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PRESSEMITTEILUNG von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Niedersächsischen Landtag
NR. 83
Datum: 4. März 2010
Atomindustrie wäscht ihre Hände in Unschuld
Als "unglaubwürdigen Zeugen" hat der Fraktionsvorsitzende der
Landtagsgrünen Stefan Wenzel den ehemaligen Spitzenmanager des
Stromkonzerns EON Hans-Dieter Harig nach der heutigen (Donnerstag)
Befragung im Asse-Untersuchungsausschuss bezeichnet. Wenn Herr Harig
behaupte, dass man von kritischen Situationen in der Asse keine Kenntnis
gehabt habe, sei das "nicht nachvollziehbar". Nach den Grundsätzen zur
Entsorgungsvorsorge für Kernkraftwerke, die Bestandteil der
Betriebsgenehmigungen für alle deutschen Atomkraftwerke sind, mussten die
Stromkonzerne den Genehmigungsbehörden "in angemessenen zeitlichen
Abständen" über Veränderungen beim Entsorgungskonzept für abgebrannte
Brennelemente berichten, sagte der Grünen-Politiker. Zu diesem Konzept
gehörten neben den Wiederaufarbeitungsverträgen mit England und
Frankreich die Zwischenlager, die für Gorleben relevanten
Forschungsarbeiten in der Asse und die Entwicklung in Gorleben selbst.
Als Vorstandsvorsitzendem der Preussen Elektra hätte Herrn Harig nicht
entgangen sein können, dass zentrale, für Gorleben relevante Versuche in
der Asse abgebrochen wurden, das Institut für Tieflagerung der GSF
aufgelöst wurde und damit wichtige Rahmenbedingungen verändert wurden.
Wenzel: "Damals musste auch der Entsorgungsvorsorgenachweis für deutsche
Atomkraftwerke verändert werden." Es sei davon auszugehen, dass diese
Fragen auch im Kreis der Vorstandsvorsitzenden der Atomkraftwerke
betreibenden Unternehmen beraten wurde, und dass Harig daran
teilgenommen habe. Zudem sei dessen ehemaliger Vorstands-Kollege
Hohlefelder als Ex-Abteilungsleiter im BMU ein intimer Kenner der
Materie.
Die heutige Befragung habe gezeigt, dass im Kreis der
Vorstandsvorsitzenden der Atomkonzerne auch die Wiederaufnahme der
Öffentlichkeitsarbeit in der Asse diskutiert wurde. Die Wiederaufnahme
des Besucherverkehrs sollte Bestandteil einer Kampagne zur Kernenergie
sein und wurde von den Konzernen mit 200.000 DM jährlich unterstützt.
Zuvor habe es offenbar direkte Abstimmungen zwischen Atomindustrie und
Herrn Kühn, dem Leiter der Asse gegeben.
Bündnis90/DIE GRÜNEN
im Landtag Niedersachsen
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