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Rezension: "Uran fuer Moskau" - Die Geschichte der Wismut AG

Uran für Moskau

Die Geschichte der Wismut AG

Auch 20 Jahre nach Tschernobyl will die Debatte um die Nutzung der Atomenergie kein Ende nehmen. Von den Befürwortern konsequent ausgespart wird dabei das Schicksal derjenigen, die vom Uranabbau betroffen sind, damals wie heute. Ob in Namibia, Australien oder den USA - überall leiden vor allem indigene Völker und Bergarbeiter unter den Folgen der Urangewinnung. Doch warum in die Ferne schweifen? Rainer Karlsch dokumentiert in seinem Buch "Uran für Moskau" die Geschichte des Uranabbaus in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Anschaulich beschreibt er, unter welchen Bedingungen der Abbau des Erzes erfolgte.

Die 1947 gegründete spätere SDAG Wismut war Ende der 1960er-Jahre der drittgrößte Uranproduzent der Welt. Landschaften und Siedlungen, darunter die zwei Bergstädte Johanngeorgenstadt und Schlema, wurden rücksichtslos dem Bergbau geopfert, tausende Bergleute erkrankten an Lungenkrebs und Silikose. In die Sanierung der Altlasten flossen bis 2006 rund 6,5 Milliarden Euro.

Erschreckend ist auch, welche Blüten der Fortschrittsglaube auf dem Weg ins Atomzeitalter trieb: So wurden die Uranerze zum Färben von Glas verwendet, als man noch nichts über die Radioaktivität wissen konnte. Anfang des 20. Jahrhunderts blühte das Geschäft mit Radiumpräparaten. Der strahlende Stoff wurde als Hausmittel gegen rheumatische Erkrankungen und Nervenentzündungen angepriesen und sogar Shampoos und Kosmetikprodukten beigemischt. Die radioaktive Zahnpasta "Doramad" sollte der Mundhygiene auf die Sprünge helfen und eine Mischung aus Radium und Thorium wurde sogar als Getränk verkauft. Man erinnert sich beim Lesen des Buches an manch neuzeitliche Wunderzusätze im Lebensmittelbereich, die, wie zu hoffen ist, nicht annähernd so gesundheitsschädlich sein mögen.

Indem es die Langzeitfolgen des Uranabbaus für Menschen und Umwelt und die wirtschaftlichen Konsequenzen der Urangewinnung erlebbar macht, leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur anhaltenden Diskussion über die Zukunft der Atomenergie.

László Maráz

Rainer Karlsch: Uran für Moskau.
Die Wismut - Eine populäre Geschichte
Ch. Links Verlag, Berlin 2008
276 Seiten, 29,90 Euro
ISBN 978-3-86153-427-3

02.07.09    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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