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Ein Vogelparadies entsteht
Renaturierung von Ruhlsee und Kinzig im Main-Kinzig-Kreis in Hessen
Endlich: Nach fast 15 Jahren ist es nun so weit! Ab Mai 2009 entsteht in der Langenselbolder Kinzigaue am Rande des Naturparks Spessart aus der strukturell stark beeinträchtigten Kinzig ein naturnahes Fließgewässer und aus einem Baggersee ein neuer Vogelschutzsee. Obwohl seit langem Naturschutz- und FFH-Gebiet, ist die "Kinzigaue von Langenselbold" bis heute eine eher steril wirkende Landschaft. Gäbe es da nicht die vielen Spaziergänger mit ihren Hunden, wären der 17 Hektar große, ehemalige Baggersee - in den 1970er-Jahren Kiesentnahmestelle für den Bau der A 45 und der A 66 - und sein Umfeld fast unbelebt. Das dem nicht so ist, belegen unter anderem die Ergebnisse der jährlichen Wasservogelzählungen, die - zumindest zur Zugzeit - auf eine artenreiche Vogelwelt hinweisen. Entlang der Kinzig, die im nahen Hanau in den Main mündet, finden sich seit einigen Jahren Spuren des Bibers. Auch der Schwarzmilan brütete schon im nahe gelegenen Wald, der Rotmilan ist gelegentlicher Nahrungsgast, auf dem angrenzenden Feuchtgrünland jagt der Weißstorch, rasten Graugänse und Wiesenbrüter, und zur Zugzeit im September schaut auch mal ein Fischadler vorbei.
Viel Überzeugungsarbeit
Viele Gespräche waren nötig, viel Überzeugungsarbeit musste geleistet werden, bis man sich schließlich einig war: Aus dem Ruhlsee soll langfristig ein ökologisch wertvolles Gebiet mit umfassenden Funktionen für die gesamte Fauna eines Stillgewässers werden. Ebenso soll der Ruhlsee zahlreichen feuchtlandgebundenen Vogelarten als sicherer Trittstein und als Rastgebiet bei ihren Frühjahrs- und Herbstwanderungen dienen. Eine Schlamminsel wird Nahrungshabitat für Watvögel (Limikolen) und eine etwa 3 Hektar große Flachwasserzone am Südufer des Ruhlsees mit Schilf- und Röhrichtgürtel wird - ebenso wie mehrere kleinere, am Nordufer des Ruhlsees geplante Flachwasserzonen - Brutgebiet für viele Vogelarten. Das gesamte Areal soll durch einen Ringgraben entlang des nördlichen Ruhlseeufers sowie durch einen Wegseitengraben als Sperre für freilaufende Hunde stark beruhigt werden.
Störsteine und Totholz
Seit 2006 nahm man sich auch verstärkt der Kinzig an - immerhin im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ein Vorranggewässer, das sich bis 2015 in einem guten ökologischen Zustand befinden muss - und erarbeitete Maßnahmen, die die natürliche Gewässerdynamik und naturraumtypische Gewässerstrukturen fördern. Letzteres erreicht man unter anderem durch den Einbau von Störsteinen, Buhnen, Geschiebe und durch Totholz, das zur unverzichtbaren Grundausstattung eines Fließgewässers gehört, da es eine Reihe morphologischer und biologischer Funktionen erfüllt.
Ein Millionenprojekt
Für die Renaturierungsmaßnahme in der Kinzigaue wird mit Investitionskosten in Höhe von 917.000 Euro gerechnet, wovon das Land Hessen aus seinem Förderprogramm "Naturnahe Fließgewässer" den Großanteil übernimmt. Die Stadt Langenselbold finanziert den Restbetrag nahezu vollständig durch die Bereitstellung von eigenen Grundstücken. Weitere Mittel in der Größenordnung von etwa 930.000 Euro steuert das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Gelnhausen für die Maßnahmen am Ruhlsee bei. Der Arbeitskreis Main-Kinzig ist sehr zuversichtlich, dass der Ruhlsee, die ihn umgebende Kinzigaue und die Kinzig selbst schon bald nach der Realisierung der Naturschutzmaßnahmen wieder Refugium und Lebensraum einer Vielzahl seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten wird.
Günter Knackfuß
Kontakt:
Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung, Rodenbach
Tel.: 06184 / 56160
www.gna-ev.de
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 09
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