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Aus CONTRASTE Nr. 296 (Mai 2009, Seite 4)
NETZWERK NEWS
Fördern – Vernetzen – Unterstützen
Netzwerk Selbsthilfe e.V. als staatlich unabhängiger politischer
Förderfonds ist mit seiner Idee seit nunmehr 30 Jahren einzigartig. Sie
wird auf drei Wegen umgesetzt. Direkte finanzielle Förderung durch einen
Zuschuss, persönliche und individuelle Beratung sowie Vernetzung von
politischen Projekten. Wir brauchen UnterstützerInnen und SpenderInnen,
damit das Entstehen und Überleben vieler kleiner politischer, sozialer und
alternativer Projekte möglich bleibt!
Geflüchtete Täter, vertriebene Opfer?
Für einen kritischen erinnerungspolitischen Diskurs
Nach einer kontrovers geführten öffentlichen Debatte in den Jahren 2002
und 2003 um die Art und Weise der öffentlichen Erinnerung an Flucht und
Zwangsaussiedlung von Deutschen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, einigten
sich Union und SPD im Koalitionsvertrag 2005 auf die Errichtung eines
»sichtbaren Zeichens gegen Vertreibungen«. Ende 2008 beschloss der Deutsche
Bundestag als Umsetzung die Gründung der Stiftung »Flucht, Vertreibung,
Versöhnung« unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums.
Kernprojekt der Stiftung soll eine Dauerausstellung sein, deren
Hauptakzent »Flucht und Vertreibung der Deutschen« sein soll. Zwar ist im
Konzept die Rede von einer »Einbettung in den historischen Kontext«, aber
wie diese aussehen soll, wird völlig offen gelassen. Konzeptionell und
inhaltlich soll die Dauerausstellung an die im Sommer 2006 in Berlin
gezeigte Ausstellung »Flucht, Vertreibung, Integration« anknüpfen. In
dieser Ausstellung kam der historische Kontext der Zwangsaussiedlungen –
die Minderheiten- und Volkstumspolitik des Deutschen Reichs, der
Vernichtungsfeldzug und die Besatzungspolitik der Deutschen – hingegen nur
am Rande, sozusagen als »Vorspiel« des eigentlichen Geschehens vor.
Die Konzeption suggeriert, die Stiftungsgründung sei das Resultat eines
gelungenen Ausgleichs unterschiedlicher Interessen. Dies ist nicht der
Fall: Wesentliche Positionen der Debatten seit 2002 fallen hier einfach
unter den Tisch. Stattdessen hat sich der »Bund der Vertriebenen« (BdV) mit
seinen Vorstellungen weitgehend durchgesetzt.
Der »Arbeitskreis Geschichtspolitische Interventionen« (AGI), eine kleine,
parteipolitisch nicht gebundene unabhängige Initiative aus Berlin, setzt
sich für eine kritische Diskussion um ein Vertreibungszentrum, mit der
Rolle des BdV und der Geschichtspolitik der Bundesregierung auseinander.
Im Frühjahr plant die Bundesregierung ein wissenschaftliches Symposium zur
Errichtung der Stiftung, indem allerdings nur wohlgesonnene ReferentInnen
eingeladen werden. Zeitnah zu dieser Veranstaltung organisiert AGI eine
alternative, öffentlichkeitswirksame Podiumsdiskussion mit kritischen
HistorikerInnen, die durch vertiefende Workshops ergänzt werden soll. Darin
soll zum einen die politische Durchsetzung der neugegründeten Stiftung
kritisch reflektiert werden, wobei es AGI wichtig ist, insbesondere
VertreterInnen aus Polen und ihrer Perspektive auf die Erinnerung an Flucht
und Zwangsaussiedlungen in Deutschland ein Forum zu bieten. Im Gegensatz zu
dem unilateralen Vorgehen der Bundesregierung will die Gruppe mit
VertreterInnen kritischer Positionen aus Polen in einen Dialog treten und
gemeinsam Möglichkeiten einer politischen Intervention ausloten. Aktuelle
Informationen zu den Veranstaltungen finden sich unter:
http://agi.blogsport.de.
Katja Grabert
Netzwerk Selbsthilfe e.V., Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
buero@netzwerk-selbsthilfe.de
www.netzwerk-selbsthilfe.de
Tel.: (0 30) 691 30 72
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Selbstorganisation. CONTRASTE dient den Bewegungen als monatliches
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breit macht, wird hier regelmäßig aus dem Land der gelebten Utopien
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alternatives Wirtschaften gegen Ausbeutung von Menschen und Natur,
Neugründungen von Projekten, Kultur von "unten" und viele andere
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