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.ausgestrahlt - Gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung
Hamburg, 8. Februar 2010
Reststrommengen des AKW Stade können Biblis A nicht retten
Gravierende Sicherheitsdefizite verbieten jede Übertragung weiterer
Strommengen auf den Uralt-Reaktor Biblis A - so steht es in einer Anlage
zum gültigen Atomkonsens-Vertrag
Zur geplanten Laufzeitverlängerung des AKW Biblis A mit Hilfe von
Reststrommengen des AKW Stade erklärt Jochen Stay, Sprecher der
Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:
"Weder die Reststrommengen aus Stade noch die irgend eines anderen AKW
dürfen auf Biblis A übertragen werden." So steht es in Anhang 2 des
"Atomkonsens"-Vertrages aus dem Jahr 2000, den der Biblis-Betreiber RWE
bekanntlich selbst unterzeichnet hat. Grund sind die gravierenden
Sicherheitsdefizite des Uralt-Meilers Biblis A. Erst vergangenen
Donnerstag hatte dort erneut das Notstromsystem versagt.
Mit Blick auf die nur noch geringe Restlaufzeit des Reaktors hatte die
rot-grüne Bundesregierung im Zuge der Atomkonsens-Verhandlungen für
Biblis A ein niedrigeres Sicherheitsniveau als in anderen Atomanlagen
akzeptiert. RWE ersparte dies kostspielige Nachrüstungen in
dreistelliger Millionenhöhe. Im Gegenzug stimmte der Betreiber zu, die
Restlaufzeit von Biblis A definitiv auf eine Stromproduktion von 62.000
GWh zu begrenzen. RWE verzichtete also auch auf die Möglichkeit,
Strommengen von älteren oder abgeschalteten Reaktoren auf Biblis A zu
übertragen. Eine Strommengenübertragung von Stade auf Biblis A wäre ein
klarer Vertragsbruch.
Noch im Januar hat die Bundesregierung versucht, sich bei der Frage nach
einer Laufzeitverlängerung für Biblis A mit dem Verweis auf die
Reststrommengen des AKW Stade aus der Affäre zu ziehen. Doch dies ist
nicht möglich. Eine Strommengenübertragung von Stade auf Biblis A ist
keine Sache, die Eon und RWE untereinander aushandeln können.
Bundesumweltminister Röttgen muss vielmehr Farbe bekennen: Akzeptiert er
einen Vertragsbruch der Atomindustrie und lässt ausgerechnet den
Risiko-Reaktor Biblis A länger laufen? Oder besteht er darauf, dass
Biblis A nun endlich vom Netz geht - wie es RWE vor bereits zehn Jahren
schriftlich zugesagt hat?"
- Hintergrund
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Als Folge des Beinahe-GAU in Biblis A am 16./17.Dezember 1987 erließ
1991 die (damals CDU-geführte!) hessische Landesregierung 49 Auflagen
zur sicherheitstechnischen Nachrüstung des Reaktors. Unter anderem
verlangte sie den Bau einer unabhängigen Notstandswarte, von der aus das
AKW auch bei einem Brand oder Unfall noch gesteuert und heruntergefahren
werden können sollte. RWE zögerte die Umsetzung der Auflagen jahrelang
hinaus.
Im Zuge des "Atomkonsens" erklärte sich die rot-grüne Bundesregierung
Mitte 2000 dann zu Abstrichen bereit. In einer Erklärung, die
Bestandteil des "Atomkonsens"-Vertrages ist (Seite 14), kündigte das
Bundesumweltministerium an, für Biblis A nur noch ein abgespecktes
Nachrüstungsprogramm zu verlangen, "das (...) in einem angemessenen
Verhältnis zur Restnutzung steht". Dies geschehe "unter der
Voraussetzung einer Erklärung des Betreibers, auf eine Übertragung von
Energiemengen auf Biblis A zu verzichten". RWE stimmte dem mit seiner
Unterschrift unter den Atomkonsens-Vertrag zu. Das "angepasste"
Nachrüstungsprogramm für Biblis A umfasste nur noch 20 Punkte. Biblis
ist deswegen das einzige AKW in Deutschland, das bis heute nicht über
eine unabhängige Notstandswarte verfügt.
Atomkonsens-Vertrag von Juni 2000 mit Anhängen:
http://ausgestrahlt.de/fileadmin/user_upload/sagnein/atomkonsens_mit_Anlagen_Bmwi.pdf
Rückfragen an Jochen Stay, Tel. 0170-9358759
http://www.ausgestrahlt.de
.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die
AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen
Protest zu machen.
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