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Von Alex Callinicos
UNTERSCHIEDLICHE WEGE
Die Geschicke der radikalen Linken divergieren seit einigen Jahren sehr
stark. Das wichtigste Negativbeispiel lieferte Italiens Partito della
Rifondazione Comunista. Jene Partei, die Genua und Florenz so sehr geprägt
hatte, bog nach 2004 nach rechts ab und trat in die Mitte-Links-Regierung
von Romano Prodi ein, die für kurze Zeit, zwischen 2006 und 2008, im Amt
war. PRC-Abgeordnete und Senatoren stimmten für Prodis neoliberales
Wirtschaftsprogramm und für die Beteiligung italienischer Truppen an der
Besetzung Afghanistans und an der UN-"Friedensmission" im Libanon. Dafür
wurden sie bei den Parlamentswahlen im April 2008 mit dem Verlust aller
Mandate bestraft.
Auch anderswo hat die radikale Linke Rückschläge erlitten. Die erste
schottische Sozialistische Partei, und danach Respect, spalteten sich, und
als die rivalisierenden Fragmente dann gegeneinander kandidierten, erzielten
sie, wie vorauszusehen war, ganz mickrige Ergebnisse. [1] Die dänische
Rot-Grüne Allianz verlor zwei ihrer sechs Sitze bei den Parlamentswahlen im
November 2007.
Glücklicherweise gibt es auch positivere Entwicklungen. Die spannendste war
die Initiative der französischen Ligue Communiste Révolutionnaire zur
Gründung einer Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA). /DIE LINK/ in
Deutschland -- ein Ergebnis des Zusammenkommens dissidenter Sozialdemokraten
in den westlichen Bundesländern mit der Partei des Demokratischen
Sozialismus (PDS), Erbin der alten herrschenden Partei der DDR -- hatte
ihren Gründungskongress im Juni 2007. Es gelingt ihr nach wie vor, Teile der
SPD-Wählerbasis für sich zu gewinnen.
Und sogar in Italien, wo der Zusammenbruch der radikalen Linken die
katastrophalsten Ausmaße annahm, ist der Trend nicht durchgängig negativ.
Als Reaktion auf das Wahldebakel bewegte sich die PRC auf ihrem
Bundeskongress im Juli 2008 nach links. Bertinotti und seine Verbündeten
wurden von einer Koalition linker Strömungen, angeführt von Paolo Ferrero,
geschlagen. Die Delegierten, die auf gut besuchten Versammlungen mit
insgesamt 40 000 TeilnehmerInnen mandatiert wurden, verabschiedeten ein
Schlussdokument, das "einen Linksruck" fordert und das Ende der "organischen
Zusammenarbeit [mit der Mitte-Links-gerichteten Demokratischen Partei] bei
der Regierung des Landes" verkündet.
DER PRIMAT DER POLITIK
Es ist dennoch der Fall, dass das noch vor wenigen Jahren vorherrschende
Gefühl, Teil einer breiten, vorpreschenden Bewegung zu sein, einem Gefühl
des Auseinandergehens gewichen ist. Warum diese Veränderung? Um diese Frage
zu beantworten, müssen wir die treibenden Kräfte hinter dem Aufstieg vor
allem der europäischen radikalen Linken verstehen. Wir können zwei
Hauptkoordinaten ausmachen. Erstens die Entstehung eines Massenwiderstandes
gegen Neoliberalismus und Krieg, beginnend mit den Streiks im Öffentlichen
Dienst in Frankreich im Jahr 1995 und durch Seattle neu beflügelt. Zweitens
die Erfahrungen mit dem Sozialliberalismus: sozialdemokratische Regierungen,
die in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre auf einer Welle der allgemeinen
Ablehnung des Neoliberalismus überall in Europa ins Amt gewählt wurden und
dann selbst die neoliberale Politik fortsetzten -- und mancherorts sogar
weiter gingen, als es ihre Vorgänger wagten, wie New Labour unter Tony Blair
in Großbritannien und die rot-grüne Koalition unter Schröder in Deutschland.
Die Rechtsentwicklung der Mainstream-Sozialdemokratie schuf neuen Raum zu
ihrer Linken. Gleichzeitig erzeugte der Neuaufschwung der Kämpfe einen
Druck, diesen Raum zu füllen. Verschiedene politische Gebilde mit sehr
unterschiedlicher Vergangenheit und Traditionen nahmen es auf sich, diesen
Raum einzunehmen. In der Regel taten sie dies nicht auf der Grundlage eines
explizit revolutionären Programms. In manchen Fällen handelte es sich um
eine taktische Wendung von Organisationen der radikalen Linken, um neue
Verbündete und eine größere Zuhörerschaft zu gewinnen. Aber in vielen Fällen
waren die Anführer der neuen Formationen selbst Reformisten, die das Ziel
verfolgten, eine "authentischere" Sozialdemokratie neu zu beleben, nachdem
diese in ihren Augen von Blair, Schröder und Co. korrumpiert worden war.
Die Entstehung dieser radikalen Linken war eine sehr positive Entwicklung
und von enormer Tragweite. Sie bot die Gelegenheit für eine Neuformierung
der Linken auf einer wesentlich prinzipienfesteren Basis als die, die die
sozialdemokratischen und stalinistischen Parteien noch in ihrer Blütezeit
boten. Dieser positive Schritt brachte allerdings spezifische Probleme mit
sich. Die Politik hat ihre eigenen Gesetzesmäßigkeiten, die alle in den Sog
ihrer Unwägbarkeiten und Abhängigkeiten zieht, die sich auf dieses Feld
begeben.
Nach einer Anfangszeit der Vorwärtsbewegung, etwa zwischen 1998 und 2005,
stellte sich den verschiedenen radikalen Formationen die Frage "Wie weiter?"
in einer mittlerweile weniger günstigen Umgebung -- beispielsweise, weil die
Welle der Massenproteste gegen den Irakkrieg zurückging. Die Bewegung um
eine andere Welt sah sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert, auf die sie
keine effektive Antwort finden konnte und sich seitdem stark im Abschwung
befindet.
Die Antworten der radikalen linken Formationen wurden natürlich durch die in
ihnen vorherrschenden politischen Kräfte geprägt. Diese entpuppten sich im
Fall zweier Schlüsselfiguren -- Fausto Bertinotti in Italien und George
Galloway in England -- als ein nach rechts driftender Reformismus.
Auf den Niedergang der Sozialforen, die sich nach Genoa in ganz Italien
verbreitet hatten und die Mobilisierung für Florenz und die
Antikriegsproteste sehr wesentlich vorangetrieben hatten, reagierte
Bertinotti mit einer erneuten Wendung hin zum Linkszentrum -- mit den
katastrophalen Konsequenzen, die wir bereits erwähnten.
Im Fall Galloways und seiner Umgebung addierten sich der Niedergang der
Antikriegsbewegung nach ihrem Höhepunkt im Jahr 2003 und der Pessimismus
bezüglich der Fähigkeit der Arbeiterbewegung, die Angriffe von New Labour
und der Bosse effektiv abzuwehren, zu der Schlussfolgerung, dass Respect nur
dann eine Zukunft habe, wenn es Bündnisse mit muslimischen Würdenträgern vor
Ort einginge, die Wählerstimmen einfahren könnten. Dieses Kalkül -- und die
Spaltung, die es verursachte -- waren aber selbst von einer Wiederannäherung
Galloways an New Labour überlagert. Diese drückte sich zunächst in seiner
Unterstützung für Ken Livingstones erfolglose Kampagne zur Wiederwahl als
Londoner Oberbürgermeister im Mai 2008 aus und dann in seinem Beistand für
die schwer belagerte Regierung Gordon Browns während der Nachwahlen in
Glasgow im Juli desselben Jahres, als ein Kandidat des Blair-Lagers durch
eine massive Wählerabwanderung zur Schottischen Nationalpartei geschlagen
wurde.
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DEBATTE MIT ALEX CALLINICOS
Im Herbst 2008 erschien in der von der britischen "Socialist Workers Party"
(SWP) herausgegebenen, vierteljährlich erscheinenden und international
vertriebenen Theoriezeitschrift /International Socialism/ ein langer Artikel
von Alex Callinicos über unterschiedliche Entwicklungen der radikalen Linken
in Westeuropa. [2] Alex Callinicos ist Professor für Europäische Studien am
King's College in London und Mitglied des Zentralkomitees der SWP und gilt
als der führende Kopf der "International Socialist Tendency" (IST). [3]
Fünf Jahre vorher, Anfang 2003, hatte er in einem von der australischen
Democratic Socialist Party herausgegebenen Heft einen ähnlichen Überblick
über die "Europe's new lefts" (die neuen Linken in Europa) gegeben. [4]
Dieser Beitrag diskutiert vor dem Hintergrund von realen Rückschlägen und
realen Schritten nach vorn in verschiedenen Ländern, also unterschiedlichen
Erfahrungen das Verhältnis der radikalen zur reformistischen Linken, die
Rolle von revolutionären MarxistInnen in breiteren antikapitalistischen
Formationen und die politisch-organisatorischen Schlussfolgerungen aus der
Analyse der Entwicklungen in der (west-) europäischen Arbeiterbewegung und
Linken, des Reformismus und des Phänomens "Antikapitalismus" (für einen
Bruch mit den bestehenden Verhältnissen, aber Unklarheiten bzw.
Meinungsverschiedenheiten über das Wie). Die Analyse und Positionsbestimmung
von Alex Callinicos hat eine Debatte ausgelöst, die international geführt
worden ist und auch im deutschsprachigen Raum Beachtung verdient.
In der darauf folgenden Ausgabe von /International Socialism/ erschienen
zwei Antworten: Die erste stammt von François Sabado [5], Mitglied im Büro
der IV. Internationale und damals in der Leitung der französischen LCR, die
zweite von Panos Garganos [6], dem leitenden Redakteur der Zeitung /Ergatiki
Allilengiï/ (Arbeitersolidarität) und Mitglied der Leitung der griechischen
Organisation, der "Sosialistiko Ergatiko Komma" (SEK, Sozialistische
Arbeiterpartei), der bedeutendsten Organisation der IST nach der SWP. [7]
Alan Thornett [8], Mitglied des Internationalen Komitees der
IV. Internationale, der Leitung der britischen Sektion und im "National
Council" von Respect, veröffentlichte auf der Webseite "International
Viewpoint" eine Kritik an Alex Callinicos' Darstellung und Analyse der
Spaltung von Respect im Herbst 2007. [9] Alex Callinicos hat in
/International Socialism/ vom Frühjahr 2009 mit einem längeren Artikel über
"revolutionäre Wege" auf die Beiträge von François Sabado und Panos Garganos
geantwortet. [10]
In der letzten Ausgabe von /Critique communiste/, der theoretischen
Zeitschrift der LCR (die mit der Auflösung der LCR zugunsten der NPA
eingestellt worden ist), erschien eine Übersetzung einer von Alex Callinicos
selber gekürzten Fassung seines ursprünglichen Artikels ins
Französische [11], zusammen mit der Antwort, in der François Sabado auf die
NPA eingeht [12].
Wir veröffentlichen hier eine Übersetzung dieser gekürzten Fassung des
ersten Artikels von Alex Callinicos sowie eine Übersetzung der Kritik von
Alan Thornett. Eine Übersetzung des Beitrags von François Sabado folgt in
der nächsten Ausgabe von /Inprekorr/. Wir bedanken uns bei Alex Callinicos
für die Genehmigung zur Veröffentlichung seines Texts und bei dem Genossen
des Netzwerk marx21, der die Übersetzung aus dem Englischen angefertigt hat.
Andernorts hat das politische Spiel -- bisher -- günstigere Ergebnisse
erbracht. Inmitten des allgemeinen Wirrwars auf der französischen Linken
ergriff die Mehrheit der LCR-Führung die Initiative, indem sie Olivier
Besancenot zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen im
April 2007 antreten ließ und dann seinen relativen Wahlerfolg nutzte, um die
NPA zu starten.
/DIE LINKE/ ist eine wesentlich stärker reformistisch geprägte Organisation,
als sich die LCR das jemals hätte vorstellen können. Dennoch beherbergt sie
zwei Tendenzen, die miteinander wetteifern -- den zahlenmäßig bedeutenden
und im Apparat stark vertretenen rechten Flügel, der sich im wesentlichen
aus der Exführung der PDS rekrutiert, und den eher linksreformistischen
Flügel um Ex-SPD-Funktionäre, die sich um die Figur von Oskar Lafontaine
gruppieren und das Projekt des Wiederaufbaus der deutschen Sozialdemokratie
auf einer linkeren Basis verfolgen.
WELCHER PARTEITYP?
Die jüngsten Fortschritte DER LINKEN und der LCR machen deutlich, dass die
Ausgangsbedingungen für einen anfänglichen Erfolg der radikalen Linken nach
wie vor vorhanden sind. Aber die Erfahrungen der PRC und von Respect zeigen
die Gefahren auf, denen solche Gebilde ausgesetzt sind. Wie sollte mit
diesen Gefahren am besten umgegangen werden? Die Antwort der LCR ist
besonders interessant, denn sie stellt den bewussten Versuch dar, nicht dem
Negativbeispiel der linkszentristischen Regierungen Italiens, aber auch
Frankreichs und Brasiliens, zu folgen.
Der Vorsatz, eine solche Situation zu vermeiden, in der die radikale Linke
in eine sozialliberale Koalition integrierbar wäre, prägte die Haltung der
LCR-Mehrheit angesichts des Vorhabens, die Basisinitiativen der
Nein-Kampagne zur EU-Verfassung im Jahr 2005 als Startrampe für einen
"antiliberalen" Einheitskandidaten zu den Präsidentschaftswahlen von 2007 zu
verwenden. Die Skepsis, die die LCR bezüglich der Chancen einer gemeinsamen
antiliberalen Kandidatur an den Tag legte, verleitete sie zu einer negativen
und streckenweise ultimatistischen Haltung den Kollektiven gegenüber, womit
sie sich zeitweise isolierte. Das Verhalten José Bovés während der
Präsidentschaftskampagne gab ihr im Nachhinein aber zumindest teilweise
Recht.
Genau um diese Gefahr zu bannen, besteht die LCR darauf, dass die neue
Partei antikapitalistisch sein muss, und nicht nur gegen den
Neoliberalismus. Sie solle "eine Partei für die revolutionäre Umgestaltung
der Gesellschaft" sein, allerdings noch keine revolutionäre Partei im Sinne
der klassischen marxistischen Tradition. Jene Tradition, auf die Erfahrungen
der russischen Oktoberrevolution von 1917 und die ersten Jahre der
Kommunistischen Internationale (1919--1924) aufbauend, geht davon aus, dass
die sozialistische Revolution eine ganz spezifische Form annimmt:
Massenstreiks, die Entstehung einer Doppelherrschaft basierend auf den
Institutionen der Arbeiterdemokratie gegen den bestehenden kapitalistischen
Staat, einen bewaffneten Aufstand, der die Vorherrschaft der Arbeiterräte
sichert, als Lösung dieser Krise, und -- als roten Faden im ganzen Geschehen
-- die Herausbildung einer revolutionären Massenpartei mit mehrheitlicher
Unterstützung durch die Arbeiterklasse.
Die LCR ist der Meinung, dass sich die NPA zu einem solchen Verständnis von
der Revolution nicht verpflichten müsse, sondern lediglich die Notwendigkeit
"eines Bruchs mit dem Kapitalismus" anerkennen sollte. Diese Vorstellung
klingt zunächst vage, ihre politische Signifikanz liegt aber darin, was sie
ausschließt. Denn die LCR argumentiert, vollkommen zu Recht, dass es nicht
ausreicht, den Neoliberalismus bloß als Maßnahmenpaket abzulehnen, vielmehr
muss der Kapitalismus als /System/ bekämpft werden. Wenn man diese
Unterscheidung nicht trifft, läuft man Gefahr, sich an
Mitte-Links-Regierungen zu beteiligen, in der Hoffnung (meistens eine
Illusion), damit eine mildere Politik umzusetzen.
Vieles spricht für das Konzept der LCR in Bezug auf die NPA. Die Erfahrungen
des 20. Jahrhunderts zeigen sehr deutlich, dass es in den fortgeschrittenen
kapitalistischen Ländern unmöglich ist, eine revolutionäre Massenpartei
aufzubauen, ohne die Vorherrschaft der Sozialdemokratie in der organisierten
Arbeiterbewegung zu brechen. Zur Zeit der russischen Revolution konnten
viele europäische kommunistische Parteien erste Schritte in diese Richtung
tun, indem sie sozialdemokratische Parteien spalteten und eine bedeutende
Anzahl von zuvor reformistischen ArbeiterInnen direkt für das revolutionäre
Programm der Kommunistischen Internationale gewannen. Der Oktober 1917 hatte
eine enorme Anziehungskraft auf alle in der ganzen Welt, die die Bosse und
den Imperialismus bekämpfen wollten.
Wegen den Erfahrung mit dem Stalinismus ist heute tragischerweise genau das
Gegenteil der Fall. Der Sozialliberalismus stößt zwar immer mehr arbeitende
Menschen ab, aber ihre unmittelbare Reaktion darauf ist die Suche nach einer
genuineren Ausgabe des Reformismus, die ihnen ihre gestandenen Parteien
einst versprochen hatten. Wenn die neuen Organisationen der radikalen Linken
für diese Flüchtlinge aus der Sozialdemokratie bewohnbar sein sollen, dann
darf deren Programmatik eine solche Debatte zwischen Reform und Revolution
nicht für beendet erklären, indem von revolutionären MarxistInnen
entwickelte strategische Konzepte einfach aufgenommen werden.
Das Navigieren zwischen der Skylla des Opportunismus und der Charybdis des
Sektierertums ist nie einfach. Zum einen lässt sich nicht immer eine klare
Linie zwischen Antiliberalismus und Antikapitalismus ziehen. Wenn der
Antikapitalismus mit den Worten der LCR "unvollständige strategische
Umrisse" meint, also das /Wie/ des zu erzielenden "Bruchs mit dem
Kapitalismus" offen lässt, bleibt viel Raum für Debatten darüber, welche
konkreten Schritte notwendig sind. Es gibt durchaus respektable
linksreformistische Strategien für einen Bruch mit dem Kapitalismus, denen
das Recht wohl zustehen würde, in diesen Debatten Gehör zu finden. Aber
zwischen ihren Strategien und anderen Vorschlägen, den Neoliberalismus und
nicht den Kapitalismus selbst zu treffen, verlaufen die Grenzen fließend.
Und während die LCR vollkommen Recht hat, jegliche Beteiligung an einer
Mitte-Links-Regierung aus Prinzip abzulehnen, kann sie nicht garantieren,
dass alle, die sich von der NPA angezogen fühlen, diese Haltung teilen
werden. Viele werden sich vielmehr Besancenot in der Regierung wünschen. In
einer Umfrage im August 2008 sprachen sich 18 Prozent dafür aus, dass die
Sozialistische Partei zu einer Übereinkunft mit ihm gelangen sollte. [13]
DIE ROLLE VON REVOLUTIONÄREN
Das Grundproblem ist, dass es eben der Bruch im Reformismus ist, der der
radikalen Linken eine neue Öffnung geboten hat. Die Frage, die sich stellt,
ist daher: Wie kann sie weiterhin Menschen mit reformistischem Hintergrund
anziehen und zugleich alle Varianten des Verrat des Reformismus -- in
konzentrierter Form von Bertinottis Laufbahn nachgezeichnet -- vermeiden?
Die LCR scheint in einer Art programmatischem Vorhängeschloss eine Lösung zu
sehen: die Selbstverpflichtung zum Antikapitalismus und Ablehnung von
Mitte-Links-Regierungen. Das wird aber so kaum funktionieren. Denn je
erfolgreicher die NPA ist, desto wahrscheinlicher wird sie unter
reformistischen Druck und in Versuchung geraten.
Als sie sich an der Neugruppierung der Linken Anfang dieses Jahrzehnts
beteiligte, entwickelte die Socialist Workers Party ihr eigenes Konzept vom
Wesen der neu entstehenden Formationen der radikalen Linken. Sie wurde von
John Rees mit folgenden Worten zusammengefasst: "Die Socialist Alliance
[Vorgängerin von Respect] können wir daher am besten als eine Einheitsfront
der besonderen Art auf dem Feld von Wahlkämpfen verstehen. Sie bedeutet den
Versuch, linke reformistische AktivistInnen und RevolutionärInnen in einer
gemeinsamen Kampagne um ein Minimalprogramm zu vereinen." [14] Es ist ein
großes Glück, dass wir uns weigerten, die SWP aufzulösen, denn dann hätte
die Krise in Respect nicht nur das zeitweise Verschwinden einer sichtbaren
Wahlalternative der radikalen Linken in Großbritannien bedeutet, sondern
eine viel tiefere Fragmentierung und Schwächung der organisierten
sozialistischen Linken überhaupt.
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ARTIKEL IN CHRONOLOGISCHER REIHENFOLGE
Callinicos, Alex: "Regroupment and the Socialist Left Today", in: /Links./
International Journal of Socialist Renewal, Broadway, New South Wales,
Nr. 23, Januar-April 2003 (Challenges in Uniting the Left), S. 58--73.
Callinicos, Alex: "Sozialistische Linke und Umgruppierung heute" (aus dem
Englischen übersetzt von Hans-Günter Mull), in: /Sozialistische Hefte/ für
Theorie und Praxis, Köln, [Nr.] 5, Dezember 2003, S. 19--26.
Zuerst veröffentlicht unter dem Titel "Regroupment and the Socialist Left
Today" in /Links./ International Journal of Socialist Renewal, Broadway, New
South Wales,Nr. 23, Januar-April 2003.
Duval, François: "Respect
gespalten"[http://inprekorr.de/436-respect-duv.htm] (aus dem Französischen
übersetzt von MiWe), in: /Inprekorr -- Internationale Pressekorrespondenz,/
Köln, Nr. 436/437[http://inprekorr.de/ipk436.htm], März/April 2008, S. 7.
Harman, Chris: "The Crisis in Respect", in: /International Socialism,/
London,
Nr. 117[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/index.php4?id=396], Winter
2008, S. 25--47.
Harman, Chris: "Krise in Respect"[http://inprekorr.de/436-respect-har.htm]
(aus dem Englischen übersetzt von Björn Mertens), in: /Inprekorr --
Internationale Pressekorrespondenz,/ Köln, Nr. 436/437, März/April 2008,
S. 7--13.
Thornett, Alan: "The SWP's ever-increasing welter of allegations and
distortions. A Reply to Chris Harman on
Respect"[http://inprekorr.de/http://www.internationalviewpoint.org/spip.php?
article1407], in: /International Viewpoint/, Nr. 396, Januar 2008.
Thornett, Alan: "Ein Wirrwarr an Vorwürfen und Verfälschungen -- Antwort auf
Chris Harman"[http://inprekorr.de/436-respect-tho.htm] (aus dem Englischen
übersetzt von Björn Mertens), in: /Inprekorr -- Internationale
Pressekorrespondenz,/ Köln, Nr. 436/437[http://inprekorr.de/ipk436.htm],
März/April 2008, S. 14--19.
Callinicos, Alex: "Where is the Radical Left Going?" in: /International
Socialism,/ London,
Nr. 120[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/?id=484], Herbst 2008,
S. 91--111.
Thornett, Alan: "A reply to Alex Callinicos on Respect. Rationalising the
end of eight years of SWP openness, and John
Rees'[http://inprekorr.de/http://www.internationalviewpoint.org/spip.php?art
icle1579] reign", IV Online magazine: IV407 - December 2008.
Sabado, François: "Building the New Anti-capitalist Party" in:
/International Socialism,/ London,
Nr. 121[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/index.php4?id=512&issue=12
1], Winter 2009, S. 143--152.
Garganos, Panos: "The Radical Left: A Richer Mix" in: /International
Socialism,/ London,
Nr. 121[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/index.php4?id=513&issue=12
1], Winter 2009, S. 153--156.
Callinicos, Alex: "Où va la gauche radicale" (aus dem Englischen übersetzt
von Sylvestre Jaffard), in: /Critique communiste./ Revue de la Ligue
communiste révolutionnaire (section française de la IVe Internationale),
Montreuil-sous-Bois, Nr. 189, Januar 2009, S. 12--21.
Sabado, François: "Le NPA, une expérience inédite de construction d'un parti
anticapitaliste (réponse à l'article d'Alex Callinicos)", in: /Critique
communiste./ Revue de la Ligue communiste révolutionnaire (section française
de la IVe Internationale), Montreuil-sous-Bois, Nr. 189, Januar 2009,
S. 22--31.
Callinicos, Alex: "Revolutionary paths: a reply to Panos Garganas and
François Sabado", in: /International Socialism,/ London,
Nr. 122[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/index.php4?id=538&issue=12
2], Frühjahr 2009, S. 173--184.
Die Vorstellung, dass die NPA als Einheitsfront der besonderen Art
verstanden werden sollte, wurde neulich von einem der zentralen Architekten
des Projektes, François Sabado, kritisiert:
Es gibt keine lineare Kontinuität zwischen der Einheitsfront und der Partei,
genausowenig wie "Politik" einfach die Fortsetzung des Gesellschaftlichen
ist. Es gibt Elemente der Kontinuität, aber auch solche der Diskontinuität,
also besondere Umstände, die unmittelbar Ausfluss des politischen Kampf sind
... Aus dieser Perspektive ist es falsch, die neue Partei als eine Art
Einheitsfront zu betrachten. Eine solche Sichtweise würde der notwendigen
Abgrenzung nicht genügend Gewicht beimessen und bedeutete, in der NPA bloß
ein Bündnis oder einen einheitlichen Rahmen -- wenn auch einer besonderen
Art -- zu sehen und daher deren eigenständigen Aufbau als Gerüst oder
Vermittlungsschritt in der Bildung der revolutionären Führung von morgen zu
unterschätzen. Wenn wir die NPA bloß als Einheitsfront betrachten, laufen
wir Gefahr, sie lediglich Einheitsfrontkämpfe führen zu lassen.
Beispielsweise machen wir die Frage der Regierungsbeteiligung nicht zur
Vorbedingung für eine gemeinsame Aktion der gesamten Arbeiter- und sozialen
Bewegung. Wäre das aber ein Grund, für die NPA einen Kampf um die Frage der
Regierungsbeteiligung nicht zu führen oder ihn zu relativieren? Wir glauben
nicht. Für die NPA ist die Regierungsfrage -- die Ablehnung jeglicher
Beteiligung an Regierungen der Klassenzusammenarbeit -- ein Kernpunkt ihres
politischen Profils. Das ist der beste Beweis -- es gibt aber auch andere
--, dass die NPA eben keine Spielart der Einheitsfront darstellt. Das
gesteckte Ziel, sie als Zusammenballung von Erfahrungen und AktivistInnen
aufzubauen, heißt nicht, dass wir die Perspektive aufgeben, in ihr eines der
entscheidenden Bindeglieder einer globalen politischen Alternative und der
Akkumulation der Kader des Klassenkampfes und gar der Revolution für
zukünftige Krisen zu sehen. [15]
Sabado hat in zweierlei wichtiger Hinsicht Recht. Erstens ist der Aufbau der
radikalen Linken heute ein Schritt in Richtung Bildung revolutionärer
Massenparteien, und kein Schritt weg von diesem Ziel. Zweitens verändert
sich der Charakter von Formationen der radikalen Linken im Zuge ihrer
Interventionen in die Politik. Auch wenn ihr Organisationsprinzip das eines
Bündnisses ist, wie das der Fall bei Respect war, müssen sie dennoch ihre
allgemeine politische Identität in Gestalt eines Programms festschreiben und
in vielerlei Hinsicht auch wie eine normale politische Partei agieren, vor
allem in Wahlkämpfen.
Was aber der Begriff "Einheitsfront der besonderen Art" treffend erfasst,
ist die politische Heterogenität, die die radikale Linke heute kennzeichnet.
Dabei geht es nicht bloß um die spezifische Geschichte einzelner
Formationen. Die besondere Gestalt, die die Krise der Sozialdemokratie heute
annimmt, hat die Bedingungen für ein Zusammengehen von Elementen der
reformistischen und der revolutionären Linken in Opposition zum
Sozialliberalismus geschaffen. Die Tatsache, dass dieses politische
Zusammenkommen nur partiell ist und vor allem die Entscheidung zwischen
Reform und Revolution nicht aufhebt, erfordert Organisationsstrukturen, die,
auch wenn sie nicht explizit die eines Bündnisses sind, dennoch den
verschiedenen Strömungen Raum zum Atmen und zur Koexistenz geben. Sie hilft
aber auch, die programmatische Basis, die Sabado der NPA zu geben versucht,
zu erklären, die sich im Kern viel mehr gegen den Sozialliberalismus als
gegen den Reformismus überhaupt richtet.
Es ist sehr wichtig, sich von den politischen Zweideutigkeiten, die die
gegenwärtige radikale Linke kennzeichnen, nicht erschrecken zu lassen. Jeder
Revolutionär und jede Revolutionärin, die den Namen verdienen, sollten sich
mit ganzer Kraft in den Aufbau solcher Strukturen hineinbegeben. Das ändert
aber nichts daran, dass solche Zweideutigkeiten zu einer Wiederholung
solcher Desaster führen können, die die PRC und Respect heimgesucht haben.
Positiver ausgedrückt: Wenn die NPA wirklich das leisten soll, was Sabado
"die Akkumulation von Kadern des Klassenkampfes und sogar der Revolution für
zukünftige Krisen" nennt, dann wird das nicht automatisch geschehen. Es wird
eines großen Kraftaufwands bedürfen, um die neuen, für die NPA und andere
ähnliche Organisationen gewonnene AktivistInnen in der Tradition des
revolutionären Marxismus zu bilden. Wer aber sollte diese Aufgabe auf sich
nehmen? Eine gewisse politische Bildung kann im Rahmen der Partei vonstatten
gehen. Das kann aber nur innerhalb eng gesteckter Grenzen geschehen, denn
sonst würden die RevolutionärInnen innerhalb der NPA den berechtigten
Vorwurf auf sich ziehen, sie würden die politische Offenheit der Partei
missachten und ihre Strukturen für ihre eigene Politik missbrauchen.
Es ist richtig, die radikale Linke auf einer breiten und offenen Grundlage
aufzubauen, aber RevolutionärInnen sollten sich innerhalb der entstehenden
Strukturen organisieren und für ihre politischen Ziele eintreten. Beide
Teile dieser Formulierung bedürfen der richtigen Betonung. Es wäre ein
Fehler, die Grenzen radikaler linker Parteien zu eng zu fassen. Beim Aufbau
einer solchen breiten und offenen Basis sollten RevolutionärInnen allerdings
ihre eigene politische und organisatorische Identität bewahren. Die genaue
Form wird natürlich von Fall zu Fall variieren -- manchmal wird sie die der
Beteiligung einer unabhängigen Organisation an einem Bündnis annehmen, wie
im Fall der SWP in der Socialist Alliance und danach Respect, oder die einer
Strömung in einer viel größeren Organisation. Eine revolutionäre
sozialistische Identität innerhalb der breiteren radikalen Linken ist nicht
aus Gründen einer engstirnigen, sektiererischen Loyalität wichtig, sondern
weil die Theorie und die Politik des revolutionären Marxismus eben /zählen/.
Sie zählen, weil sie uns ein Verständnis für die Logik des Kapitalismus als
System vermitteln und uns die akkumulierte revolutionäre Tradition zweier
Jahrhunderte vor Augen führen. Die Relevanz dieser Tradition ist natürlich
keine Selbstverständlichkeit. Ganz im Gegenteil: Sie muss sich in der Praxis
immer wieder von neuem bewähren, und das schließt Selektion, Interpretation
und kreative Fortentwicklung dieser Tradition ein. Aber gerade weil die
Praxis so wichtig ist, dürfen RevolutionärInnen die Kapazität zur
Eigeninitiative nicht verlieren. Mit anderen Worten, sie sollten ihre
Identität im Rahmen einer breiteren radikalen Linken nicht als Debattierklub
für Theoriefragen aufrechterhalten, sondern, was auch immer die Umstände,
als interventionistische Organisation.
Die Präsenz von organisierten RevolutionärInnen kann natürlich eine Quelle
von Spannungen innerhalb der radikallinken Organisation sein. Sie können
leicht zur Zielscheibe der Rechten innerhalb der Partei werden. Das ist umso
folgenschwerer, wenn Revolutionäre eine relativ bedeutende Größe besitzen,
wie das bei der SWP innerhalb von Respect der Fall war und der ehemaligen
LCR innerhalb der NPA der Fall sein wird. Die auf der äußersten Linken
situierten Kräfte, die sich zusammen mit Galloway abspalteten, haben ihre
Aktionen mit dem Vorwurf zu rechtfertigen versucht, die SWP sei bestrebt
gewesen, Respect zu dominieren. Das war genau das Gegenteil unserer
Intention: Wir hätten es sehr begrüßt, eine relativ noch viel kleinere Kraft
innerhalb eines wesentlich größeren linksradikalen Bündnisses zu sein.
Das Problem war, dass trotz der enormen politischen Zerwürfnisse, die
Großbritanniens Beteiligung am Einmarsch in den Irak begleiteten, Galloway
die einzige führende Labour-Persönlichkeit war, der bereit war, über diese
Frage mit der Partei zu brechen. Damit war Respect von Beginn an mit einer
strukturellen Instabilität behaftet. Die Koalition war von zwei Kräften
dominiert: von Galloway und von der SWP. Das war kein Problem, solange beide
mehr oder minder harmonisch zusammenarbeiteten. Aber irgendwann musste es zu
einem Konflikt zwischen der revolutionären Organisation und dem
reformistischen Politiker kommen -- mit dem Umstand, dass es keine anderen
Kräfte von ausreichendem Gewicht gab, um den Konflikt einzudämmen.
Dieses strukturelle Ungleichgewicht ist die Folge der besonderen Form, die
der Niedergang der Sozialdemokratie heute annimmt. Die soziale Basis des
Reformismus schrumpft, aber nicht infolge organisatorischer Abspaltungen,
sondern eines graduellen Zersetzungsprozesses. Das ändert nichts an der
Tatsache, dass dadurch ein Raum entsteht, den die radikale Linke füllen
kann, aber es bedeutet, dass es wahrscheinlich einen langwierigen Prozess
von Wahlinterventionen und anderen Kampagnen erfordern wird, um WählerInnen
und AktivistInnen allmählich zu gewinnen. Die Erosion der alten
reformistischen Basis eröffnet auch der extremen Rechten eine Tür, an
Menschen der Arbeiterklasse, die sich ausgegrenzt und nicht vertreten
fühlen, zu appellieren, wie die hässlichen rassistischen Kräften zeigen, die
der Sieg Berlusconis und seiner Verbündeten in Italien freisetzte. Daher die
Bedeutung /DER LINKEN /in Deutschland, die einen realen Spalt in den
SPD-Monolith getrieben hat.
Das ist ein Grund, warum es unklug wäre, zu behaupten, der Reformismus hätte
bereits seinen Schwanengesang angestimmt, wie die LCR manchmal zwischen den
Zeilen zu verstehen gibt, zum Beispiel, wenn sie behauptet: "Die
Sozialdemokratie vollzieht ihre Mutation. Nachdem sie lange Zeit erklärt
hatte, der Sozialismus könne innerhalb des Rahmens des kapitalistischen
Staates Schritt für Schritt aufgebaut werden, findet sie sich mittlerweile
mit ihrer Wendung zum Kapitalismus und zu neoliberaler Politik ab." [16] Das
unterstellt augenscheinlich einen geradlinigen Trend, dem
sozialdemokratische Parteien unterliegen, sich in offen kapitalistische
Parteien wie die US-Demokraten zu verwandeln. Aber so sind die Verhältnisse
nicht.
Man kann den Reformismus nicht einfach mit bestimmten Organisationen in
Verbindung setzen. Vielmehr ist er Ausdruck einer Tendenz von ArbeiterInnen
-- solange ihnen das Selbstvertrauen fehlt, den Kapitalismus zu stürzen --,
ihre Kämpfe auf die Durchsetzung einzelner Verbesserungen im Rahmen des
bestehenden Systems zu beschränken. Diese Tendenz findet trotz der
Entwicklung des Sozialliberalismus politischen Ausdruck.
Das zu verstehen, ist eine politisch dringende Aufgabe. Die Anziehungskraft
reformistischer Politik bedeutet, dass es kein programmatisches oder
organisatorisches Wundergeschoss gibt, mit dem ihr Einfluss aus neuen
Formationen der radikalen Linken gebannt werden könnte. Gerade aus diesem
Grund müssen RevolutionärInnen die eigene Identität innerhalb dieser
Formationen bewahren. Die radikale Linke muss für ReformistInnen offen sein,
wenn sie ihr Potenzial verwirklichen will. Allerdings sollen uns die
Beispiele Bertinotti und Galloway daran gemahnen, dass linke Reformisten
sich auch nach rechts bewegen können, nicht nur nach links.
Das sollte man auch im Fall /DER LINKEN/ immer im Blick behalten. Lafontaine
ist eine tragende Säule der Partei. Sollte er aber zu dem Schluss kommen,
dass seine Zeit reif ist, mit der SPD einen Deal zu schließen, ist er
durchaus fähig, sich brutal gegen /DIE LINKE/ zu wenden. Allerdings sollte
die Bewahrung der politischen und organisatorischen Autonomie von
RevolutionärInnen nicht als sektiererisches Schutzverhalten daherkommen.
Ganz im Gegenteil: Unsere Autonomie sollte uns das Selbstvertrauen geben,
die radikale Linke auf einer möglichst breiten und dynamischen Basis
aufzubauen -- bei Bewahrung eines Instruments, das in den zukünftigen
politischen Kämpfen, die reale Erfolge zwangsläufig hervorrufen werden,
nicht fehlen darf.
Übersetzung: David Paenson
Aus: Inprekorr Nr. 454/455 (Internationale Pressekorrespondenz)
Nachdruck gegen Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht
Bestellungen: Inprekorr, Hirtenstaller Weg 34, 25761 Büsum
E-Mail: vertrieb(at)inprekorr.de
Doppelheft: 4 EUR; Schnupperabo: Ein halbes Jahr für 10 EUR
Jahresabo: 20 EUR (Inland), 12 EUR (ermäßigt), E-Abo 50%
Artikel im CL-Datennetz: cl.medien.inprekorr
Artikel im Internet: http://inprekorr.de
[1] Siehe M. Gonzalez, "The Split in the Scottish Socialist Party",
/International Socialism/, 2.112 (2006) and C. Harman, "The Crisis in
Respect", ebenda., 2.117 (2007).
[2] Alex Callinicos, Where is the Radical Left
Going?"[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/?id=484?] in:
/International Socialism,/ London, Nr. 120, Herbst 2008, S. 91--111.
[3] Ausführlicher über Alex Callinicos:
http://en.wikipedia.org/wiki/Alex_Callinicos.
Mit der IST ist in Deutschland das Netzwerk marx21 verbunden, in Österreich
die Gruppe Linkswende.
[4] Alex Callinicos, "Regroupment and the Socialist Left Today", in:
/Links./ International Journal of Socialist Renewal, Broadway, New South
Wales, Nr. 23, Januar-April 2003, S. 58--73. Der Artikel ist Teil eines
Dossiers zu "Challenges in Uniting the Left" (Herausforderungen bei der
Vereinigung der Linken).
Auf Deutsch: "Sozialistische Linke und Umgruppierung heute" (aus dem
Englischen übersetzt von Hans-Günter Mull), in: /Sozialistische Hefte/ für
Theorie und Praxis, Köln, Nr. 5 (Neuer Antikapitalismus in Europa), Dezember
2003, S. 19--26.
[5] François Sabado, "Building the New Anti-capitalist Party" (aus dem
Französischen übersetzt von Murray Smith), in: /International
Socialism,/Nr. 121[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/index.php4?id=5
12&issue=121], Winter 2009, S. 143--152.
[6] Panos Garganos, "The Radical Left: A Richer Mix", in: /International
Socialism,/Nr. 121[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/index.php4?id=5
13&issue=121], Winter 2009, S. 153--156.
[7] Einige Informationen über die SEK:
http://en.wikipedia.org/wiki/Socialist_Workers'Party(Greece)
[8] Alan Thornett, "A reply to Alex Callinicos on Respect. Rationalising
the end of eight years of SWP openness, and John Rees'
reign"[http://inprekorr.de/http://www.internationalviewpoint.org/spip.php?ar
ticle1579], IV Online magazine : IV407 - December 2008.
[9] Vgl. hierzu die auf Deutsch vorliegenden Artikel von François Duval
(LCR), Chris Harman (SWP) und Alan Thornett in /Inprekorr/ Nr. 436/437
(März/April 2008).
Die Redaktion der Zeitung /Socialist Resistance/ hat ein kleines Buch
herausgegeben, in der zahlreiche Dokumente und Debattenbeiträge zur Spaltung
von Respect (im Wesentlichen zwischen der SWP und dem gesamten restlichen
Spektrum von George Galloway über im Zuge der Krise ausgetretene oder
ausgeschlossene SWP-Mitglieder und Salma Yaqoob bis zur britischen Sektion
der IV. Internationale) herausgegeben: Fred Leplat (Hrsg.), /Respect:
Documents of the Crisis,/ 2. Ausg., London: Socialist Resistance, o. J.
[2008]. Zu bestellen unter
http://resistancebooks.blogspot.com/2008/01/respect-document-of-crisis.html
oder bei Missing Links, Bremen (http://www.missing-link.de).
[10] Alex Callinicos, "Revolutionary paths: a reply to Panos Garganos and
François Sabado", in: /International
Socialism,/Nr. 122[http://inprekorr.de/http://www.isj.org.uk/index.php4?id=5
38&issue=122], Frühjahr 2009, S. 173--184.
[11] Alex Callinicos, "Où va la gauche radicale" (aus dem Englischen
übersetzt von Sylvestre Jaffard), in: /Critique communiste./ Revue de la
Ligue communiste révolutionnaire (section française de la IVe
Internationale), Montreuil-sous-Bois, Nr. 189, Januar 2009, S. 12--21.
[12] François Sabado, "Le NPA, une expérience inédite de construction d'un
parti anticapitaliste (réponse à l'article d'Alex Callinicos)", in:
/Critique communiste,/ Nr. 189, Januar 2009, S. 22--31.
[13] /Le Monde/, 23 August 2008.
[14] J. Rees, "Anti-Capitalism, Reformism and Socialism", /International
Socialism/, 2.90 (2001), S. 32.
[15] F. Sabado, "Nouveau parti anticapitaliste et front
unique"[http://inprekorr.de/http://quefaire.lautre.net/articles/08sabado.htm
l], /Que faire?/, Nr. 8, Mai/Juni 2008.
[16] "Pour un anticapitalisme et un socialisme du XXIème
siècle"[http://inprekorr.de/http://www.lcr-rouge.org/spip.php?article1685],
LCR-Beitrag auf einer Versammlung am 28. und 29. Juni 2008.
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