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Aus CONTRASTE Nr. 295 (April 2009, Seite 15)
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Welch schöne, einfache Welt der Begriffe
Kritische Anmerkungen zum März-Schwerpunkt der CONTRASTE
»Jede und jeder hat die Chance, sich neu zu erfinden und mit frei
gewählten Nicknames und selbst gestylten Aliasen in der virtuellen Welt
Freundschaften zu schließen«, stand auf der Titelseite der CONTRASTE im
März 2009. So wurde das Internet beschrieben mit seinen »weltweit
gespannten Netzwerken« und »unendlichen Kommunikationsmöglichkeiten«. Kein
Wort davon, dass große Teile der
Welt keinen Internetzugang haben. Kein kritischer Blick, dass auch im Web
menschliche Interaktion nur wieder in Kanäle gegossen wird und die
Selbstorganisierung Stück für Stück flöten geht. Die Kreativität des
direkten Gesprächs, im Alltag ja angesichts formalisierter Dialoge in
Politik und Medienlandschaft sowie der Internettisierung sozialer Kontakte
kaum noch praktiziert, ist da gar kein Gegenstand der Betrachtung mehr. So
zieht sich die rosarote Brille der »digitalen Boheme«, wie sie in einer
kritischen Frage genannt wird, die leider unbeantwortet bleibt, durch das
ganze Heft.
Statt analytischem Blick wird alles gut: Der AK Vorratsdatenspeicherung
wird als »höchste Form der Kooperation« benannt, während für Wikipedia
behauptet wird, es gäbe keine zentralen Instanzen, stattdessen herrsche ein
Neutralitätsprinzip und Rauswürfe würden nur erfolgen, wenn andere Mittel
ausgeschöpft sind.
Alles Unsinn: Der AK ist bekannt für seine konsequente Ausgrenzungspolitik
gegenüber radikalen Positionen – und auf Wikipedia wird zensiert, was das
Zeug hält. Nur, die virtuelle Welt macht es möglich, geht das alles nun
unter Auslöschung der Vergangenheit. Konnte mensch früher noch
Veränderungen materiell
nachweisen, so ist auf Wikipedia jede Spur eines Konfliktes sauber
entfernt – jedenfalls dann, wenn die zentralen Machtinstanzen das wollen.
Nein: Mit oberflächlichem Neuanstrich und technizistischem Schnickschnack
entstehen weder Emanzipation noch intensive Herrschaftsanalyse. Das gilt
für das Web genauso wie für alle anderen Formen – auch Genossenschaften,
Konsens und weitere oftmals bereits als Lösung angebotene Verpackungen sind
kein Fortschritt, wenn nicht auch das tatsächliche Geschehen sich
verändert. Neue Kanäle, in denen Menschen sich einzufügen haben, sind als
solches noch kein Fortschritt, sondern bedürfen immer auch einer anderen
Praxis, wie sie gestaltet werden. Ob es dann das direkte Gespräch ist oder
ein Internetchat oder eine andere Art, Zeitungen zu machen – das wäre
zweitrangig. Aber diese Frage wurde in den CONTRASTE-Texten ja gar nicht
gestellt.
Jörg Bergstedt, ausgegrenzt bei Wikipedia, in vielen Anarchie-Wikis und
aus der CONTRASTE-Redaktion
Anmerkung der Redaktion: Jörg ist bei uns nicht ausgegrenzt, sondern hat
vorläufig keine Schreib- und Leseberechtigung in unserem elektronischen
Redaktionsverteiler, weil er gegen unser Redaktionsselbstverständnis*
verstoßen
hat. Ein klärendes persönliches Gespräch auf einem Redaktionsplenum kann
diesen Umstand ändern.
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berichtet: über Arbeiten ohne ChefIn für ein selbstbestimmtes Leben,
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