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Aus CONTRASTE Nr. 295 (April 2009, Schwerpunktthema, Seite 7/8)
FINCA SONADOR, COSTA RICA
Freiraum für Flüchtlinge seit 30 Jahren
Das »Archipel selbstverwalteter Kooperativen«, besser bekannt unter dem
Namen Longo maï, hat seinen Ursprung bereits vor 35 Jahren.
Pioniersiedlungen in europäischen Randzonen waren die Kooperativen zu
Beginn, es kamen weitere dazu und teilweise konnten sie sich vergrößern: in
der Provence, dem schweizerischen Jura, den ukrainischen Karpaten und in
Mecklenburg. (vgl. CONTRASTE-Schwerpunkt, März 2004) Ziel war das
»solidarische und gleichberechtigte Zusammenleben«, das bis heute auch
darin besteht, sich aktiv in gesellschaftliche Debatten einzumischen.
Aktuelles Beispiel ist die Saatgutinitiative zur Erhaltung der
Artenvielfalt. Zum Longo maï-Archipel gehört auch die
Flüchtlingskooperative Finca Sonador in Costa Rica, die im Mai ihre
30-jährige Geschichte feiert.
Roland, Longo maï # Die Asylstätte Finca Sonador, gegründet 1979 in Costa
Rica, ist ein Beispiel wie Menschen aus Krisengebieten nicht nur Zuflucht
gefunden haben, sondern auch in Selbstverantwortung ein neues Leben
aufbauen konnten. Sie umfasst mittlerweile 400 Menschen: Flüchtlinge aus
den ehemaligen Bürgerkriegsländern Nicaragua und Salvador. Landlose Bauern
und Indigenas aus Costa Rica teilen hier ihr Leben auf 780 Hektar Land,
wovon die Hälfte aus geschütztem Regenwald besteht. Vor vier Jahren konnte
noch Land und Regenwald mit Hilfe von Spenden hauptsächlich aus der Schweiz
dazugekauft werden. Das Projekt »El Mayo« entstand.
Am 14. und 15. März 2009 feiert die Finca Sonador ihr 30jähriges Bestehen!
30 Jahre, das ist eine lange Zeit! Es ist ein Moment, um Vergangenes wieder
aufleben zu lassen, Bilanz zu ziehen und die Zukunftsperspektiven des
Projektes zu diskutieren. Das möchten wir an den beiden Festtagen tun,
zusammen mit den vielen FreundInnen, die uns auf diesem langen Weg
begleitet haben.
Die Geschichte der Finca Sonador ist ein interessanter Spiegel der
vergangenen 30 Jahre der Geschichte Lateinamerikas. Wir dürfen nicht
vergessen, dass zum Zeitpunkt der Gründung des Projektes Mittel- und
Südamerika noch ein ziemlich düsteres, geopolitisches Bild boten:
Militärdiktatur in Nicaragua und Argentinien, Pinochet in Chile,
Todesschwadronen in El Salvador, Massaker der Armee in den Dörfern der
Indigenas in Guatemala... In diesem Kontext begann der
friedliche Aufbau der Flüchtlingskooperative Finca Sonador.
In den 1980er Jahren setzten dann in unserer Region entscheidende
Veränderungen wirtschaftlicher und sozialer Natur ein. Die Zeit der
berüchtigten »Strukturverbesserungsprogramme«, auferlegt von Weltbank und
Weltwährungsfonds, nahm ihren Anfang: Beginn des Neoliberalismus, massive
Entlassungen im öffentlichen Sektor, Privatisierungen und das Vordringen
der großen Agromultis führten zu nie dagewesenen, internen
Migrationsbewegungen innerhalb Costa Ricas. Die Finca Sonador öffnete
damals ihre Tore auch für diese internen Flüchtlinge. Eine Gruppe von
costaricanischen landlosen Bauern integrierte sich in das Projekt.
Im Februar 1993 fand auf der Finca das erste Seminar über Ökologie,
Archäologie und nachhaltige Entwicklung statt. Während die Wirtschaftsform
der Finca bis zu diesem Zeitpunkt von traditioneller Landwirtschaft, hohem
Selbstversorgungsgrad und der enorm wichtigen »Convivencia«
(Nachbarschaftshilfe) geprägt war, wurde am Seminar der Grundstein für eine
diversifizierte Mikroökonomie gelegt, welche versucht, die Produktion mit
Umweltschutz zu verbinden. Landwirtschaft und nachhaltige Nutzung der
Waldressourcen, Ökotourismus und Weiterverarbeitung der Produkte waren
ebenfalls intensive Diskussionsthemen. Die konsequente Umsetzung dieser
Ideen in den folgenden Jahren sicherte den BewohnerInnen der Finca Sonador
ein ausgeglichenes, solides Auskommen. Der Bau einer eigenen
Kaffeeverarbeitungsanlage erlaubte Direktexporte nach Deutschland und
stabile Preise für Fair Trade. Die Verwirklichung des Modells eines sozial
verantwortlichen Tourismus brachte der Finca Sonador im Jahr 2004 den
internationalen Preis der TO DO! (Internationaler Wettbewerb
Sozialverantwortlicher Tourismus) ein.
Heute hat die Ökonomie der Finca viele solide Standbeine. Angebote von
Unterbringung mit Verpflegung bei den Familien, Sprachkurse,
Tanzunterricht, Organisation und Begleitung auf Exkursionen, Musik- und
andere Darbietungen ermöglichen dieser multikulturellen Dorfgemeinschaft
den verschärften Rahmenbedingungen und der massiven Wirtschaftskrise, die
auch Costa Rica erreicht hat, zu trotzen.
Ein frischer Wind erreicht uns vom Süden! Wie sagte doch schon Lao-Tse vor
2.500 Jahren: »Wenn der Wind der Veränderungen weht, bauen die einen Mauern
und die anderen setzen Segel.« Lasst uns die Segel setzen!
Aus »Nachrichten aus Longo maï«, Nr. 100
www.sonador.info
rolspendling(at)gmx.net
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