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Familie auseinandergerissen
Warum die Ausländerbehörde des Kreises Lippe die wochenlange medikamentöse
Ruhigstellung eines dreijährigen Kindes fordert
Detmold - Die beide Eltern von David, 6 Jahre, und Maria, 3 Jahre,
befinden sich auf Bestreben der Ausländerbehörde im Gefängnis, um so eine
Abschiebung durchzusetzen. Maria ist in der Zwischenzeit schwer krank. Da
die Krankheit psychosomatisch ist, fordern die Ärzte die Haftentlassung
der Mutter. Nun muss das Kind ins Krankenhaus und das Jugendamt empfiehlt
die Ruhigstellung durch Medikamente.
Im Jahre 2002 reisten die Eltern von Maria und David aus Armenien in die
Bundesrepublik ein, um einen Asylantrag zu stellen. Der Asylantrag wurde
abgelehnt und beide Eltern sind vollziehbar ausreisepflichtig. Da sie
keine Pässe hatten und somit nicht ausreisen konnten, wurden sie
geduldet.
In Deutschland kamen die beiden Kinder David und Maria zur Welt. Die
Familie lebt in Lemgo, in der Nähe von Detmold. Die Eltern durften nicht
arbeiten und bekamen für die ganze Familie nur etwas über 600 ¤ an
Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Aus lauter Verzweiflung
stahl die Mutter Lebensmittel und wurde deswegen zu einer Freiheitsstrafe
von 6 Monaten verurteilt. Das Gericht hatte von Anfang an vor, die Mutter
in den offenen Vollzug zu nehmen, damit sie sich um die Kinder kümmern
kann, dieses wurde jedoch abgelehnt. Auch nach der Verbüßung von 2/3 der
Haftzeit lässt sich die Ausländerbehörde nicht erweichen, so dass die
Mutter weiter in Haft bleibt.
Am 18.2.2010 plante die Ausländerbehörde Kreis Lippe die Abschiebung der
Familie. Hiervon wurde sie jedoch nicht vorher informiert. Als die
Ausländerbehörde vorfuhr, war der Vater und die Kinder nicht zu Hause.
Die Ausländerbehörde musste die Abschiebung abbrechen. Noch am gleichen
Tag meldete sich der Vater bei der Ausländerbehörde. Als er zusammen mit
den Kindern am 19.2.2010 seine Frau in der JVA besuchen wollte, wurde er
verhaftet und in die Abschiebehaftanstalt Büren verbracht.
Die beiden anwesenden Kinder mussten erleben, wie ihr Vater abgeführt
wurde. Sie waren bereits durch die Verhaftung der Mutter schwer
traumatisiert. Ohne dass die Kinder sich vom Vater verabschieden konnten,
wurden sie einfach einer anwesenden Bekannten der Familie übergeben.
David und Maria sind beide schwer krank. Maria, 3 Jahre, leidet unter
starken Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit. David verliert bereits im
Alter von 6 Jahren Haare und bekommt eine Glatze. Der behandelnde
Kinderarzt glaubt, dass die Erkrankung psychosomatisch verursacht ist und
empfiehlt dringend die Rückkehr der Mutter.
Nach der Verhaftung des Vaters wurden die Kinder in der Stadt Lemgo
abgemeldet, so dass eine weitere medizinische Behandlung nicht möglich
war, da das Sozialamt die Kostenübernahme verweigert hat. Auch das
Jugendamt fühlte sich erst nach massiven drängen seit gestern Zuständig.
Mehrere Ärzte empfehlen, dass das Kind stationär in ein Kinderkrankenhaus
aufgenommen werden soll. Da aber beide Kinder durch die Verhaftung der
Eltern vor ihren Augen schwer traumatisiert wurden, benötigen sie eine
ständige Beobachtung. Sie weinen den ganzen Tag, leiden an
Schlafstörungen und sind verwirrt. Die Bekannte der Familie, bei der sich
die Kinder aufhalten, versucht sich so gut wie möglich um die Kinder zu
kümmern. Sollte Maria ins Krankenhaus kommen, müsste sie bei Maria
bleiben, da diese sonst noch verstörter würde und sich überhaupt nicht
mehr beruhigen lassen würde. Auf der anderen Seite muss sie aber auch bei
David bleiben. Auch er ist vollkommen verstört und weint viel.
Als auf Intervention der Flüchtlingshilfe Lippe e.V. die Ausländerbehörde
des Kreises Lippe das Jugendamt der Stadt Bielefeld einschaltete, hatte
dieses die Idee, doch eines der Kinder einfach medikamentös
ruhigzustellen. "Das ist ein Skandal ohne Gleichen", so Frank Gockel von
der Flüchtlingshilfe Lippe e.V., "einfach ein Kind gegen den Willen der
Eltern Ruhigzustellen zu wollen, anstatt ein Elternteil aus der Haft zu
entlassen. Mir fehlen die Worte."
Der Vater der Kinder fordert die Abschiebung der gesamten Familie noch am
heutigen Tag um seine Kinder vor der Ruhigstellung zu schützen. Die
Ausländerbehörde lehnt dieses ab. Obwohl alle Papiere vorhanden sind,
will sie bis zum 9.3. warten.
Heute soll Maria nun durch das Jugendamt der Stadt Bielefeld einen Arzt
zwangsvorgeführt werden. Es ist damit zu rechnen, dass danach die
Einweisung von Maria in ein Krankenhaus erfolgt und sie ruhiggestellt
wird.
Die Flüchtlingshilfe Lippe e.V. fordert die sofortige Freilassung eines
Elternteiles, um die Gesundheit der dreijährigen Maria nicht weiter zu
gefährden.
Für Nachfragen steht Herr Frank Gockel unter der Telefonnummer 0171-
4759240 zu Verfügung.
Flüchtlingshilfe Lippe e.V.
Sachbearbeiter: Frank Gockel
Detmold: Friedrichstr. 15
32756 Detmold
Tel.: 0 52 31-4 58 91 51
Fax: 0 52 31-60 10 85
Gockel ät fluechtlingshilfe-lippe.de
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