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Darfur: Schikaniert und in Gefahr - humanitäre Helfer im nördlichen
Sudan in der Zwangslage
Berlin (ots) - Die holländische und die französische Sektion von
ÄRZTE OHNE GRENZEN äußern wiederholt ihre tiefe Besorgnis um die
Patienten, die sie in Darfur zurücklassen mussten und verurteilen die
inakzeptablen Bedingungen ihrer Ausweisung aus Darfur. Die Ausweisung
von 13 Nichtregierungsorganisationen folgte direkt auf den Haftbefehl
gegen den sudanesischen Präsident Omar al-Bashir durch den
Internationalen Strafgerichtshof am 4. März. ÄRZTE OHNE GRENZEN
befürchtet, dass die großen Erfolge, die humanitäre Organisationen in
den letzten fünf Jahren erzielen konnten, zunichte gemacht werden
könnten.
Die Arbeit im Sudan ist seit Jahren kompliziert. ÄRZTE OHNE
GRENZEN war aber immer in der Lage, medizinische Hilfe zu leisten,
auch wenn die Beschränkungen durch die sudanesische Regierung
zugenommen haben. Nach der Ausweisung droht nun die Gefahr, dass
humanitäre Hilfe durch eine politische Agenda bestimmt wird und sich
nicht mehr unabhängig an den tatsächlichen Bedürfnissen orientieren
kann. Einige Orte können keine oder nur ungenügende Hilfe erhalten.
Nach allen Bemühungen, den Menschen in Darfur zu helfen, hat die
sudanesische Regierung ÄRZTE OHNE GRENZEN fälschlicherweise
beschuldigt, mit dem Internationalen Strafgerichtshof
zusammenzuarbeiten, was grundsätzlich falsch ist. Bankkonten wurden
eingefroren, der Zugang zu Büros wurde verweigert und Autos, Computer
und Büroausstattungen im Wert von über einer Million Euro wurden
beschlagnahmt.
Die Organisationen konnten die Projekte aufgrund der sofortigen
Ausweisung nicht angemessen schließen. Aktivitäten von ÄRZTE OHNE
GRENZEN nach dem Ausbruch von Meningitis mussten abrupt beendet
werden, und Projektbesuche waren verboten. Gleichzeitig wurden die
Pässe von drei internationalen Mitarbeitern bis kurz vor ihrer
Ausreise einbehalten, was sie gewissermaßen zu Geiseln gemacht hat.
"Ich hatte das Gefühl, dass wir wie Kriminelle behandelt wurden. Wir
waren zerrissen zwischen der Sorge um unsere Patienten und
sudanesischen Mitarbeiter, die wir unvermittelt verlassen mussten,
und dem Zorn über den Ausweisungsbefehl. Diese Respektlosigkeit vor
medizinischer Hilfe ist nach 30 Jahren Unterstützung im Nordsudan
schockierend", sagte Reshma Adatia, Landeskoordinatorin von ÄRZTE
OHNE GRENZEN in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.
Sechs Wochen nach der Ausweisung durften die betroffenen
internationalen Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN den Sudan endlich
verlassen. ÄRZTE OHNE GRENZEN ist empört über die derzeitige
Situation, aber nach wie vor bereit, Nothilfe zu leisten, sobald die
Bedingungen für unabhängige, neutrale und unparteiische Unterstützung
wiederhergestellt sind.
ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet seit 1979 im Sudan. Seit 2003 hat die
Organisation in Darfur mehr als drei Millionen Patienten behandelt,
225.000 Schwangere beraten, 10.000 Geburten begleitet, 12.000
Operationen durchgeführt und 20.000 Patienten psychologisch betreut.
Sechs Projekte werden derzeit im nördlichen Sudan fortgeführt, auch
wenn deren Zukunft von einer deutlichen Verbesserung der
Arbeitsbedingungen abhängt.
Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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