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Afghanistan: ROG erleichtert über Freilassung von Sayed Perwiz
Kambachsch
Berlin (ots) - Mit großer Freude hat Reporter ohne Grenzen (ROG)
die Nachricht von der Freilassung des jungen afghanischen
Journalisten Sayed Perwiz Kambachsch aufgenommen. Kambachsch war
wegen angeblicher Blasphemie zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt
worden. Der Anwalt des Journalisten bestätigte am 7. September die
Entlassung Kambachschs, nachdem vor einigen Wochen Präsident Hamid
Karsai die Begnadigung des Journalisten unterzeichnet hatte.
"Wir begrüßen mit großer Freude die Freilassung von Sayed Perwiz
Kambachsch. Nach fast zwei Jahren Haft erhält Kambachsch endlich die
Chance, sein Leben wieder neu aufzubauen. Wir bedanken uns bei all
denen, die nicht aufgehört haben, Kambachschs Unschuld zu verteidigen
und sich für seine Entlassung eingesetzt haben", so
ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard.
Weltweit haben sich zahlreiche Medien und Regierungen für die
Freilassung Kambachschs engagiert. ROG hatte eine
Unterschriftenkampagne zur Entlassung des Journalisten gestartet: In
einer Petition appellierte die Organisation zur Verteidigung der
Pressefreiheit an Präsident Hamid Karsai, von seinem
Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen und Kambachsch unverzüglich frei
zu lassen.
"Der Fall Kambachsch ist ein mahnendes Beispiel für juristisches
Fehlverhalten und religiöse Intoleranz. Er legt die Inkompetenz einer
Reihe hoher Beamter offen - genauso wie von Polizei- und
Sicherheitskräften, die brutal gegen den Journalisten vorgegangen
sind. Der Fall sollte die afghanischen Behörden dazu bewegen, den
Straftatbestand der 'Blasphemie' nicht mehr länger zu politisieren:
Artikel 130 der afghanischen Verfassung darf nicht mehr dazu
missbraucht werden, das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit
einzuschränken", fordert Julliard.
Kambachsch arbeitete neben seinem Journalistik-Studium als
Reporter für die Tageszeitung "Jahan-e-Naw" ("Die neue Welt"). Er war
am 27. Oktober 2007 festgenommen worden, weil er angeblich
blasphemische und den Islam verleumdende Äußerungen verbreitet hatte.
Nach Informationen von ROG hat Kambachsch jedoch lediglich einen
Artikel über die Rolle der Frau im Koran aus dem Internet
heruntergeladen - in Übereinstimmung mit dem Recht auf
Meinungsfreiheit, das in der afghanischen Verfassung festgeschrieben
ist.
Nach der Festnahme Kambachschs verurteilte ein Gericht in Masar-i
Scharif den Journalisten am 22. Januar 2008 zunächst zum Tode. Die
Richter standen offenbar unter massivem Druck durch den Rat der
Mullahs sowie Beamte vor Ort. Sicherheitskräfte folterten Kambachsch,
um ihn zu einem Geständnis zu bewegen. Ein Berufungsgericht in Kabul
hat das Todesurteil am 21. Oktober 2008 in eine 20-jährige
Gefängnisstrafe umgewandelt. Auch dieses Verfahren war von
Unregelmäßigkeiten geprägt. Die Verteidigung durfte keine Zeugen
einberufen. Das Gericht vernahm ausschließlich Zeugen der
Staatsanwaltschaft.
Nach seiner Freilasung hält sich Kambachsch nun im Ausland auf -
zum Schutz vor weiteren Repressionen und Drohungen.
Originaltext: Reporter ohne Grenzen e.V.
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