KDP-nahen Peshmerga-Sicherheitskräfte mehrmals an verschiedenen Orten gewählt hätten. Außerdem hätten auch unregistrierte Wähler abstimmen dürfen und einige Wahllokale hätten eigenmächtig die Öffnungszeiten verlängert. „Spät nachmittags sind viele Mitglieder der Peshmerga zu den Wahllokalen gegangen und haben mehrmals abgestimmt“, behauptet die zweite parlamentarische Kandidatin der Change Liste, Kewstan Muhammad.

Deshalb habe die Change Liste auch offiziell Beschwerde bei der Unabhängigen Irakischen Wahlkommission (IHEC) eingereicht. „Wir verlangen von der IHEC, dass die Ergebnisse der Wahllokale von Duhok und Arbil abgelehnt werden“, sagt sie.

Doch auch innerhalb der Change Liste, die in die gesamte Region Kurdistan 15.000 Beobachter entsandt hatte, herrscht Uneinigkeit bezüglich des angeblichen Wahlbetrugs. „Alles war fair und demokratisch“, sagt etwa Diyar Swara, der für die Change Liste das Zewar Wahllokal in Sulaimaniyah beobachtet hatte. Auch die Mehrzahl der Journalisten berichtet, dass die Wahlen überwiegend regulär waren.

Die Kurdistan Liste hat alle Anschuldigungen des Wahlbetrugs als gegenstandslos abgewiesen. „Die Change Liste wusste, dass sie die Wahlen verlieren würde und hat sich deshalb dazu entschlossen, solche Anschuldigungen zu verbreiten“, sagte etwa der Sprecher der Kurdistan Liste, Fadhil Omer.

Quelle: MESOP, 28.7.2009

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29.07.09    Absender/-in: Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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