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Markus Mauthe/Wildview: Erosion 7.01.2012

Wildview

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Erosion 7.01.2012

Posted: 21 Jan 2012 05:46 AM PST
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Naturfotografen im Allgemeinen und ich im Besonderen sind hoffnungslose Tr|ñumer. Unser Herzblut fliest f|+r |aesthetik, Sch|Ânheit, Form und Farbe. |aehnlich wie bei den Malern geht es letztendlich darum unsere Umgebung m|Âglichst makellos und perfekt abzubilden. Eigentlich ist dies gar nicht so schwierig, denn Natur ist immer perfekt in Ausdruck und Gestaltung. Hat man mal ein Motiv entdeckt, |+berlegt sich der Maler seine Farbenwahl und der Fotograf wartet auf die richtige Lichtstimmung. Doch w|ñhrend der Maler im Rahmen der k|+nstlerischen Freiheit auch mal ein st|Ârendes Detail weglassen kann ist der Fotograf dazu verdammt immer die Wirklichkeit auf den Chip zu bannen.

In den letzten Jahren habe ich das Gef|+hl einen Beruf zu haben, bei dem man mehr und mehr in einem Wettlauf mit der Zeit steht. Waren die Geschichten aus meiner Kindheit noch gepr|ñgt von Abenteurern welche die Geheimnisse unserer Erde erforschten, komme ich mir heute vor wie Einer der gar nicht schnell genug reisen kann um unverf|ñlschte Natur noch in intaktem Zustand zu dokumentieren. Die Ver|ñnderungen auf unserer Erde sind so gewaltig das man immer Angst haben muss zu sp|ñt zu kommen.

Die ÔÇ×Wei|fe W|+steÔÇ£ ist ein Nationalpark in |aegypten. Hier hatte ich, nachdem meine Fotos im Kasten waren das Gef|+hl gerade noch rechtzeitig gekommen zu sein. Ein Nationalpark dient im besten Fall der Erhaltung von Natur und dem Menschen als Ort der Erholung und Erfahrung. In vielen L|ñndern der Erde klaffen jedoch Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Dies bedeutet leider, dass die Auswei|fung eines Schutzgebietes nicht gleichbedeutend ist mit dessen Erhaltung.

Die ÔÇ×Wei|fe W|+steÔÇ£ ist ein wundersch|Âner Bereich der Sahara. Sie ist eine Erosionslandschaft an der Abbruchkante einer Platte die in eine tiefer gelegene Ebene |+bergeht. Millionen Jahre Erdgeschichte liegen hier wie ein offenes Buch vor dem Betrachter. Die W|+ste war fr|+her mal ein Ozean unz|ñhlige versteinerte Muscheln und Korallen lassen keinen Raum f|+r Zweifel. Es gibt Gesteinsschichten die sind aus purem Kalk, was der Region wohl auch ihren Namen gegeben hat. Durch die unterschiedliche Beschaffenheit der einzelnen Materialien konnten sich die Elemente in unvorstellbar langen Zeitr|ñumen an ihnen abarbeiten. Dabei sind skurrile Formen entstanden die vielf|ñltiger nicht sein k|Ânnen. Es f|ñllt nicht schwer in Ihnen Pilze, T|+rmchen, Kugeln und vor Allem allerlei Getier zu entdecken. Ein magischer Ort der die Fantasie anregt und sich deshalb zunehmender Beliebtheit erfreut.

Heute sind es schon 50.000 Besucher im Jahr die sich von diesem Schauspiel anlocken lassen. Diese sorgen f|+r eine rapide Beschleunigung dessen, wozu die Natur Jahrtausende ben|Âtigt, n|ñmlich dem endg|+ltigen Erodieren und Verschwinden dieser Sch|Ânheit. F|+r die Menschen der Region sind die Besucher zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Viele verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Jeepfahrer oder Begleiter von Kamelsafaris durch die W|+ste. Daran ist auch absolut nichts Falsch. Der Haken ist, das es keine Regeln gibt, bzw diese nicht beachtet werden. Unz|ñhlige Fahrspuren auf der sensiblen, oft nur wenige Millimeter dicken Erdkruste treiben mich nicht selten in den Totalfrust.

Es gibt Regionen im Park die sind durch Reifen und Schuhwerk komplett zertrampelt. F|+r die meisten Besucher scheinen nur die gro|fen Erosionst|+rme zu z|ñhlen. Die fragile Sch|Ânheit im Detail des W|+stenbodens nehmen wohl nur die Wenigsten war. Es hat den Anschein, dass die lokalen Fahrer geradezu nach unzerst|Ârten Bereichen suchen. Kaum einer lenkt sein Gef|ñhrt durch vorhandene Spuren. Selten war mir die Divergenz im Anspruch meiner eigenen Arbeit als ÔÇ×NaturschutzfotografÔÇ£ so bewusst wie hier. Auf der Suche nach unbesch|ñdigten Motiven habe ich mich nicht selten an Positionen begeben die danach klar und deutlich durch meine Anwesenheit gepr|ñgt waren. Jeder Schritt hinterl|ñsst Spuren, die oft |+ber Jahre sichtbar sind. Doch solange selbst die im Park besch|ñftigten Ranger v|Âllig konzeptlos mit ihren Jeeps |+ber alles dr|+ber brettern was sich ihnen in den Weg stellt habe ich nur ein begrenzt schlechtes Gewissen. Eine Attraktion dieser Art l|ñsst sich auf nachhaltige Weise nur mit Besucherlenkung, klaren Regeln und strengen Strafen bei Nichtbeachtung erhalten. Dies wird wohl eine Utopie bleiben, denn in einem Land wie |aegypten gibt es dazu weder die finanziellen Mittel noch das ben|Âtigte KnowHow.

So werden die N|ñchte unter dem klaren Sternenhimmel und der nach wie vor vorhandene Zauber der W|+ste noch viele Touristen begeistern. F|+r Puristen ist die Region schon Heute nachhaltig zerst|Ârt. Als Zyniker k|Ânnte man die Sache als halb so Schlimm abtun, denn der Tourismus beschleunigt ja eh nur was hier sowieso passiert n|ñmlich die st|ñndige Ver|ñnderung durch Abrieb der Erosion. Ich w|+rde mich dem Diktat der Regeln aber gerne beugen. Nat|+rliche Erosion ist einfach h|+bscher als die brutale Kraft tonnenschwerer Gel|ñndewagen. Au|ferdem w|ñre es w|+nschenswert wenn auch noch die Kinder der Kinder heutiger Beduinen begeisterte Touristen durch diese sch|Âne Landschaft f|+hren k|Ânnten. Warum tun wir Menschen uns nur so schwer damit unsere Umgebung zu erhalten? Eine Frage die mich wohl noch durch mein ganzes Leben begleiten wird.

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