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Frankfurter Rundschau, 28.10.09
"Atlas der Globalisierung"
Die Welt, wie sie nicht sein darf
Von Arno Widmann
Die lose beigelegte, mit der Hand gezeichnete Karte zeigt "Die Welt von
morgen". In der Mitte ein hauptsächlich grün gefärbtes Ei, das im Norden
ans sibirische Eismeer grenzt, im Süden hinter Indonesien endet, im
Westen Japan einschließt und im Osten Iran und das asiatische Russland.
Dieses "Asiatische Ei" beherbergt zwei Drittel der Weltbevölkerung. Und
mit China, dem asiatischen Russland und Indien auch alle Mächte von
morgen - mit Ausnahme Brasiliens.
Es ist gut, eine Weile auf diese Karte zu schauen. Sie verrückt die
Gewichte und unsere Weltanschauung. Und man muss sie ganz genau
betrachten: Neben den grünen Regionen, den neuen Mächten, gibt es die
braunen. Das sind die alten Mächte: USA, Kanada, Australien und Europa.
Und außerdem noch - in rotbraun - instabile Regionen. Die liegen
vorzugsweise in Afrika und im Nahen Osten.
Das ist eine sehr fragwürdige Einteilung. Ist das sibirische Russland,
sind China und Indien stabile Regionen? Eine Karte schafft
Eindeutigkeiten. Das ist ihr Vorteil und ihre Crux. Man muss sie zu lesen
verstehen, und man muss verstehen, sie nicht zu lesen.
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