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Turkmenistan: ÄRZTE OHNE GRENZEN schließt Programm nach zehn Jahren -
Trotz dringender Not verlässt letzte verbleibende Hilfsorganisation
das Land
Berlin/Ashgabat (ots) - Die internationale humanitäre Organisation
ÄRZTE OHNE GRENZEN beendet nach zehn Jahren die Arbeit in
Turkmenistan. "Die medizinischen Bedürfnisse sind in Turkmenistan
noch immer groß, und es gibt einen guten Grund für uns, dort zu
arbeiten. Unsere Projektvorschläge wurden aber wiederholt abgelehnt,
so dass wir keine andere Wahl haben, als das Land zu verlassen",
sagte Frank Dörner, Geschäftsführer bei ÄRZTE OHNE GRENZEN. "Wir
hatten gehofft, der turkmenischen Bevölkerung helfen zu können, die
einem hohen Maß an multiresistenter Tuberkulose ausgesetzt ist, aber
noch immer keinen Zugang zu einer effektiven Behandlung hat."
Turkmenistan hat, wie auch die anderen Regionen Zentralasiens,
eine hohe Tuberkuloserate. Die Entstehung und zunehmende Übertragung
der multiresistenten TB (MDR-TB) ist besonders besorgniserregend.
Mehr als 20 Prozent der kürzlich diagnostizierten TB-Patienten und 33
Prozent derer, bei denen die bisherige Behandlung fehlgeschlagen ist,
haben MDR-TB. Dies besagen Angaben aus dem Antrag des turkmenischen
Gesundheitsministeriums an den Globalen Fonds zur Bekämpfung von
Aids, Tuberkulose und Malaria.
"Wenn diese Angaben richtig sind, weist die Rate der Resistenzen
auf eine alarmierende Situation hin", sagte Christoph Hippchen,
ehemaliger Landeskoordinator für ÄRZTE OHNE GRENZEN in Turkmenistan.
"Wir fordern die turkmenische Regierung daher auf, die Notwendigkeit
für eine umfassende TB- und MDR-TB-Behandlung anzuerkennen. Denn
gemäß der nationalen Strategie würden die ersten Patienten erst im
Jahr 2013 effektiv behandelt werden. Die Menschen sterben aber
bereits heute."
ÄRZTE OHNE GRENZEN hat dem Gesundheitsministerium angeboten,
umgehend ein gemeinsames MDR-TB-Programm zu starten und damit die
Einführung eines landesweiten Programms zu beschleunigen. Das
Gesundheitsministerium hat zwei Vorschläge von ÄRZTE OHNE GRENZEN für
eine Zusammenarbeit abgelehnt. "Enttäuschend ist, dass der
stellvertretende Vorsitzende des Ministerkabinetts Saparliev uns
gebeten hatte, die turkmenische Regierung bei der Einführung
qualitativer Hilfe für MDR-TB-Patienten zu unterstützen, die
Diskussionen aber wieder einmal auf Ebene des Gesundheitsministeriums
blockiert wurden", sagte Hippchen.
Mit Einstellung der Arbeit von ÄRZTE OHNE GRENZEN verliert
Turkmenistan die letzte im Land tätige internationale
Hilfsorganisation. ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft die turkmenische Regierung
dazu auf, zum Wohle ihrer Bevölkerung die Einführung einer
qualitativen TB/MDR-TB-Behandlung zu beschleunigen, sowie das Ausmaß
und die Dringlichkeit der TB-Krise anzuerkennen. Außerdem sollten die
Weltgesundheitsorganisation und der Globale Fonds die
Gesundheitskrise in Turkmenistan nicht länger ignorieren. ÄRZTE OHNE
GRENZEN verpflichtet sich weiterhin, die turkmenische Regierung bei
der Behandlung zu unterstützen und steht für weitere Verhandlungen
zur Verfügung.
ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet seit dem Jahr 1999 in Turkmenistan und
hat damals internationale Standards für die TB-Behandlung eingeführt.
Die Organisation hat in den vergangenen fünf Jahren im
Distriktkrankenhaus in der Stadt Magdanly im Osten des Landes
gearbeitet und bis zur Schließung im September 2009 die Qualität der
Pädiatrie und Geburtsmedizin verbessert.
Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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