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Kahlschlag in Moskaus Waldguertel - mit westeuropaeischem Geld?

Kahlschlag in Moskaus Waldgürtel - mit westeuropäischem Geld?

4.3.10

von Bernhard Clasen

Russische Umweltschützer aus dem Moskauer Vorort Chimki, die gegen die Abholzung eines einzigartigen Waldstückes zugunsten einer Autobahn von Moskau nach St. Petersburg kämpfen, sind empört: ausgerechnet die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, deren Präsident der SPD-Politiker Thomas Mirow ist, soll den Bau der umstrittenen Trasse finanzieren. Bei einem Treffen mit französischen und russischen Geschäftsleuten hatte Russlands Präsident Medwedew zugesagt, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung als Investor für die Umsetzung des umstrittenen Projektes mit ins Boot zu holen. Dies geht aus einem Bericht der russischen Sektion von "Greenpeace" hervor. Ein französischer Geschäftsmann, so Greenpeace, habe Medwedew bei einem Gespräch in Paris Anfang der Woche gebeten, sich für eine Finanzierung des Autobahnprojektes bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung einzusetzen.

Chimkis Umweltschützer hatten Anfang der Woche im Obersten Gericht gegen die Regierung geklagt - und verloren. Deren Entscheid, im Waldgebiet um Chimki industrielle und verkehrstechnische Nutzung zuzulassen, verstoße gegen russisches Recht, argumentierten die Ökologen. Doch das Gericht gab Russlands Regierung Recht. Nachdem der Rechtsweg gegen die Abholzung des Waldes um Chimki ausgeschöpft ist, bereiten die Umweltschützer von Chimki nun eine Klage gegen die russische Regierung vor dem Straßburger Menschengerichtshof vor. Gleichzeitig wollen sie Druck auf die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, das französische Verkehrswegebauunternehmen Eurovia, eine Tochter des französischen Vinci-Konzerns und die Europäische Investitionsbank ausüben.

Chimkis UmweltschützerInnen lehnen den Bau der neuen Autobahn von Moskau nach St. Petersburg nicht grundsätzlich ab. Nach ihrer Auffassung gebe es durchaus Möglichkeiten, die Trasse so zu bauen, dass kein Wald um Chimki gefällt werden müsse.

Seit Jahren weht den Öko-Aktivisten von Chimki ein rauer Wind entgegen. Im November 2008 war einer von ihnen, Michail Beketow, Chefredakteur der "Prawda von Chimki", von Unbekannten überfallen und so schwer verletzt worden, dass er immer noch in ärztlicher Behandlung ist. Die Ärzte mussten ihm einen Unterschenkel und mehrere Finger amputieren, seither kann Beketow nicht mehr sprechen. Nach einer Operation an der Luftröhre im vergangenen Jahr gibt es erstmals Hoffnung, dass Beketow bald wieder sprechen kann.

Außer Beketow wurden weitere Kritiker der Rodungspläne überfallen. Im April 2009 wurde in Chimki der Journalist Sergej Protasanow ermordet. In dieses Bild passt auch, dass Natalja Komarowa, die Vorsitzende des Umweltausschusses in der Staatsduma, Umweltschutzorganisationen mit Terroristen verglich.

Der Kampf um den Wald von Chimki wird wohl auch deswegen so erbittert geführt, weil die geplanten Rodungen nur der Auftakt eines groß angelegten Kahlschlags sein sollen. Unter der Bezeichnung »ZKAD« ist ein knapp 450 Kilometer langer und 10 Milliarden Euro teurer Autobahnring um Moskau geplant, dem 100 Quadratkilometer Wald geopfert werden sollen. Moskau, befürchten die Umweltschützer, werde so einen großen Teil seiner grünen Lunge verlieren. Erste Teilabschnitte des Rings sollen 2012 für den Verkehr freigegeben werden, bis 2015 soll die gesamte »ZKAD« fertig sein.

Quelle: scharf-links, 4.3.10
http://www.scharf-links.de/42.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=9138&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=cf732b3959

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06.03.10    Absender/-in: Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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