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Sand im Getriebe 80: 10 Jahre -wie weiter mit Attac

Liebe SiG-Leserinnen und -Leser,

hier kommt die neue SiG-80 mit dem Titel: "10 Jahre - und ein bißchen weise?".
Im Mittelpunkt stehen diesmal auch Überlegungen, u.a.von
Attac-Frankreich, wie sich ATTAC nach 10 Jahren neu orientieren und revitalisieren kann.

Das gesamte Heft als PDF-Version befindet sich auf der deutschen Homepage unter http://www.attac.de/aktuell/attac-medien/sig/

Hier kann man sich übrigens auch in den Verteiler eintragen - vielleicht ein kleiner Tipp für Freunde, Bekannte, Interessierte? Übrigens verschicken wir "Sand im Getriebe" auch als "Hardcopy", und zwar zum Selbstkostenpreis.

Bezugsbedingungen
Rechnungsbetrag (inkl. Porto) einer Lieferung: 1 Heft: 3 Euro, 2 Hefte: 4,50 Euro, 3 Hefte: 6 Euro., ab 10 Hefte: 1,50 Euro pro Heft Abonnement: 15 Euro für 6 Ausgaben. Bestellung per Mail an sig-abo ät gmx.de

Unterhalb des Vorworts gibt es wieder die Links zu den einzelnen Artikeln.

Viele neue Erkenntnisse beim Lesen
wünscht

im Namen der SiG-Redaktion
Peter Strotmann


Vorwort:

Jubiläen sind Anlässe für selbstkritische Rückblicke.
Was für ein verändertes Panorama! 1998, als sich die Attac-Bewegung zuerst in Frankreich mit dem Schlachtruf "Entwaffnet die Märkte" gründete, stand der Neoliberalismus mitten in einer schweren -- damals noch auf Asien und Rußland konzentrierten - Weltwirtschaftskrise. IWF, WTO, G8, Davos -- die Institutionen des Neoliberalismus - bestimmten noch relativ unangefochten den Diskurs der Zeit. Die USA genossen den "unipolaren Moment" und bereiteten die nächsten Kriege vor.

Heute, 12 Jahre später, hat der Neoliberalismus noch nicht seine Macht, wohl aber seine ideologische Ausstrahlung und einen Teil seiner Gestaltungskraft verloren. Der Kapitalismus zeigt, was er kann: die Entfaltung seiner inneren Widersprüche führten zur schwersten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren. Die Dominanz des von den USA dominierten Westens scheint sich - unter heftigem Widerstand der Privilegierten, aber beschleunigt durch die Krise - in eine neue multipolare Struktur zu verwandeln, die den Ländern des Südens neue Bewegungsspielräume verschafft. Die Asienkrise, die auch zur Gründung von Attac führte, hat die Opfer wachgerüttelt.

Weltweit haben sich mächtige Gegenkräfte mobilisiert: das
Weltsozialforum (WSF) ist zu einem Raum geworden, in dem die neoliberale Hegemonie angegriffen wird und in dem seit 10 Jahren Alternativen entwickelt werden.
In dieser Situation fragt sich Attac Frankreich: /"Welchen Nutzen hat Attac heute, im zwölften Jahr des Bestehens?/". Nach einer
selbstkritischen Analyse der Arbeit der letzen Jahre kommt der neu gewählte Verwaltungsrat zum Schluss, dass Attac nach wie vor /"ein unersetzliches Instrument ist, um Gerechtigkeit in Gesellschaft und Umwelt zu erreichen"/. Das Ziel ist es nach wie vor, das Primat der Politik über die Ökonomie zu gewinnen und dadurch die /"Übernahme der Macht über das eigene Leben durch die Bürger selbst"/ anzustreben. Das kann erreicht werden durch den /"Aufbau einer aktiven Demokratie", durch "gesellschaftliche Selbsterziehung und in der Aktion"/.
Bernard Cassen
, einer der Initiatoren des WSF, zeichnet dessen Entwicklung nach und schlägt eine "post-altermondialistische" Wende vor: /"Ein gutes, erfolgreiches Modell nutzt sich mit der Zeit ab... Daher ist es notwendig, Brücken zu schlagen zu den politischen Kräften und jenen fortschrittlichen Regierungen, die die unmittelbar aus den Debatten der WSF hervorgegangenen Maßnahmen konkret umsetzen"/. Susan George analysiert den Übergang von G7 zu G20 und stellt enttäuscht fest: /"Offensichtlich sind die Neuen so dankbar dafür, dass sie mit dem Altherrenclub am selben Tisch sitzen dürfen, dass sie implizit garantierten, keine hohen Wellen zu schlagen. Die 172 abwesenden Länder können wenig bis nichts von dieser neuen Konstellation erwarten"/.

Der Ursprung für Armut und Elend in Haiti liegt nicht in diesem Erdbeben. Der erste erfolgreiche Sklavenaufstand, gleich nach der französischen Revolution, führte zur /"Unabhängigkeit von 1804, die der französischen Armee unter Napoleon in einem hartem Kampf abgerungen wurde"/. Frankreich bürdete aber dem neuen Staat einen Berg von illegitimen Schulden auf, von dem er sich bis heute nicht erholt hat (S. Sophie Perchellet /Eric Toussaint). Zur aktuellen Situation fordern viele internationale Organisationen -- darunter einige Attac-Verbände -- /"die sofortige und bedingungslose Annullierung der Auslandsschulden Haitis"/, sie lehnen es ab, /"dass die privaten multinationalen Unternehmen diese Tragödie dazu nutzen, um unter dem Mantel des Wiederaufbaus des Landes goldene Geschäfte zu machen, wie es im Irak passiert ist, oder dass sie die billigen Arbeitskräfte ausnutzen und die Naturschätze ausbeuten"/. Sie wenden sich entschieden dagegen, /"dass die Nothilfe von den USA als Vorwand benutzt wird, um das Land (zum dritten mal) zu besetzen und seiner Souveränität zu berauben"/. Organisationen und Bündnisse der haitianischen Zivilgesellschaft erklären: /"Die Invasion ist ganz offensichtlich Teil der Strategie zur Remilitarisierung des Karibikraums, mit der der US-amerikanische Imperialismus auf den wachsenden Widerstand der Völker des Kontinents gegen die neoliberale Globalisierung reagiert. Wir verurteilen dieses Vorgehen und lehnen nachdrücklich ab, dass aus unserem Land eine neue Militärbasis wird."/ Sie schildern, wie sie sich für den Aufbau eines /"anderen Landes"/ zusammenschließen, /"für die Verwirklichung einer Landreform und eine integrierten städtischen Bodenreform kämpfen, gegen das Analphabetentum zu Felde ziehen und sich für die Wiederaufforstung einsetzen"/ - und schlagen vor, dabei von internationalen Solidaritätsbrigaden Unterstützung zu erhalten.
Inzwischen hat der südamerikanische Staatenbund UNASUR mit massiver "Süd-Süd-Hilfe" für Haiti begonnen -- ohne knebelnde Auflagen. Harald Neuber beschreibt, wie sich -- unter Geburtswehen -- die Staaten Lateinamerikas aus der Abhängigkeit von den Industriestaaten des Nordens lösen.

Michael Haid (IMI) untersucht die "neue" Afghanistan-Strategie, wie sie auf der Londoner Konferenz vereinbart wurde. Die NATO macht in Afghanistan einen neuen Versuch, die Vorherrschaft des "Westens" in Zentralasien, an dieser Nahtstelle zwischen China und Rußland, mittels einer Strategie der "Afghanisierung" zu sichern. Diese Strategie - einheimische Kollaborateure für die Interessen der Invasoren kämpfen zu lassen - wurde schon in Vietnam unter dem Namen "Vietnamisierung" erprobt. Sie führte zu einer Verlängerung der Besatzung und des Leidens der Bevölkerung.

Zur Identität von Attac in den letzten 10 Jahren gehört auch der Kampf gegen /"die Weltherrschaft durch das Kapital oder irgendeine andere Form des Imperialismus"/ (Charta des Weltsozialforums). Deshalb endet auch diese Nummer mit dem Aufruf, den Druck zu erhöhen und die
NATO-Aggression in Afghanistan zu beenden - "Kein Soldat mehr".

Wir bedanken uns für die Übersetzungen durch die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von coorditrad!
Coorditrad braucht noch Unterstützung!
www.coorditrad.attac.org

Die Redaktion dieser Nummer: Marie-D. Vernhes und Peter Strotmann (Attac Deutschland) - Barbara Waschmann (Attac Österreich) - Maurizio Coppola (Attac Schweiz)


Link-Liste:
SiG 80 (16.02.2010) Attac, Weltsozialforum - 10 Jahre und ein bißchen weise?

%%% 10 Jahre Weltsozialforum und Attac %%%

Zielsetzungen für die kommenden drei Jahre
Attac Frankreich
http://sandimgetriebe.attac.at/8632.html

Auf dem Weg zu einer post-altermondialistischen Wende der Sozialforen? Bernard Cassen
http://sandimgetriebe.attac.at/8633.html

10 Jahre später
Susan George
http://sandimgetriebe.attac.at/8634.html

Auf eigenen Füßen
Harald Neuber
http://sandimgetriebe.attac.at/8635.html

Das Andere Davos
Maurizio Coppola, attac Schweiz
http://sandimgetriebe.attac.at/8636.html

Landesweite Frauendemo am Samstag, den 13. März in Bern
Feministische Kommission von Attac Schweiz
http://sandimgetriebe.attac.at/8637.html

EU-Politik gegenüber Athen: unsozial und ineffektiv
Attac Deutschland
http://sandimgetriebe.attac.at/8638.html

ver.di prangert falsche EU-Politik gegenüber Griechenland an http://sandimgetriebe.attac.at/8639.html

%%% Haiti %%%

Für ein freies und souveränes Haiti !
Internationale Petition von Jubileo Sur und über 100 Organisationen aus der ganzen Welt, u.a. Attac Argentinien, Attac Deutschland, Attac Frankreich, Attac Marokko, Attac Spanien, CADTM, Via Campesina http://sandimgetriebe.attac.at/8640.html

Haiti: Welche Perspektiven nach der Katastrophe?
Brief von haitianischen Organisationen und Bündnissen
http://sandimgetriebe.attac.at/8641.html

Haiti: Jenseits der Hilfszusagen
Sophie Perchellet, Eric Toussaint (CADTM)
http://sandimgetriebe.attac.at/8642.html

Die Haitianische Revolution
Der einzige erfolgreiche Sklavenaufstand in der Weltgeschichte Sibylle Fischer
http://sandimgetriebe.attac.at/8644.html

Unasur: Hilfe zur Selbsthilfe für Haiti
Johannes Schulten
http://sandimgetriebe.attac.at/8645.html

%%% Krieg und Frieden %%%

Howard Zinn
Amy Goodman, Democracy Now!
http://sandimgetriebe.attac.at/8646.html

Avatar - ein antiimperialistischer Film?
Peter Strotmann
http://sandimgetriebe.attac.at/8647.html

Rundreise durch Deutschland des israelischen Komitees gegen Hauszerstörungen (ICAHD)
http://sandimgetriebe.attac.at/8649.html

Shimon Peres spricht nicht in unserem Namen!
Erklärung israelischer Bürgerinnen und Bürger
http://sandimgetriebe.attac.at/8648.html

Die Londoner Afghanistan-Konferenz - eine Showveranstaltung Michael Haid
http://sandimgetriebe.attac.at/8650.html

Kein Soldat mehr!
Protest in Deutschland am 20.02.2010 - Berlin
http://sandimgetriebe.attac.at/8651.html


Eine andere Welt braucht Unterstützung.

Attac Österreich, http://www.attac.at
Bei unseren Kampagnen mit Spenden: http://www.attac.at/spenden.html oder durch Mitgliedschaft: http://www.attac.at/mitglied.html

Attac Schweiz: http://www.schweiz.attac.org
http://www.schweiz.attac.org/-Kontact-und-aktiv-werden-

Attac Deutschland, http://www.attac.de
Bei unseren Kampagnen mit Spenden: https://www.attac.de/spenden.php oder durch Mitgliedschaft: https://www.attac.de/mitglied.php


Sandimgetriebe ät listen.attac.de
Zu Optionen und zum Austragen:
https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/sandimgetriebe

23.02.10    Absender/-in: Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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