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AKW Obrigheim: Nasse Elemente warten auf trockene Tücher
An sich ist es ein eher unspektakulärer Vorgang. Seit vergangenen
Donnerstag liegen im Rathaus Obrigheim die Unterlagen zum Antrag der
Energieversorung Baden-Württemberg (EnBW) aus, dessen Inhalt den
Sachverhalt 'interessant' macht.
Auf dem Areal des 2005 stillgelegten Kernkraftwerks Obrigheim soll ein so
genanntes Standort-Zwischenlager für die abgebrannten Brennelemte aus der
Betriebsphase errichtet werden. Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
hat man im Oktober 2007 den Antrag für die Aufbewahrung von
Kernbrennstoffen modifiziert: Eine Halle soll nun statt der ursprünglich
geplanten Betonhauben die (in Castorbehälter verpackten) Brennelemente
umgeben. Bis einschließlich 7. Juli können Interessierte in die
Unterlagen Einblick nehmen und auch konkrete Einwände gegen das Projekt
beim BfS erheben. Auf den Interessierten warten im Sitzungssaal des
Obrigheimer Rathauses nicht nur zwei "Aufpasser" des BfS sondern auch
reichlich Papier: Gut 140 Seiten "Sicherheitsbericht" zu atomrechtliche
Genehmigungen, Verfahren, Standort usw., an die 160 Seiten
"Umweltverträglichkeitsuntersuchung", 80 Seiten "Landschaftlicher
Begleitplan" sowie eine 50 Seiten starke "Antragsmappe" und eine
"Kurzbeschreibung" des Projekts auf weiteren, rund 40 Seiten.
"Kern" der Schriftstücke sind die 342 bestrahlten Brennelemente, die sich
noch in der Anlage befinden. Derzeit lagern sie im externen Nasslager
unmittelbar neben dem eigentlichen Reaktorgebäude. Das sei, so die EnBW,
"prinzipiell für die Zwischenlagerung aller vorhandenen bestrahlten
Brennelemente geeignet". Da es jedoch die Rückbaumaßnahmen im Kraftwerk
behindere, beabsichtige man die Errichtung des separaten StandortZwischenlagers
auf Basis der "trockenen Lagerung". Trocken meint in
diesem Fall, dass die Brennelemente von einem Castorbehälter umgeben
sind, der die Strahlung der Stäbe "abschirmt". Die 342 Brennelemente
sollen in insgesamt 15 Castoren Platz finden, die wiederum sollen dann in
der beantragten Halle für die nächsten maximal 40 Jahre stehenderweise
auskühlen. Gebaut werden soll die Halle auf dem Betriebsgelände der EnKK
(EnBW Kernkraft GmbH) in Obrigheim, westlich der eigentlichen
Kraftwerksanlage, an welche das Zwischenlager unmittelbar angrenzen
würde. Mit dem Vorhaben sieht man bei EnBW die Anforderungen des
Atomgesetzes erfüllt, nach dem bestrahlte Brennelemente möglichst
standortnah zwischenzulagern sind.
Das eigentliche Behälterlager wird nach EnBW-Planungen mitsamt
Betriebsgebäude rund 35 Meter lang, gut 17 Meter breit und knapp 17 Meter
hoch sein. 85 Zentimter dick sollen die Betonwände werden, die das Lager
mit den Castorbehältern umgeben (Dach 55 cm). Drumherum sind reichlich
Zäune und Absperrungen geplant, ein Wachgebäude soll das Lager von der
(noch zu bauenden) Zufahrtsstraße abgrenzen. Auch eine direkte Zufahrt
zum Kraftwerk ist eingeplant. Auf der will man die - im externen
Nasslager beladenen - Castor-Behälter später nach und nach ins neue
Zwischenlager transportieren. Was die vom geplanten Zwischenlagers
ausgehende Strahlenbelastung anbelangt, so gibt die EnBW Entwarnung. Für
die Bevölkerung sei der Betrieb des Standortzwischenlagers absolut
unbedenklich, selbst bei "ganzjährigem Aufenthalt" am Außenzaun der
Anlage betrage die effektive Dosis weniger als 0,1 mSv (Millisievert) pro
Jahr. Damit liege man weit unterhalb des nach Strahlenschutzverordnung
zulässigen Dosisgrenzwertes, so die EnBW.
Eine "ganz normale Sache" ist das Projekt der EnBW für Obrigheims
Bürgermeister Roland Lauer. Der berichtete gestern auf Nachfrage der
Rhein-Neckar-Zeitung von "ganz Wenigen", die sich bis dato für die
Unterlagen im Sitzungssaal interessiert hätten. Einwände habe es auch
noch keine gegeben, folglich rechnet Lauer nach dem 7. Juli mit einer
"flotten Bearbeitung" des Antrags seitens des Bundesamtes für
Strahlenschutz. Flott dürfte in Bezug auf die Kernkraft (und die damit
verbundenen Abläufe und Genehmigungsverfahren) allerdings eher relativ zu
sehen sein. Bis das Trockenlager für die letzten 342 Brennelemente aus
dem KWO-Betrieb tatsächlich in trockenen Tüchern ist, werden also wohl
noch ein paar Wochen und Monate vergehen.
Thema: Atomstandorte - Rubrik: Obrigheim
Quelle: http://www.rnz-
online.de/zusammen13/00_20080516111600_Nasse_Elemente_warten_auf_trockene_
Tuecher.html
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